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Samstag, 30. April 2016

Endlich richtig spießbürgerlich!

Ich war ja mal ein echter Kämpfer! Schaukampf und Flachstahl, Funken sprühen und wilder Waffenrock und so. Vor gefühlten 60 Jahren jedenfalls.

Dann verlagerte sich meine Darstellung mehr und mehr ins zivile, gibt da ja genug Baustellen die man so zu betonieren hat. Metall kam mir also nur mehr in Form von Bronzegrapen, Klappwagen, Gürtelbeschlägen und schließlich Messerklingen unter. Und dann? Ja dann wurden die Messer größer, die Belege drängender und der "Bürger Niklas" kam zu dem Schluss: Wenn schon dann richtig!

Jedenfalls arbeite ich jetzt schon des längeren am Aufbau der bürgerlichen Wehrhaftigkeit, so wie sie den Wiener Bürgern im 14.Jahrhundert auch vorgeschrieben war. Zu Details des Wiener Wehrbürgertums und seiner ungerühmten Heldentaten plane ich aber einen eigenen Artikel. Darum soll es heute nicht gehen. Heute soll es etwas handfester sein:

Ein Halm unter Halmen

Montag, 18. April 2016

Das Salz in der Suppe

... war ja vorher irgendwo drin. Ja, nur wo wars drin? In einer Spanschachtel? Oder einem Leinensäckchen? Oder einer gedrechselten Büchse?

Ausgrabungen in den mittelalterlichen Brunnen von Budapest haben zu Mindestens für unsere Region und das 14.Jahrhundert eine kleine Antwort parat: Das Salzfaß!

Salzfass auf einem Kärntner Flügelaltar von 1460

Samstag, 28. November 2015

Die Sache mit dem doppelten Janus

Traditionell beginnen meine Blogs ja mit einem wirren Titel der sich dann elegant und eloquent aufschlüsselt um letztlich zum Thema des Artikel überzuleiten. So auch heute.

Janus, der zweigesichtige römische Gott war zuständig für Anfang und Ende und daher werden wir uns auch heute vom schräg betitelten Anfang zur Konklusio am Ende durcharbeiten. Wobei durcharbeiten schon sehr hochgegriffen ist, denn ich bin etwas schreibfaul und daher wird der Artikel wohl leichter zu durchqueren sein als befürchtet.

Mit Janus verbindet man nämlich den so genannten Doppelkopf. Und ein Doppelkopf, oder einfach nur Kopf oder auch Scheuer ist das Thema heute. Ich hab nämlich jetzt einen. Eigentlich hab ich aber zwei und daher doppelter Janus. Alles klar?

Doppelköpfe finden sich unter anderem im Fundgut von Konstanz und sehen dort so aus:


Meine Doppelköpfe sind sehr genau nach den Konstanz und Freibergfunden entstanden und bestehen einmal aus Nadelholz, Fichte in dem Fall das in Konstanz recht häufig vorkommt, und einmal eher ungewöhnlich aus Eiche, weil das im Raum Wien ein regionales Holz war.

Aufmerksamen Beobachtern wird allerdings nicht entgehen, dass meine Rekonstruktionen ein entscheidendes Detail vermissen lassen: Die Griffe

Das liegt daran, dass beide Repros an einer modernen Drechselbank entstanden sind die immer nur in eine Richtung dreht und somit ein "Stehenlassen" der Griffstücke nicht ermöglicht. Ist das ein Wermuthstropfen? Ja, irgendwie schon. Aber es gibt auch Funde von Scheuern ohne Griffen und auch wenn sie in der Minderheit sind will ich mal zufrieden sein.


Was die erhaltenen Köpfe auszeichnet ist die hohe Handwerkskunst mit der sie gefertigt wurden, denn die Originale sind enorm dünnwandig und mit einer aufwändigen Silhouette gestaltet.

Der Trick bei dieser Geschirrform ist einerseits der dicht verschließende Deckel der ein langes Warmhalten von Speisen gewährleistet sowie die Möglichkeit den Deckel nach dem Abnehmen als zusätzliches Geschirr nutzen zu können. Etwas Praktisches eben, eine Art Campinggeschirr und in einer Linie mit den gefinkelten Dingen gotischen Erfindungsreichtums zu nennen, wie z.B. dem Klappkerzenhalter. 



Und weil ich mich ja letztens auch ans Löffelschnitzen gemacht habe und auch meine Trinkglassammlung um ein weiteres Stück erweitert habe können meine Frau und ich mit unseren biologisch vorgegebenen zwei Köpfen (Ok, der war holprig) jetzt standesgemäß speisen. Unsere beiden Töchter hingegen können dann ihr Süppchen aus dem Deckel löffeln wenns sein muss und so haben vier Köpfe zwei Doppelköpfe und letztendlich hat jeder (Kinds)kopf seinen Deckel (Der war hingegen gut, oder?)

Mittwoch, 28. Januar 2015

Ein Traum in ... Braun?


Zuerst gleich mal zur Beruhigung: Mein Blog wird sich auch weiterhin nicht mit allen Produkten die mein Körper produziert beschäftigen! Eine radikale Kehrtwende in der poliitschen Einstellung ist ebenfalls nicht zu befürchten.

Bei dem Braun um das es geht handelt es sich viel mehr um zarte, cremefarbene Nuancen von Gold, Rot und Braun in einer wunderbaren, zusammenfließenden Komposition farblicher Eleganz und .. Zeit für ein Bild:

Dienstag, 25. Juni 2013

Der will doch nur spielen ...

Heute wenden wir uns mal einem Thema zu, dass für meine Kinder das wohl wichtigste an der historischen Darstellung ist .. SPIELEN!

Um diesem ja durchaus berechtigten Wunsch nachzukommen, habe ich mich mal wieder in die Rechercheuniform geworfen und versucht einiges zu Brettspielen aufzutreiben. Anhaltspunkt war für mich da das aus 1283 stammende Libro de los juegos, das „Buch der Spiele“, von dem ich schon einiges gehört und gelesen hatte ohne mich näher damit zu beschäftigen. Tatsächlich fand sich nach ein wenig suchen ein gute englische Übersetzung im Netz.

Da mein Große zwar schon Schach spielt, mir aber das Zusammensuchen und Anfertigen einer historischen Schachgarnitur bisher doch zu mühsam war, habe ich mal auf Tables gestürzt, den in unserem Sprachraum Wurfzabel genannten Vorläufer des Backgammon. Und davon gibt es schon alleine in Alfonsos Buch mindestens 5 Varianten. Spannend!

Bevor ich aber dazu kommen kann, mir aus der Übersetzung irgendwie die verschiedenen Regeln herzuleiten, muss natürlich ein Spielbrett her. Also machte ich mich auf die Suche nach Quellen dafür und fand ein weite Bandbreite an Spielbrettern, von einfach in grobe Bretter geritzten Varianten hin zu aufwendig aus Knochen oder mit Intarsien versehen Stücken.

Da ich allerdings mit meinem Gürtler eine recht einfache, bodenständige Darstellung gewählt habe, schien mir ein, vielleicht nicht gar zu bäurisches aber doch einfaches Brett die richtige Wahl:
 

Als Grundmaterial diente mir ein etwa 1cm dickes, gehobeltes Brett aus Buchenholz, die Linien wurden durch tiefes Einritzen mit einem Eisennagel geschaffen. Zuerst setzte ich einen schmalen Rand entlang der Brettkanten, danach ritze ich die Zungen und die Mittelteilung ein. Um dem ganzen einen etwas schmuckeren Charakter zu verleihen, habe ich den Rand dann noch mit den im Mittelalter allgegenwärtigen Kreisaugen versehen:


Was mir, wie ich finde, besonders gut gelungen ist, ist das Aufeinandertreffen von regelmäßigen, geometrischen Formen und der bei vielen authentischen Werkstücken zu bewundernden leichten Schludrigkeit in den Verzierungen. Es mag ja auf den ersten Blick scheinen, als wäre ich nicht mal in der Lage ein paar Kreisaugen in regelmäßigen Abständen in ein Brett zu bohren, aber weit gefehlt: Ich bemühe mich bei meinen Rekonstruktionen viel mehr darum schnell zu arbeiten und gar nicht darauf zu achten ob das alles parallel und rechtwinkelig ist. Manchmal fällt mir das sogar echt schwer! Heute nicht.

Da aber Wurfzabel eben nicht alles ist was man spielen kann, habe ich das gute Stück Holz einfach umdreht und dort einen weiteren Spieleklassiker untergebracht: Mühle! Das Spiel sollte eigentlich jeder kennen und tatsächlich unterscheiden sich die meisten der mittelalterlichen Spielfelder gar nicht von den modernen:


Auch hier habe ich das Brett mit einem geritzten Rand versehen und danach die Spiellinien eingeritzt, an die besetzbaren Punkte kamen dann nochmal Kreisaugen. Schließlich hatte ich den Kreisaugenbohrer extra anfertigen müssen, da kamen mir ein paar mehr Augen gerade recht.

Was jetzt natürlich noch fehlt sind die Spielsteine, möglich wären da welche aus Holz oder Knochen, wobei ich letztere vorziehen würde, weil ich das Material einfach sehr gerne mag. Mal schauen was sich ergibt.