Dienstag, 22. Dezember 2015

Gepflegte Waffen

Es ist Folgendes: Gestern kam ein breitgebauter Weihnachtsgnom mit einem ganzen Paket voller Blankwaffen in mein Haus. Tolle Sachen! Dolchmesser und Essmesserklingen, ein Basilard und was für die Stange. Aber darum geht's heute gar nicht. Ich erwähne das nur weil ich das breite Grinsen im Moment nicht aus dem Gesicht krieg wenn ich blinkenden Stahl ansehe.

Das heutige Thema soll aber, angeregt von einer Diskussion auf Facebook zum Thema Messerschleifen, die mobile Waffenpflege des 14.Jahrhundert sein. Was also kann man so leicht mal mit schleppen um Scharten aus zu wetzen oder Klingen nach zu schärfen.

Montag, 30. November 2015

Wie ein bunter Hund

Bunt! Nicht gerade das erste Wort das einem einfällt wenn man sich berüchtigte Hollywoodmittelalterfilme, billige Dokumentationen oder heutige Burgruinen und Kathedralen ansieht. Steinsichtig grau stehen die Bauwerke da in der Gegend herum, hellbraun, dunkelbraun und grau laufen Schauspieler durch schlammbraune Szenerien.

Aber die Gotik war bunt. Statuen und Figuren waren in der Regel aufwändig bemalt, die Innenräume von Kirchen und besseren Häusern waren mit bunten Fresken verziert, bunte Glasfenster ließen das Licht Gottes in die Kirchen und die erzielbaren und auch getragenen Farben bei mittelalterlicher Kleidung, alleine erzielt durch Pflanzen, Flechten, Pilze oder Tierbestandteile, erstaunen jeden geschichtsinteressierten Laien immer wieder aufs Neue.

Und damit kommen wir zum angesprochenen bunten Pudelhundes Kern: Ich find das gut! Ich mag bunt. (Naja, zu mindestens in der Darstellung, privat bin ich ja eher der Hollywood-Mittelalterbauer-Typ in braungrauoliv). Und da ich auch Messermacher bin, gehört bunt da eben auch dazu

Bisher habe ich diesen Aspekt in meinen Scheidenrekonstruktionen allerdings zu wenig einfließen lassen, denn abgesehen von der gelegentlichen Schwarzfärbung und einem Ausflug ins Rote (den muss ich demnächst mal bloggen) sind meine Messerscheiden Naturbraun. Schrecklich klischeehaft.

Tatsächlich ist aber auch in der Fachliteratur immer wieder der eine oder andere Hinweis zu finden, dass Messerscheiden in der Tat bemalt waren. So finden sich z.B. auf erhaltenen Scheiden aus London Spuren von Farbpigmenten, meistens Ocker. Auch erhaltene Lederobjekte zeigen deutlich die Spuren von Bemalung, wie z.b. ein französisches, mit Leder verkleidetes Kästchen aus der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts dessen Farbgebung noch sehr gut zu erkennen ist:


Also informierte ich mich mal über damals verwendete Farben und Farbtypen und kam (auch dank der Malerinnen in unserer Truppe) recht rasch auf den Begriff der Tempera. Darunter versteht man mit öliger Emulsion angerührte Farbpigmente, wie z.b. den oben schon erwähnten Ocker. Gesagt, gesucht, getan, gekauft und losgeockert:
 

In diesem Fall habe ich mich einerseits von den Ockerspuren des Fundes aus London sowie der rottönigen Palette des Kästchens inspirieren lassen und die Messerscheide des Essmessers meiner Frau in Erdtönen bemalt:



Völlig angeheizt von der Erfahrung mal etwas anzupinseln das nicht Wohnzimmerwand heißt, ließ ich die erste Scheide trocknen und stürzte mich gleich auf die Nächste:


Hier wurde ich dann schon deutlich mutiger was die Farben angeht und völlig überwältigt von der Vielfalt an möglichen Farbtönen schlug ich gleich mal richtig zu – der bunte Hund .. naja, Drache in dem Fall:



Und weil die Pinsel jetzt eh schon dreckig waren ging ich rüber zum Schaukästchen und griff mir noch eine Lederscheide:


Diesmal verwendete ich mehr oder weniger die gleichen Farbtöne wie beim Drachenmesser, spielte dafür aber erstmals mit Licht und Schatten ein wenig herum:



Und dann ...  dann, bevor ich jetzt in meinem Überschwang auch noch die restlichen Scheiden, eventuell herumstehende Becher und halbfertige Kleidungsrekonstruktionen mit künstlerischer Hand in farbenstrotzende Meisterwerke verwandeln konnte, bremste mich mein Gewissen mit den Worten: „Ja eh klar, Nikolaus, war sicher alles bemalt. Ohne Ausnahme. Oder? Denk nochmal nach!“

Deshalb ist hier auch Schluss mit Bildern von bemalten Messerscheiden, ein paar dürfen ruhig pfuibraun bleiben.

Ach ja, ein großer Vorteil beim Bemalen war, dass die Tempera sich mit Wasser so wunderbar wieder abwaschen ließ und ich so mehrere Versuche an derselben Messerscheide hatte.

Tja, Vorteil, naja, denn:

Ein großer Nachteil beim Bemalen war, dass die Tempera sich mit Wasser so wunderbar wieder abwaschen ließ und das erste Mal angreifen mit feuchten Händen zu bunten Händen und braunem Leder führte.

Hmm, nicht gut.

Ein paar Recherchen weiter stieß ich (auch dank einiger Ideen und Hinweisen meiner Mitstreiter) dann auf Leinölfirnis. Und landete bei Leinöl-Standöl. Das hatte meine geliebte Frau nämlich in ihrer Textildruckerkiste.

Damit betupfte ich dann die bemalten Scheiden und fixierte die Farbe durch die anschließende biochemische Lackbildung ein wenig. Ist jetzt immer noch nicht als Scheide für Tauchermesser gedacht, aber immerhin kann man mal ins Schwitzen kommen ohne selbst … zum bunten Hund zu werden.

Samstag, 28. November 2015

Die Sache mit dem doppelten Janus

Traditionell beginnen meine Blogs ja mit einem wirren Titel der sich dann elegant und eloquent aufschlüsselt um letztlich zum Thema des Artikel überzuleiten. So auch heute.

Janus, der zweigesichtige römische Gott war zuständig für Anfang und Ende und daher werden wir uns auch heute vom schräg betitelten Anfang zur Konklusio am Ende durcharbeiten. Wobei durcharbeiten schon sehr hochgegriffen ist, denn ich bin etwas schreibfaul und daher wird der Artikel wohl leichter zu durchqueren sein als befürchtet.

Mit Janus verbindet man nämlich den so genannten Doppelkopf. Und ein Doppelkopf, oder einfach nur Kopf oder auch Scheuer ist das Thema heute. Ich hab nämlich jetzt einen. Eigentlich hab ich aber zwei und daher doppelter Janus. Alles klar?

Doppelköpfe finden sich unter anderem im Fundgut von Konstanz und sehen dort so aus:


Meine Doppelköpfe sind sehr genau nach den Konstanz und Freibergfunden entstanden und bestehen einmal aus Nadelholz, Fichte in dem Fall das in Konstanz recht häufig vorkommt, und einmal eher ungewöhnlich aus Eiche, weil das im Raum Wien ein regionales Holz war.

Aufmerksamen Beobachtern wird allerdings nicht entgehen, dass meine Rekonstruktionen ein entscheidendes Detail vermissen lassen: Die Griffe

Das liegt daran, dass beide Repros an einer modernen Drechselbank entstanden sind die immer nur in eine Richtung dreht und somit ein "Stehenlassen" der Griffstücke nicht ermöglicht. Ist das ein Wermuthstropfen? Ja, irgendwie schon. Aber es gibt auch Funde von Scheuern ohne Griffen und auch wenn sie in der Minderheit sind will ich mal zufrieden sein.


Was die erhaltenen Köpfe auszeichnet ist die hohe Handwerkskunst mit der sie gefertigt wurden, denn die Originale sind enorm dünnwandig und mit einer aufwändigen Silhouette gestaltet.

Der Trick bei dieser Geschirrform ist einerseits der dicht verschließende Deckel der ein langes Warmhalten von Speisen gewährleistet sowie die Möglichkeit den Deckel nach dem Abnehmen als zusätzliches Geschirr nutzen zu können. Etwas Praktisches eben, eine Art Campinggeschirr und in einer Linie mit den gefinkelten Dingen gotischen Erfindungsreichtums zu nennen, wie z.B. dem Klappkerzenhalter. 



Und weil ich mich ja letztens auch ans Löffelschnitzen gemacht habe und auch meine Trinkglassammlung um ein weiteres Stück erweitert habe können meine Frau und ich mit unseren biologisch vorgegebenen zwei Köpfen (Ok, der war holprig) jetzt standesgemäß speisen. Unsere beiden Töchter hingegen können dann ihr Süppchen aus dem Deckel löffeln wenns sein muss und so haben vier Köpfe zwei Doppelköpfe und letztendlich hat jeder (Kinds)kopf seinen Deckel (Der war hingegen gut, oder?)

Dienstag, 17. November 2015

Ich gehör‘ zum alten Eisen

Echt jetzt! Jedesmal wenn ich seh wie meine 13-Jährige eine Kletterwand raufhüpft zwickt mich die Leiste, knarzt das Kreuz und kracht das Knie. Und wenn sie dann die schlafende 7-Jährige rauf trägt in deren Bett dann schnauf ich seufzend (Kann man seufzend schnaufen?) hinterher.
Aber eigentlich soll es hier ja gar nicht um mein armseliges Jammern gehen sondern um altes Eisen! Denn das war ein Thema bei meinem letzten Versuch noch näher an DAS historische Messer schlechthin heranzukommen.


Wenn man sich metallurgische Analysen von Messer- und Scherenklingen des 14.Jahrhunderts mal genauer ansieht, stellt man schnell fest wie selten wirklich guter Stahl selbst im Spätmittelalter noch gewesen sein muss. Diese Tatsache und die gewünschten Eigenschaften die ein gutes Messer mit sich bringen sollte (einerseits gut zu schärfen, die Schärfe lange halten und weich genug um nicht zu brechen) führten neben der im Gebrauchsmesserbereich eher seltenen Verwendung von wärmebehandelten Monostählen zum Einsatz zweier verschiedenen Metallqualitäten. Die meisten Messer aus den Themsefunden in London sind dieser Gruppe zuzuordnen und auch Holtmann spricht in seinen Untersuchungen zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern von den Ergebnissen osteuropäischer Untersuchungen welche ein ähnliches Bild zeichnen.

Daher war mein Ziel einmal mit derartig konstruierten Klingen zu arbeiten wohl für jeden historischen Messerenthusiasten nachvollziehbar. Und tatsächlich fand ich in Jannis Scholz von Xerxes-Knives einen geeigneten Partner für die Herstellung von Messerklingen nach meinen Vorgaben.

Und weil ich wirklich so nah wie nur irgendwie möglich an eine historische Klingenqualität heran wollte bot Jannis an auch historische Metalle zu verwenden. Fand ich gut.
Unter seiner kundigen Hand entstand dann die Klinge dieses Messers in einer Herstellungstechnik bei dem die zukünftige Schneide aus kohlenstoffreichem, hartem und gut schärfbarem Stahl in praktisch reinem Eisen eingeschlagen und feuerverschweißt wird. Dadurch bleibt der „Messerkörper“ weich und bruchsicher und ist ebenso wie die Angel sehr angenehm zu bohren, zu feilen und zu nieten.

Hier ist der Übergang der zwei Stähle mit der Schweißlinie gut zu erkennen

Kurz gesagt, ein echter Spaß damit zu arbeiten. Und weil die Begeisterung mit mir durchging setzte ich gleich eine, an einem Messer der Londonfunde vorgefundene, Verzierungstechnik um. Dabei wird die Klinge knapp unter dem Rücken vollständig durchbohrt, mit Buntmetalleinsätzen versehen und diese dann durch Hammerschläge aufgetrieben so dass sie sich fest mit der Klinge verbinden. Nach dem Überfeilen werden die eingelegten Messingscheiben dann noch verziert. In meinem Fall mit einem Punktmuster.


Für das Heft griff ich auf die in meinem Blog schon bis zur Ermüdungsgrenze beschriebene Plättchentechnik zurück. Schulter- und Endplatte machte ich aus einem massiven Stück alten Eisens dass Jannis mir mitgeschickt hatte und die Zwischenplättchen aus einem Eisenblech dass noch in der Werkstatt herumlag. Für die eigentliche Griffgestaltung entschied ich mich für schwarzes Horn, weil ich bei meinem letzten Messer irgendwie auf den Geschmack gekommen war.


Die grundsätzliche Form des Hefts ist von den üblichen Messerabbildungen „meiner“ Zeit geprägt und nimmt die klingenseitig stark abgesetzten Messerformen der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts vorweg (die allerdings in den Bildquellen auch in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts stark vertreten sind) während die Griffformmethodik mit der klassischen Plättchentechnik noch der in der ersten Hälfte des verankert ist.



Und somit bleibt mir neben der Freude über das neue Messer nur mehr die Rückkehr zu den Raunzphasen des Textbeginns ... Gott bin ich alt. Und .. aach ja ... ist es DAS Messer geworden? Hmm, keine Ahnung fragt mich nach dem Nächsten.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Was machen ein Messerer und ein Schuster im Heu?

Ganz einfach! Sie suchen das Messer vom Schuhmacher das der dort verloren hat. Und weil der Schuster Karl es nicht wiedergefunden hat (so kamen damals übrigens die heute so beliebten Streufunde in der Archäologie zu Stande) und der Messermacher der wo ich bin im Leben noch nichts erfolgreich gesucht hat macht man also ein Neues:


Montag, 5. Oktober 2015

Und noch einer

Nach meinen letzten Löffelschnitzversuchen wollte ich es echt nochmal wissen! Also musste noch einer her und weil man nach 2 Löffeln ja bitteschön so was von Kein-Anfänger mehr ist: Weg mit Linde! Her mit Ahorn! HA!

Ja, ha (kleingeschrieben aus gutem Grund) .. und was für ein "ha". Denn vom Schnitzen von Lindenholz auf Ahorn auszuweichen ist wie wenn man beim Füttern eines Babys von Mango-Gemüse-Chutney direkt auf ungeschälte Haselnüsse umsteigt. Ahorn ist hart und kurzfasrig. Sprich das Schnitzen ist ein echt mieser Job. Oder zu mindestens nicht mehr die Nebenbeschäftigung während Gartenplaudereien mit meiner Frau.


Dienstag, 22. September 2015

Gewandschließen

Heute wollen wir uns mal wieder ohne lange und umständliche Einleitung und ohne große Anfangsscherzerei einem Thema zuwenden das mich schon des längeren fasziniert: den Gewandschließen!

Haken- (links) und Ösenverschluss aus dem Schatzfund von Erfurt um 1348

Sonntag, 20. September 2015

Mein erstes Laufi

Laufi! Dazu muss ich ausholen. Laufi fällt nämlich genau wie Fuzerlschwapperl oder Pappelfisch in die Kategorie des häuslichen Kindermundes. Als meine zwei Großen nämlich noch sehr klein waren war Laufi der Löffel (nicht zu verwechseln mit Glaufi, das war die Nachziehlaufente) während die kreativen Fuzerlschwapperl ebenso wie die Pappelfische (weil sie sich im namensgebenden Teich aufhielten) ein elegantes Synonym für Kaulquappen darstellten.

 

Freitag, 31. Juli 2015

Ambrosia-Huhn und Würste



Nun noch zum letzten Tag unseres Belebungswochenendes, dem Sonntag! Dieser Tag war aus organisatorischer Sicht ein spezieller Tag, da viele unserer Mitstreiter recht zeitig nach Torschluß die Heimreise antreten wollten. Waren für die meisten doch gut 700 km zurückzulegen, um wieder in die Heimat zu kommen. Daher planten wir, nach einem herkömmlichen Frühstück das bisherige Abendessen auf den frühen Nachmittag vorzuverlegen. Aber der Reihe nach!

Zum Frühstück:

Sonntags sei der Hirsebrei das Frühstück; so habe ich es zumindest gelesen. Und zumindest diese Wochentagsregel wollten wir beherzigen. Also gab es Hirse-Milch-Brei mit den bekannten Verfeinerungsmöglichkeiten.


Donnerstag, 30. Juli 2015

Blancmanger und Fleischfladen


Noch etwas sollte ich zu unserem Speiseplan erwähnen: nicht nur die zeitliche Einordnung unserer Mahlzeiten in den Tagesablauf, auch die Auswahl der Speisen erhebt hier keinesfalls den Anspruch auf die perfekte Nachstellung eines historischen Tages. Einerseits wollten wir uns eben nach den Gegebenheiten richten und andererseits auch einmal eine möglichst abwechslungsreiche Palette an historischen Rezepten zeigen. Da wir die Zutaten außerdem erst vor Ort besorgt haben, mussten wir uns teilweise auch damit zufrieden geben, was zu bekommen war. Sicher hätte man durch eine ausgedehntere Einkaufstour vielleicht noch das ein oder andere Detail optimieren können. Aber schließlich waren wir nicht zum Shoppen hier, sondern zum Kochen!

 
Zum Frühstück:

Auch hier ist durch die vielfältige Auswahl an Getreiden zumindest in einem überschaubaren Rahmen Abwechslung möglich. Daher gab es Graupenbrei, wieder mit Milch und Wasser angesetzt. Gewürzt habe ich diesmal mit dem Poudre fine. Zum Verfeinern und Aufwerten standen Walnußkerne, Datteln, Trockenpflaumen, Apfelmus und Honig bereit.

Pflaumen, Datteln und Walnußkerne habe ich mir klein geschnitten und sie dann mit Apfelmus unter den Brei gerührt. Dies war rückblickend gesehen meine persönliche Lieblingsvariante.

Montag, 27. Juli 2015

Was war zuerst: Milch oder Kind?

Da fährt man frisch-fröhlich auf ein Reenactment-Wochenende mit anschließendem Urlaub in einem ländlichen Gebiet und schon steht man vor dem Henne-Ei-Dilemma!

Da hat mein Mann nach gemeinschaftlicher Recherche der IG14 eine wunderbare Wiege für unser jüngstes Mitglied nach Bildbelegen gebaut; zu sehen zum Beispiel hier:


Und dann - nachdem wir die Wiege ein Wochenende lang in Aktion bewundern durften - gehen wir durch den Garten des Biobauernhofs im Salzburgischen und sehen das:


Da war das Erstaunen natürlich groß!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Huhn am Spieß und Ragout

Am ersten vollen Tag unserer Bachritterburg-Belebung wollten wir gleich den frischen Tatendrang und die überbordende Motivation nutzen und haben uns Kopf über ins Geschehen gestürzt!

Zum Frühstück:

Nebst den "klassischen" Frühstückszutaten wie Brot, Butter, Honig, Wurst und Käse sollte es auf jeden Fall jeden Tag ein spezielles historisches Gericht schon am Morgen geben.


Die Frühaufsteher unter  uns haben demnach immer schon für Feuer gesorgt und der morgendliche Brei konnte angesetzt werden. Buchweizengrütze nach Habermus-Art sollte unser erster Versuch sein.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Die große Küchenschlacht 2015

oder: wie man 6 Mannsbilder, 8 Weiber und 4 Kinder 3 Tage lang bei Kräften hält!


Auch 2015 haben wir wieder einen Termin gefunden, an dem wir das Kochen nach historischen Rezepten so richtig ausleben können!

Im Juli auf der Bachritterburg/Kanzach in Deutschland haben es sich Doris und ich unter tatkräftiger Unterstützung unserer IG14-Mitglieder zur Aufgabe gemacht, für das leibliche Wohl zu sorgen.

Montag, 13. Juli 2015

Die Montur ist verschlissen, das Pulver verdampft

Ich habe ehrlicherweise lange mit mir gerungen ob ich diesen Artikel schreiben soll. Warum?

Na weil es einerseits nicht fair ist nur eine angebliche "historische" Veranstaltung zu kritisieren und all die anderen Märchentreffen in Österreich (zu erkennen am "Ritter", "Fest", "Markt" oder "Spektakel"" - Etikett) außen vor zu lassen. Andererseits weil man sich als Kritiker stets einer Unmenge an blöden Anfeindungen ausgesetzt sieht die einem doch auch den Tag versauen können.

Aber das was das HGM, das Heeresgeschichtliche Museum (ich buchstabiere noch mal:  M.U.S.E.U.M) letzte Woche abgeliefert hat war so unter jeder Kritik dass ich einen Tunnel graben muss um doch noch eine kritische Anmerkung dazu verfassen zu können.

Was erwartet man sich eigentlich von einem Museum? Damit sollten wir beginnen!

Ich persönlich erwarte mir eine seriöse Art der Wissensvermittlung, einen verantwortungsvollen Umgang mit wissenschaftlichen Fakten und ein gewisses Maß der Ernsthaftigkeit. Ich hoffe so weit sind wir uns einig?

Was ich dann aber am Sonntag im weitläufigen Freigelände des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (soll ich's nochmal buchstabieren?) das schlug selbst  dem hartgesottenen Krautfass den Boden aus.

Man hatte eine Menge an Händlern aufgeboten, was natürlich ist, schließlich zahlen die armen Tropfe mit ihrer Standmiete schon mal die halbe Veranstaltung. Aber warum, WARUM in Dreiteufelsnamen, muss man seltsames Kunstgeschwurbel und disneyeske Polyesterkleider zum Kauf anbieten lassen? Warum Hexenshops? Warum moderne Jagdmesser verramschen wenn es auch Schmiede gibt die ihr Handwerk verstehen? Oder gibt es in Österreich keine Handwerker mehr die ihr Handwerk beherrschen? Sind die alle ausgestorben oder wollen kein Geld verdienen? Oder wären die einfach nicht bereit für die Gelegenheit ihr "Schöner Wohnen"-Gerümpel anbieten zu dürfen brav in die Kasse zu zahlen? So was aber auch!

Da muss ich mich doch fragen ob das Museum mit seinen Exponaten auch so umgeht? Sind die Panzer nur aus Leimholz und Styropor? Sind die Ausstellunsgstücke in den Vitrinen vielleicht doch auf rumänischen Flohmärkten erworben? Uniformen schon ab 1€?

Aber gut, ich habe es schon lange aufgegeben mit Shopping-Mentalität auf solche Spektakel auszurücken. Das führt ohnehin nur zur großen Enttäuschung. Aber da, am Wochenende im Heeresgeschichtlichen Museum, war selbst für einen typischen Albtraummarkt das Angebot hundeelend.

Aber eine wahres "Spektakulum" hat natürlich mehr zu bieten! Sollte man annehmen, vor allem wenn es in einer staatlich geförderten Bildungseinrichtung stattfindet. Da begann der Trauer zweite Phase aber erst richtig.

Die gebuchten Gruppen im Bereich "Mittelalter" (und nur die kann ich beurteilen) waren ein wüster Haufen an Zeiten, Orten, Moden und Mentalitäten. Historische Kleidung war mit der Lupe zu suchen und dann stets unter dem Altkleidersammlungshaufen der letzten tschechischen Märchenproduktion aufzufinden. Ähnlich käme ich mir vor wenn ich in einem Heeresgeschichtlichen Museum (so was soll es angeblich wirklich geben, natürlich nicht bei uns in Österreich) nach einer österreichischen Muskete aus dem 18.Jahrhundert suchen würde und die Vitrine unter Plastikkalaschnikows begraben wäre wie bei einer schlecht gelungenen Kunstinstallation.

Aber das Darstellergruppen jetzt nicht immer das gelbe des historischen Ei's sind, ist doch auch normal? Gibt ja auch den FC Barcelona und den Sportverein Rammersdorf und beide spielen Fußball? Das stimmt, aber die haben hoffentlich eines gemeinsam .. sie bewegen sich!

Aber das was dort, im HGM, herumhockte oder schauschlief (und es waren nicht wenige von derart großer Müdigkeit übermannt dass sie publikumswirksam hinter ihren Absperrungen für den interessierten Besucher vor sich hinschnarchten) war der uninteressanteste Haufen an Verkleidungskünstlern der mir je untergekommen ist! Haben die dafür eigentlich Geld bekommen? Oder ist alleine die Teilnahme an einem Museums-Event schon quasi im Schlaf verdienter Lohn genug? Wie wäre wohl ein Match zwischen dem FCB und den tapferen Rammersdorfern wenn kein Tormann da ist, die eine Hälfte der Spieler an der Mittellinie sitzt und die Steuerreform bespricht während Messi und Neymar in Löffelchenstellung am 16er ein Schläfchen machen? Sicher ähnlich gut und begeistert besucht wie diese Veranstaltung! Man hätte die Wiese auch mit zeltenden Erdapfelmännchen füllen können, die wären genauso einladend gewesen.

Kurz und gut es war ein echtes Trauerspiel, und eigentlich nur der Erwähnung wert weil es in musealem Umfeld stattfand. Unter der mutmaßlichen Schirmherrschaft von Kultur und Wissenschaft. Also an einem Ort wo man sich Wissen und Erbauung erhofft und nicht die Gefahr bestehen sollte sich umgehend die Schlafkrankheit zu holen.

Positiv zu erwähnen sind gewisse Einzeldarsteller, die trotz der gesichtslähmenden Stimmung in schwerer Wolle schwitzten oder mal etwas zur Hand nahmen dass nicht aus dem Fundus von "Piraten der Karibik" zu stammen schien. Und positiv war die Tatsache, dass "Gewandete" keinen Eintritt zahlten. Daher, liebe Leser, nehmen sie nächstes Jahr einfach Omas Tischdecke um die Schultern, stecken das Holzschwert in den Nietengürtel von Tante Elfie und machen sie sich auf zu "Montur und Pulverdampf 2016"!

Und wer weiß, vielleicht werden sie so sogar der bestbekleidetste Historiendarsteller des ganzen Museums .. des ganzen M.U.S.E.U.M.s? Die Wahrscheinlichkeit ist höher als sie glauben!

Dienstag, 30. Juni 2015

GNF

Hätte Gänserndorf in Niederösterreich einen internationalen Flughafen, sein Rufzeichen wäre wohl GNF! Da bin ich sicher.
Da der globale Jetset aber Gäsnerndorf zu meiden scheint, vor allem seit sie den Safaripark geschlossen haben, kann ich die dem Trend der Gegenwart entsprechend hippe Abkürzung GNF weiterhin frei verwenden ... für "GebendeNadelFutteral"


Schwarze Drachen

Der Titel könnte jetzt auf meine nostalgischen Anfänge mit D&D hinweisen, gleich nach der Erklärung kommt dann die Schatztabelle und der Schadenswert für den Säureangriff! Tut er aber nicht.

Vielmehr geht es um die Verzierungen die ich auf der Scheide für mein Prachtmesser angebracht habe und die auf demOriginal einer nicht näher datierten Messerscheide aus London basieren:

Donnerstag, 25. Juni 2015

Beliebt bei den Frauen?

Bei dieser Fragestellung geht es natürlich nicht um meine Person, auch wenn ich mir der liebevollen Zuneigung gewisser Damen (die vorwiegend mit mir verwandt oder verheiratet) sind sicher sein kann.

Tatsächlich geht es mal wieder um Messer! Darf ich ja jetzt auch, hab schließlich mal wieder einen Gürtel gemacht.

Viele die gerne ein Messer von mir möchten sind Frauen und auch wenn man den Anteil derer wegrechnet die ihre Männer damit beschenken bleibt ein erstaunlicher Anteil über. Erstaunlich ist jetzt natürlich so gar nicht Gender, also: Viele Frauen mögen Messer!

Schlimmer allerdings als höfliche Anfragen zum Messerbau sind die Frauen der eigenen Sippe. Den kaum hat man(n) sich ein neues Messer gebaut, kommen Groß- und Klein-Niklasinen (vor allem die Kleinen!)  herangesprungen und rufen "Ichwillaucheins! Machmireins!"
(Man beachte hierbei das Fehlen von leerzeichen, sprich Luftholpausen und die Abwesenheit von "Oh, bitte Herr Papa sei doch so lieb ..")

Also macht man, denn knuffige Kindergesichter sind ein besserer Ansporn als alles andere:


Mittwoch, 24. Juni 2015

Der Schein der Gotik

Bei jenem Großteil meiner Leserschaft die schon nägelkauend und Gräben in den Parkett laufend auf neue Beiträge gewartet haben muss ich mich zuerst mal entschuldigen .. ich  war .. hmm .. inaktiv! Und sowas von! Keine Lust auf replizieren, konstruieren, dokumentieren und sonstige Ieren, außer vielleicht konsumieren. Aber gut, Gottsei Dank, alles hat ein Ende. Jetzt geht's wieder los .. gleich mal ein Bild!

Highway to Hell - Ein Trailer zu dem was sie noch lesen werden müssen

Mittwoch, 6. Mai 2015

Einfach, aber schön

Neulinge im Hobby sind was wunderbares, denn entweder sind es polyestertragende Gröhler mit blanken Dreihändern und Fellhelm .. oder, wie in diesem Fall es sind geschichtsinteressierte Nerds, deren erste historische Kleidungsrekonstruktion manchen Althasen (ist ALT-Hasen irgendeine sinnvolle Tastenkombination .. scheinbar kann man damit die Hilfe des Firefox aufrufen und die Add-Ons neu starten .. auch nicht schlecht) .. also deren erste historische Kleidungsrekonstruktion manchen Althasen die Neidtränen aus dem Augenwinkel drückt.
Um letzteres handelt es sich bei der jungen Dame für dieser Gürtel gedacht ist, gotisch passend zum neuen, roten Kleid: Grün!

Ist eigentlich ein schönes Grün, sieht auf dem Bild nur keiner

Sonntag, 3. Mai 2015

Heitschibummbeitschi

Bumm. Bumm. Und nein, ich hab keine Kanone gebaut. Vielmehr hab ich mein erstes Holzkonstruktionsprojekt recht erfolgreich abgeschlossen und bin entsprechend stolz darauf!

Das es in unserer Gruppe Darstellernachwuchs gibt hab ich ja schon erwähnt, und außer zu rasseln, zu schreien und zu stinken tun Babys noch etwas (hoffentlich) recht gerne, Schlafen!

Standesgemäßes Schlafen ist daher für einen Living History Zwuckel natürlich ein Muss, und weil ich mich schon lange mal in das Gebiet des Holzbaus vorwagen wollte (wegen der Kisten und Kästchen und Truhen und so) hab ich mich bereit erklärt dem Zwerg etwas entsprechendes zu machen. Und da ist es jetzt: Die Wiege!


Samstag, 25. April 2015

Es wird Frühling .. Zeit für einen Winterhut!

Ja, Hut! Ich mag Hüte! Messer auch, weiß man aber von mir. Aber Hüte ist neu .. für manche jedenfalls!

Und nachdem dieses Jahr zwei Spätoktobertermine auf mich lauern brauch ich was auf dem Kopf das mein empfindliches Genialhirn vor dem vielleicht frühwinterlichen Frost schützt. Wär ja sonst schad drum!

Nun hat also die mittelalterliche Warenwirtschaft mal wieder voll zugeschlagen und mir für einen pflanzengefärbten, grünen Gürtel und 2 Gebendenadeln einen neuen Hut eingebracht. Vorbild dafür waren die Pilgerhüte die man auf Abbildungen des 14. Jahrhundert recht häufig findet, so z.B. hier:


Mittwoch, 22. April 2015

Quellen des 14.Jahrhunderts - Literatur für die persönliche Ausstattung

Hallo zusammen! Auch wenn es tatsächlich eine Bilderhandschrift über Heilquellen Italiens im 14.Jahrhundert gibt, ist hiermit die Sammlung von Quellen für die Darstellung einer Person des 14.Jahrhunderts gemeint, konkret geht es heute um passende Literatur.

Bei mir hat sich im Laufe der Jahre ja so einiges an Büchern zu dem Thema angesammelt, daher möchte ich die für mich wichtigsten Buchquellen für die persönlichste, sprich die direkt getragene Ausrüstung, hier einmal offen legen:


Die allerersten Schritte:


Kleidung: 

 

 Gürtel und Schmuck:



Schuhe:


Messer & Scheiden:



Taschen:



PS: Ich habe mal die noch gut verfügbaren Bücher verlinkt, der Rest ist aber in der regel über die Fernleihe zu bekommen

Mittwoch, 15. April 2015

'CHEPPA!

Öhm, ja. Was für ein Titel. Da muss ich ausholen:

Also ich mach für unsere Gruppe ja sehr viel an Ausrüstung, da wären Messer und Scheiden dazu, Gürtel, Näh- und Stricknadeln, Klappmesser, Waagen und was weiß ich noch. 

Aber unser neues Mitglied, übrigens das erste durch biologische Zeugung statt durch Anwerbung hinzugekommene, braucht natürlich auch was! Nur was schenkt man einem 8-Wöchler ... hmm .. ein Messer? An einem Messer ist nie was verkehrt! Na gut, vielleicht schon .. aber nur in dem Fall ... dann halt was Anderes mit Griff:



Montag, 13. April 2015

Eine Geschichte zweier Linien

Neues Messer!!! Nein, nur ein Scherz, diesmal geht's echt um was Anderes. Nämlich um Linien und Zaddeln und Säume und Nähte ... um eine Gugel konkret!

Abbildungen von Gugeln (für Die-nicht-vom-Fach-Seienden: Ein Kapuzenpulli ohne Pulli) findet man um die Mitte des 14.Jahrhunderts ja zu Hauf, da spar ich mir das Beispiel. weniger häufig aber immer noch reichlich findet man dann Gugeln mit Zaddeln, als Kapuzen mit speziell zugeschnittenen Säumen am Kragen:

Lilienfeld, Ö, 1350

Auch hier soll uns mal ein Beispiel genügen, auch wenn die ungeheure Vielzahl an verschiedenen Zaddelformen schon einen eigenen Beitrag wert wäre.

Donnerstag, 9. April 2015

The Italian Job

Italien! Pizza und Vespa fahren, Gelato schlecken und die Füße im heißen Sand .. nicht um 1340!

Aber Schmuck und exotische Zutaten, das ja, auch in der Hochgotik .. und vor allem in Wien, dem Einfallstor venizianischer Waren auf der östlichen Route ins römische Reich. Venezianischer Schmuck wurde nicht nur in der Region um Wien sondern so gar so weit wie Erfurt ins Kaiserreich exportiert, und ebenso kamen Materialien ins Land die den exotischen Hauch des Fremden mitbrachten.


Ein sehr weites Gebiet also, das sich dem ambitionierten Messermacher da als Weidefläche auftut. Und was wär ich für ein heftgestaltender Wiederkäuer würde mich das nicht reizen?

Und weil wir ,gerade bei Kühen sind, Rinderknochen hab ich bei dem Messer auch verarbeitet um eine "weiße" Note hinzuzufügen. Gemeinsam mit Horn sind Knochenplättchen das am besten und durchgehend belegbare Material in der Plättchentechnik.

Womit wir beim Horn wären: In diesem Fall habe ich italienisch orientiert und statt dem wohl eher üblichen milchig-braunem Kuhhorn schwarzes Horn vom Wasserbüffel verwendet. Die Araber brachten den ursprünglich in Indien beheimateten Wasserbüffel schon im Frühmittelalter nach Italien, wo er ein begehrtes Zugtier war und als Milchproduzent den auch heute noch beliebten Mozzarella lieferte. Dieser wird schon aus normannischer Zeit als überliefert geführt, spätestens mit der Herrschaft der Anjou gilt er als gesichert.


Bleibt also nur mehr der bunte Mittelteil, und der besteht aus zwei verschiedenen Farbkomponenten:

Einmal haben wir die im Mittelalter ungeheuer beliebte Koralle, die rote Koralle des Mittelmeerraums um genau zu sein, deren Verwendung vor allem in der Paternosterherstellung sehr gut dokumentiert ist. Koralle stand als Symbol für die Abwehr von Unheil und war bei Paternostermachern bis in den norddeutschen Raum so beliebt, dass in Testamenten häufig der Begriff "corallensnor", also Korallenschnur als Synonym für Paternosterschnüre erwähnt wird.


Die andere farbige Komponente hingegen ist bei diesem Messer eine Scheibe des Halbedelsteins Türkis, in einem wunderbaren blaugrünen Farbton und mit seiner charakteristischen Maserung.

Türkis, irrtümlich nach dem Hauptumschlagsort Türkei benannt obwohl seine klassischen Abbaustätten eher im Iran und der Sinaihalbinsel zu verorten waren, wurde schon ab etwa 5000 v.Chr. in Ägypten zur Schmuckherstellung verwendet und gilt somit als einer der ältesten Schmucksteine der Menschheitsgeschichte. er dürfte in Europa vor allem durch die Kreuzzüge populär geworden sein.

Als "Bindemittel" dienten wie oft in der Plättchentechnik Lederscheiben so wie das bei dieser Technik historisch am häufigsten eingesetzte Material, Messing.


Bedingt durch die "holzlose" Gestaltung des Hefts war hier eine vollständige Durchsteckung der Angel durch alle Plättchenpakete nötig. Als Zwinge sowie als Abschluss dienen kräftige pakete aus Messingblech. Das letzte Plättchen wurde dann mit der Angel vernietet. Durch die große Anzahl an Buntmetall erhält das Messer eine sehr angenehme Schwere und liegt gut in der Hand.

 
Von der grundsätzlichen Form her (zylindrischer Griff ohne Überstand sowie ein gerader Klingenrücken), der eher geringen Messergröße sowie den teilweise sehr exklusiven Griffmaterialien ist das Messer klar auf das Spätmittelalter zu datieren, und zwar am ehesten vom ausgehenden 13.Jahrhundert bis zum Niedergang der Plättchentechnik im späten 14.Jahrhundert.


Alles in allem: Ein sehr gelungenes Stück, gut einsetzbar und mit seiner Buntheit eindeutig etwas Besonderes .. das zu übertreffen wird mir schwer fallen, aber hey, das hab ich mir schon oft gedacht. Und andere Farben haben auch schöne Töne.

Montag, 16. März 2015

Wer Bam sagt, muss auch Berg sagen!

Tja, da wär ich wieder! Und weil ich ja weithin dafür gerühmt werde mir bei meinen Messern besonders viel Mühe zu geben .. na gut, nicht weithin .. und auch nicht wirklich gerühmt ..vielleicht eher liebevoll verbal hinter den Ohren gekrault?
Jedenfalls versuch ich für jedes Messer die passenden Recherchen zu machen und mir die Quellen und Belege zusammen zu suchen die dann in die Arbeit einfließen.

So auch beim Bamberger Messer für das es letztens eine Scheide zu machen galt, und da war es mir natürlich ein Anliegen neben der in Bamberg gefundenen Messerklinge auch beim Scheidenmachen möglichst einen Lokalbezug zu haben.


Montag, 9. März 2015

Aua, mein Rücken

Ich kann die Befürchtungen um meinen Gesundheitszustand aber gleich wieder zerstreuen, denn es handelt sich mitnichten um meinen Rücken (um den es aber auch nicht besonders gut bestellt ist .. das Alter halt) sondern die Aussage ist aus Sicht meines neuesten Werkes zu sehen:


Mittwoch, 25. Februar 2015

S(k)lavenarbeit

So, Messerbaupause beendet! Und schon geht's los mit etwas eher speziellem .. einem Messer für eine befreundete Darstellerin der slawisch beeinflussten Regionen. Also sie stellt natürlich einen Menschen aus einer slawisch beeinflussten Region dar, nicht eine slawisch beeinflusste Region selbst. Dafür ist sie zu zierlich!


Der gute Hr. Dr. Holtmann (und einmal nenn ich seine Arbeit "Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern" noch!) hat dazu einiges zu sagen, unter anderem:

Montag, 23. Februar 2015

Suchtmittelersatzprogramm

Ich habe ja in meinem vorletzten Beitrag eine vorübergehende Abstinenz vom Messermachen angekündigt! Sehr großspurig von mir ... aber jetzt ja nicht mehr zu ändern. Als Ersatz habe ich mich an einem ziemlich albernen Scherz über das Große A versucht, das A-A, doch im Nachhinein kann ich nur sagen dass ich da wohl Bemühungen zeigte mit der Brechstange schenkelzuklopfen.

Nun, das Messermachen fehlt mir und verkrampfte Versuche fehlende Messerklingen durch eine Verwendung von Flugzeugaluminium oder schichtverleimte BILLA-Sackerl zu kompensieren (rein gedanklich natürlich) waren zum Scheitern verurteilt. Da kam mir der Wunsch meiner Frau nach einer Aufstockung unserer Küchengeräte gerade recht! Also .. die Schaumkelle!


Schaumkellen wurden wohl verwendet um den Schaum der sich zum Beispiel bei Kochen von Rindsknochen für das Süppchen oben auf der Suppe absetzt abzuschöpfen. Sagt meine Frau und der glaub ich das.