Montag, 23. November 2020

Sponge Bob .. oder eben mittelalterliche Verhütungsmethoden

*English text is inserted after the German one as usual here*

Unsere Geschichte beginnt heute mit einem kleinen Rundgang durch das mittelalterliche Judenviertel Wiens, die Judenstadt (der Begriff Ghetto wurde übrigens erstmals 1516 in Venedig gebraucht) ... sogar richtig virtuell wird’s:

Todays journey starts with a short walk through the “Jewish City” (a name for the Viennese jewish quarter, Ghetto wasn’t used before the early 16th century) in Vienna in the 14th century. 

Samstag, 14. November 2020

#theyusedwhattheyhad oder "Ich wollte mal wieder Burger kochen"

Meine IG14-Vereinskollegin Agnes hat unter dem hashtag #theusedwhattheyhad zu einer Kochchallenge, die ganz nach meinem Geschmack ist, aufgerufen:

Aus 4 gleichen Grundzutaten soll einmal ein modernes und einmal ein historisches Gericht zubereitet werden.

Ich stellte mir selbst die Zusatzaufgabe, die historischen Speisen nach Rezepten aus nur einem historischen Kochbuch zuzubereiten. Ich wählte mein Lieblingskochbuch, das Innsbrucker Rezeptbuch Cod.Vind.5486.


Ich wählte folgende 4 Grundzutaten:

Mehl, Rindfleisch, Zwiebel und Käse


Moderne Version:

Es gab einen Cheeseburger mit selbstgebackenem Hefeteig-Bun und einer Zwiebelmarmelade.

Ich entschied mich für den Burger, da er für mich ein sehr gutes, wenn nicht sogar das beste, Beispiel für ein klassisches „modernes“ Gericht ist.

Für den Bun habe ich einen leicht süßlichen Hefeteig gemacht, zu kleinen Kugeln geformt und im Backofen in einem Bun-Formblech gebacken.

Das Patty besteht aus etwas fetterem Rinderfaschiertem, das ich, nur mit Salz gewürzt, in der Pfanne scharf von beiden Seiten angebraten habe, um eine schöne Kruste zu erzeugen. Danach habe ich das Patty mit Käsescheiben belegt und eine Deckel auf die Pfanne gegeben, um den Käse schön schmelzen zu lassen.

Die Zwiebelmarmelade besteht aus in dünne halbe Ringe geschnittenen roten und weißen Zwiebeln, die ich in reichlich Pflanzenöl auf mittlerer Hitze langsam weich werden habe lassen.
Sobald die Zwiebel die gewünschte Konsistenz erreicht hatten, habe ich die Hitze hochgeschalten, etwas Zucker hinzugegeben und diesen karamellisieren lassen. Gewürzt wurde alles mit Salz, Pfeffer und etwas Honig.


Historische Version:

Hier gab es 3 Gerichte aus dem Innsbrucker Rezeptbuch:

“Wildbraten aus Rindfleisch“ (Rezept 98)
mit „Zwiebelmus“ (Rezept 34) und einer
„Sulz von Käse“ (Rezept 161)


Für die Fleischspeise, den „Wildbraten von Rindfleisch“ habe ich Rinderhackfleisch zu kleinen Bällchen geformt und in einer milden Brühe langsam gar ziehen lassen.

Das Zwiebelmus besteht aus ganzen, geschälten Zwiebeln, die im Dampf gegart werden bis sie ganz weich sind. Danach habe ich sie zerdrückt, mit Brotbröseln etwas angedickt und durch ein Sieb gestrichen.
Das entstandene feine Mus habe ich mit etwas Schmalz vermischt und mit Salz und Essig gewürzt.
Zusätzlich habe ich, um dem Mus einen etwas „gehobeneren“ Status zu verleihen, diesen mit Ingwer und etwas Zimt gewürzt. Diese beiden Gewürze sind im Originalrezept nicht erwähnt!

Für die „Sulz vom Käse“ habe ich Bergkäse und Tiroler Graukäse (ein Sauermilchkäse) gerieben und im Verhältnis von ca. 4 : 1 vermischt. Unter Zugabe von Mehl und einem Ei wurde daraus ein gut formbarer Teig.
Diesen Teig habe ich, wie im Rezept angegeben, zu länglich-runden Rollen geformt und diese dann in mundgerechte Stücke geschnitten.
Diese Stücke habe ich in reichlich Schmalz herausgebacken bis sie schön knusprig wurden.


Insgesamt sind aus den 4 Grundzutaten, unter Verwendung verschiedenster Kochtechniken, 2 komplett unterschiedliche Gerichte entstanden.


Verwendete Literatur:
Doris Aichholzer: Wildu machen ayn guet essen...Drei mittelhochdeutsche Kochbücher: Erstedition, Übersetzung, Kommentar; Peter Lang Verlag; 1999

 

Sonntag, 27. September 2020

Erbsenspießer

Wir schreiben das Jahr 2020 n. Chr. - Corona hat uns alle im Griff und auch im Bereich der Living History braucht es wieder kreative Lösungen. Zeit für eine Challenge, Zeit für Experimente! 

Unter dem hashtag #theusedwhattheyhad wurde von meiner IG14-Vereinskollegin Agnes eine solche ausgerufen: 4 Grundzutaten, 2 verschiedene Zubereitungsarten - einmal modern und einmal historisch. Höchste Zeit, mich nochmal ernsthaft an einige Rezepte zu wagen. Also dann!

Meine 4 Grundzutaten: Hühnerkeule, Weißwein, Erbsen und Eier


Donnerstag, 16. April 2020

HOW TO: not get stabbed by your own knife!

Überraschend schnappt mich eines meiner letztlich gemachten Messer das ich in die Hand nahm um eine Aufhängung dafür zu machen ... *zack* ... Loch im Finger!

Totally clueless you grab a knife you made recently to make a suspension .. and suddenly you have a bloody hole in your finger!
  
Was war passiert? Ein Scheidengnom vielleicht? Oder hat sich COVID-19 mit Blankwaffen gerüstet? Nein ... die Lösung ist mal wieder völlig banal und etwas das (wenn man sich z.B. diverse Funde ansieht) auch damals vorgekommen ist ....

What had happened? Hmm. Something that according to some archeological findings happend back then as well ...

 

Montag, 29. Juli 2019

Vom Cadolzburgwochende und den dort anwesenden Handwerkern inspiriert und von Milan und seinen ganzen Luxussachen deprimiert  hab ich auch mal wieder etwas gemacht, frei nach dem Motto:

"Wenn ich grad ned anders kann - werd ich zum Paternostermann!"

Paternoster um 1350


Abbildungen von Paternostern (Vorläufer der Rosenkränze) zeigen wenn man den exestierenden Quellen folgt im 14.Jhdt in der Regel zwei Versionen, die offene Form der Paternosterschnur und eine geschlossene Variante die dem heutigen Rosenkranz deutlich ähnlicher ist.

Quellen dazu sind gar nicht mal so spärlich wie man glaubt. Von einem erhaltenen Paternoster aus Naturbernstein (aus Cork oder Watford) über textliche Erwähnungen aus Italien des 14. Jahrhunderts und zahlreichen Abbildungen lässt sich doch einiges ablesen und bildet eine brauchbare Basis für eine Rekonstruktion:


Donnerstag, 20. Juni 2019

Saucen zu gebratenem Schwein

Aus dem Saucenbuch von Magnino Mediolanensis (Opusculum de Saporibus) aus der Mitte des 14. Jahrhunderts habe ich vier Saucen ausgewählt, die gemäß der Viersäftelehre das gebratene Schweinefleisch positiv beeinflussen und bekömmlicher machen.


Schweinefleisch an sich wird als „kalt“ und auch „sehr feucht“ eingeordnet und soll demnach das Phlegma fördern. Dem kann durch braten schon entgegengewirkt werden, wodurch das Fleisch gewärmt und getrocknet wird.

Für alle Saucen gilt, dass man sich am besten langsam der gewünschten Konsistenz und dem gewünschten Geschmack annähert. Genaue Mengenangaben fehlen wie üblich in den Originaltexten.

Dienstag, 4. Juni 2019

Dreierlei Senf


Senf kommt in vielen Rezepten der mittelalterlichen Kochbuchhandschriften vor und sogar Rezepte zur Senfherstellung selbst werden z.B. im Menagier de Paris angeführt. Ihm werden gemäß der Viersäftelehre stark wärmende und trocknende Eigenschaften zugeschrieben und er gilt als gesundheits- und verdauungsfördernd. Da wir uns an unserem Experimente-Kochevent auch mit dem Wursten beschäftigen wollten, war es naheliegend dazu dann Senf selbst zu machen.