Montag, 20. März 2017

Was für eine junge Jungfer ...

Es gehen einem ja so langsam die Ideen aus. Alles ist schon irgendwie gebastelt, gerwerkt oder gemacht worden. Da trifft es sich dann gut wenn man eine Tochter hat die (historisch gesehen) langsam aber sicher ins vermittlungsfähige Alter kommt.

Und da mit dem zunehmenden Alter bei meinem Mädchen auch die Putzsucht ein wenig erwacht (Gott sei Dank NUR historisch, privat rennt sie rum wie ihr Vater) war es an der Zeit der "Jungfer" ein jungferliches Geschenk zu machen. Weil aber (historische) gutsituierte Jungmänner grad so knapp sind und das Interesse des Töchterleins nicht gerade für eine baldige Verlobung spricht (es sei denn mit Gerald von Riva oder Jacob Frye) dacht' ich mir ich mach ihr ein klassisches, gotisches Jungfrauensymbol: ein Schapel

Detail eines Buntmetallschapels, mit Blumendekor auf einem punzierten Messingreifen
(1) Detail of a brass circlet with flowers on a band with punched decoration

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Schapelle tauchen etwa im 12.Jahrhudnert auf und halten sich bis weit in das 16. hinein. Man sieht diese Stirnreifen neben der klassischen Trageweise auf bloßem Haar auch oft in Verbindung mit leichten Schleiern, Haarnetzen oder sogar Gebenden. Dabei war das Tragen von Schapellen keineswegs auf die Damenwelt beschränkt wie wir anschließend noch sehen werden.

Ein paar Beispiele für schapellierte Damen (und wegen der Gleichbehandlungsquote auch einen jungen Herrn ganz rechts) habe ich mal zusammengefasst:


Abbildungen von Schapellen zwischen 1325 und 1350 (Österreich [1.+2. v.l.], Slowakei, Südtirol, Schweiz)
(2) Medieval depictions of circlets between 1325 and 1350 from Austria, Slovakia, Southern Tyrol and Switzerland

Von einfachen goldenen, roten oder auch weiß abgebildeten Reifen über profilierte oder reich dekorierte Stücke ist in den Quellen vieles zu finden. Passend zum (historischen) Handwerk des Vaters habe ich Buntmetallvariante gewählt. Dem bisherigen Drängen nach Vergoldung konnte ich bis dato erfolgreich standhalten.

Messingschapel für eine junge, bürgerliche Dame
(3) Brass circlet for a young lady

Aus historischer Sicht ist es unklar welcher Handwerker für die Anfertigung solcher Stirnreifen zuständig war. Bei reich dekorierten und teuren Varianten kommt natürlich ein Goldschmied in Frage, aber bei günstigeren Formen kann da vom Gelbschmied über den Gürtler wohl so manche Zeche als Urheber vermutet werden. 
Dass es auch "günstigere" Varianten gab zeigt zum Beispiel ein in der Regel als Schapel angesprochener Lederrest mit Lilienverzierung von der Runneburg, Deutschland.

Zuletzt will ich meinen geneigten Lesern im Sinne der (historischen Braut)Werbung auch ein Bildnis der jungen, bekränzten Dame zukommen lassen. Selbiges würde natürlich um so erhabener wirken wenn meine Lendenfrucht es auch nur 2 Millisekunden schaffen würde auf einem Foto ernst und würdevoll auszusehen
 


Abstract for our english speaking visitors:

For my eldest daughter (shown smiling and fooling around [as usual] on the picture above) I made a classical headdress for young ladys: a circlet.
This circlet is made of brass flowers riveted to a metal band (punch decorated) (1)+(3). 

Examples of people (here mostly girls) wearing such circlets are given in figure (2) which shows sources from 1325 up to 1350 from several central european countries.
Circlets like this are very often depictet as part of virgin dresses and could range from crown-like objekts made from gold and silver to simple, decorated leather bands (like the one found on the Runneburg in Germany).

1 Kommentar:

  1. Wunderbar, wie immer und in dem Alter hat man doch noch gut Lachen! Fröhlichkeit ist da doch eine Zier!

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