Montag, 21. Dezember 2020

Blindschleiche übernehmen sie!

"Vorsichtig schlich Niklas durch die enge Paternostergasse, den Graben hinter sich lassend. Ihm war klar, dass er von den welschen Agenten verfolgt wurde. Aber er musste es schaffen! Die hochverschlüsselte Nachricht musste den Herzog erreichen. Viele Tedeschi fanden den Tod, um das Geheimnis herauszufinden, das sich nun, geschrieben auf edlem Pergament und in der Geheimschrift des Herzogs, dem verlorenen Alphabet der alten Chaldäer, in einem geheimen Fach in der Tasche an seinem Gürtel befand.

Mit einer eleganten Bewegung seiner  Hände zog er gleichzeitig seinen Baselard und rammte den Spezialklappkerzenhalter in einen Holzbalken. In der schmalen Gasse konnten sie nicht an ihm vorbei ... und er hatte das Licht im Rücken .. für Gott, den Erzherzog und den Heurigen! Er, VII. Agent Rudolf des Stifters, würde die Angelegenheit hier und jetzt beenden!"

Ja, aber wie bitte was? Geheimschriften? Agenten? Spionage und verdeckte Diplomatie? "Na jetzt hör aber auf!" werdet ihr jetzt zu Recht entgegenen.

Wo doch im Mittelalter alle nur krank, braun und müffelnd in der Gegend rumsaßen? Wo jeder mit 31 schon tot war, weil er sich nie wusch und sein kurzes Leben damit verbrachte ständig die Straßen vollzukacken? Und wo man heute schon auf eine blühende Phantasie zurückgreifen muss, um irgend eine spannende Geschichte aus "Conan, der Kreuzritter", mit viel Polyesteraufwand und Assasinendoppelklingen am Rücken, umzusetzen damit es den Besucher überhaupt noch interessiert?

Aber ich sage: "Ja, genau! A-gent 0013.. 54!"

Genug ereifert nun, worum geht es denn überhaupt heute wirklich? Nun es geht darum:


Geschmolzene Weihnachtskerzerl vom Wiener Christkindlmarkt? Echt jetzt? Nun, wieder wurdet ihr getäuscht, liebe Leser, denn diese Wachsbemmerl hat sehr wohl mit unserer Geschichte zu tun:

"Gleichgültig wischte Niklas, der Letzte der Haimonen, mit dem Mantel seines Opfers das Blut von seinem Dolch. Die leblosen Körper würde er liegenlassen, schließlich hatte er rechtzeitig dafür gesorgt dass sich die Zirgeher von der Gasse möglichst lange fernhalten würden. Mögen sie im Morgen gefunden werden, da wäre die Nachricht längst angekommen und verteilt worden. Er mochte es, wenn ein Plan funktioniert.

Ruhigen Schrittes durchquerte er stille Gassen und vermied die möglicherweise besser besuchten Plätze der Stadt. Kaum zu Hause angekommen stahl er sich nach oben in die Stube um im Schein seiner Nachtlampe [Anmerkung für Interessierte: Der Beitrag kommt erst] das Siegel zu brechen:"


Jetzt ist es aber klar, oder? Alle Zweifel ausgeräumt! Die Wahrheit so offen zu Tage getreten wie die Haarpracht von Agnes der Heimlichen!, welche unter Gefahr für Leib und Leben (na gut eher für Leben, das mit dem Leib ist sie ja irgendwo gewohnt) die Nachricht von einem "Firmenreisenden" aus Venedig übernahm und diese (völlig unverfänglich natürlich) an unseren Niklas übergab.

Nicht? Na gut ... eine Hilfestellung:

Im Wiener Stephansdom steht nämlich, völlig profan grad noch so über der Kasse vom Domshop und locker übersetzt:

"Hier liegt begraben, aus edlem Geschlecht, Herzog Rudolf der Stifter."

Diese Inschrift befindet sich, wie erfahrene A-genten sicher schon längst deduziert haben, am Grabmal des Erzherzogs Rudolf IV., aus dem Geschlecht der Habsburger. Nur lesen kanns halt keiner .. also warum zum Geier dann?

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Nun, Rudolf der Stifter war ein großer Fan dieser Geheimschrift, die erstmals vollständig in einer Handschrift aus dem Jahre 1428 in der Universitätsbibliothek München (Cod. 4º 810, fol. 41v) vorliegt.

Er verwendete sie in Dokumenten und Urkunden und benutzte sie zur Verschlüsselung diplomatischer Korrespondenz. Frühe Forscher nahmen sogar an, dass es Rudolf IV selbst war derjenige, der das
Alphabetum Kaldeorum erfand, so genannt weil man es damals für das Alphabet der Chaldäer hielt. Eine Urheberschaft, die heute stark angezweifelt wird.

Den Rest überlasse ich euren Recherchefertigkeiten, geschätzte Leser ... im Moment haben wir ja alle Zeit für solche Dinge!

"Er selbst würde noch vor Morgengrauen dafür sorgen, dass seine Nachricht sich verborgen mit der nächsten Weinlieferung nach Nürnberg auf den Weg macht. Der "Heide" musste erfahren was vorging .. und dann würden die Dinge auch dort ihren Lauf nehmen. So wie immer. Prost!"

... to be continued!

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Kann Zähneklappern sexy sein?

 *English text is inserted after the German one as usual here*

Diesmal beginnen wir ohne große Umschweife mit dem Endprodukt meines Beitrages zu unserer #pluckingroses-Challenge auf Facebook:

 
This time we take a short cut and start with the final product I made for our #pluckingroses-Challenge on Facebook:

Montag, 23. November 2020

Sponge Bob .. oder eben mittelalterliche Verhütungsmethoden

*English text is inserted after the German one as usual here*

Unsere Geschichte beginnt heute mit einem kleinen Rundgang durch das mittelalterliche Judenviertel Wiens, die Judenstadt (der Begriff Ghetto wurde übrigens erstmals 1516 in Venedig gebraucht) ... sogar richtig virtuell wird’s:

Todays journey starts with a short walk through the “Jewish City” (a name for the Viennese jewish quarter, Ghetto wasn’t used before the early 16th century) in Vienna in the 14th century. 

Samstag, 14. November 2020

#theyusedwhattheyhad oder "Ich wollte mal wieder Burger kochen"

Meine IG14-Vereinskollegin Agnes hat unter dem hashtag #theusedwhattheyhad zu einer Kochchallenge, die ganz nach meinem Geschmack ist, aufgerufen:

Aus 4 gleichen Grundzutaten soll einmal ein modernes und einmal ein historisches Gericht zubereitet werden.

Ich stellte mir selbst die Zusatzaufgabe, die historischen Speisen nach Rezepten aus nur einem historischen Kochbuch zuzubereiten. Ich wählte mein Lieblingskochbuch, das Innsbrucker Rezeptbuch Cod.Vind.5486.


Ich wählte folgende 4 Grundzutaten:

Mehl, Rindfleisch, Zwiebel und Käse


Moderne Version:

Es gab einen Cheeseburger mit selbstgebackenem Hefeteig-Bun und einer Zwiebelmarmelade.

Ich entschied mich für den Burger, da er für mich ein sehr gutes, wenn nicht sogar das beste, Beispiel für ein klassisches „modernes“ Gericht ist.

Für den Bun habe ich einen leicht süßlichen Hefeteig gemacht, zu kleinen Kugeln geformt und im Backofen in einem Bun-Formblech gebacken.

Das Patty besteht aus etwas fetterem Rinderfaschiertem, das ich, nur mit Salz gewürzt, in der Pfanne scharf von beiden Seiten angebraten habe, um eine schöne Kruste zu erzeugen. Danach habe ich das Patty mit Käsescheiben belegt und eine Deckel auf die Pfanne gegeben, um den Käse schön schmelzen zu lassen.

Die Zwiebelmarmelade besteht aus in dünne halbe Ringe geschnittenen roten und weißen Zwiebeln, die ich in reichlich Pflanzenöl auf mittlerer Hitze langsam weich werden habe lassen.
Sobald die Zwiebel die gewünschte Konsistenz erreicht hatten, habe ich die Hitze hochgeschalten, etwas Zucker hinzugegeben und diesen karamellisieren lassen. Gewürzt wurde alles mit Salz, Pfeffer und etwas Honig.


Historische Version:

Hier gab es 3 Gerichte aus dem Innsbrucker Rezeptbuch:

“Wildbraten aus Rindfleisch“ (Rezept 98)
mit „Zwiebelmus“ (Rezept 34) und einer
„Sulz von Käse“ (Rezept 161)


Für die Fleischspeise, den „Wildbraten von Rindfleisch“ habe ich Rinderhackfleisch zu kleinen Bällchen geformt und in einer milden Brühe langsam gar ziehen lassen.

Das Zwiebelmus besteht aus ganzen, geschälten Zwiebeln, die im Dampf gegart werden bis sie ganz weich sind. Danach habe ich sie zerdrückt, mit Brotbröseln etwas angedickt und durch ein Sieb gestrichen.
Das entstandene feine Mus habe ich mit etwas Schmalz vermischt und mit Salz und Essig gewürzt.
Zusätzlich habe ich, um dem Mus einen etwas „gehobeneren“ Status zu verleihen, diesen mit Ingwer und etwas Zimt gewürzt. Diese beiden Gewürze sind im Originalrezept nicht erwähnt!

Für die „Sulz vom Käse“ habe ich Bergkäse und Tiroler Graukäse (ein Sauermilchkäse) gerieben und im Verhältnis von ca. 4 : 1 vermischt. Unter Zugabe von Mehl und einem Ei wurde daraus ein gut formbarer Teig.
Diesen Teig habe ich, wie im Rezept angegeben, zu länglich-runden Rollen geformt und diese dann in mundgerechte Stücke geschnitten.
Diese Stücke habe ich in reichlich Schmalz herausgebacken bis sie schön knusprig wurden.


Insgesamt sind aus den 4 Grundzutaten, unter Verwendung verschiedenster Kochtechniken, 2 komplett unterschiedliche Gerichte entstanden.


Verwendete Literatur:
Doris Aichholzer: Wildu machen ayn guet essen...Drei mittelhochdeutsche Kochbücher: Erstedition, Übersetzung, Kommentar; Peter Lang Verlag; 1999

 

Sonntag, 27. September 2020

Erbsenspießer

Wir schreiben das Jahr 2020 n. Chr. - Corona hat uns alle im Griff und auch im Bereich der Living History braucht es wieder kreative Lösungen. Zeit für eine Challenge, Zeit für Experimente! 

Unter dem hashtag #theusedwhattheyhad wurde von meiner IG14-Vereinskollegin Agnes eine solche ausgerufen: 4 Grundzutaten, 2 verschiedene Zubereitungsarten - einmal modern und einmal historisch. Höchste Zeit, mich nochmal ernsthaft an einige Rezepte zu wagen. Also dann!

Meine 4 Grundzutaten: Hühnerkeule, Weißwein, Erbsen und Eier


Donnerstag, 16. April 2020

HOW TO: not get stabbed by your own knife!

Überraschend schnappt mich eines meiner letztlich gemachten Messer das ich in die Hand nahm um eine Aufhängung dafür zu machen ... *zack* ... Loch im Finger!

Totally clueless you grab a knife you made recently to make a suspension .. and suddenly you have a bloody hole in your finger!
  
Was war passiert? Ein Scheidengnom vielleicht? Oder hat sich COVID-19 mit Blankwaffen gerüstet? Nein ... die Lösung ist mal wieder völlig banal und etwas das (wenn man sich z.B. diverse Funde ansieht) auch damals vorgekommen ist ....

What had happened? Hmm. Something that according to some archeological findings happend back then as well ...

 

Montag, 29. Juli 2019

Vom Cadolzburgwochende und den dort anwesenden Handwerkern inspiriert und von Milan und seinen ganzen Luxussachen deprimiert  hab ich auch mal wieder etwas gemacht, frei nach dem Motto:

"Wenn ich grad ned anders kann - werd ich zum Paternostermann!"

Paternoster um 1350


Abbildungen von Paternostern (Vorläufer der Rosenkränze) zeigen wenn man den exestierenden Quellen folgt im 14.Jhdt in der Regel zwei Versionen, die offene Form der Paternosterschnur und eine geschlossene Variante die dem heutigen Rosenkranz deutlich ähnlicher ist.

Quellen dazu sind gar nicht mal so spärlich wie man glaubt. Von einem erhaltenen Paternoster aus Naturbernstein (aus Cork oder Watford) über textliche Erwähnungen aus Italien des 14. Jahrhunderts und zahlreichen Abbildungen lässt sich doch einiges ablesen und bildet eine brauchbare Basis für eine Rekonstruktion: