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Dienstag, 12. April 2016

"Der Kiepenkerl"

Heute wollen wir mal wieder einen kleinen Einblick in die wunderbare Welt der Living History präsentieren. Angespornt von den vielen schönen Szenen die sich bei unserer letzten Belebung der Bachritterburg in Kanzach ergaben haben wir uns auch ein wenig mit gestellten Szenen beschäftigt und präsentieren daher heute voller Stolz:

"Der Kiepenkerl"


Wandernde Händler die Kurzwaren und kleinere Luxusgegenstände des täglichen Bedarfs aus den Städten hinaus "aufs Land" brachten waren gerade für die rurale Bevölkerung eine willkommene Abwechslung von Arbeitsalltag und eine wichtige Quelle für den neuesten Klatsch und Tratsch aus den urbanen Zentren des 14.Jahrhundert.
So zeigt z.B. die Manessische Liederhandschrift auf Tafel 27 einen solchen fahrenden Händler, allerdings in diesem Fall nicht mit Kiepe sondern mit Esel. (da sich ein Esel aber kurzfristig nicht auftreiben lies haben wir den nächstgeeigneten Ersatz dafür gewählt und die Rolle einfach an Thomas vergeben der sie aus vollem Herzen zu aller Zufriedenheit auch wunderbar verkörpert hat)

Montag, 13. Juli 2015

Die Montur ist verschlissen, das Pulver verdampft

Ich habe ehrlicherweise lange mit mir gerungen ob ich diesen Artikel schreiben soll. Warum?

Na weil es einerseits nicht fair ist nur eine angebliche "historische" Veranstaltung zu kritisieren und all die anderen Märchentreffen in Österreich (zu erkennen am "Ritter", "Fest", "Markt" oder "Spektakel"" - Etikett) außen vor zu lassen. Andererseits weil man sich als Kritiker stets einer Unmenge an blöden Anfeindungen ausgesetzt sieht die einem doch auch den Tag versauen können.

Aber das was das HGM, das Heeresgeschichtliche Museum (ich buchstabiere noch mal:  M.U.S.E.U.M) letzte Woche abgeliefert hat war so unter jeder Kritik dass ich einen Tunnel graben muss um doch noch eine kritische Anmerkung dazu verfassen zu können.

Was erwartet man sich eigentlich von einem Museum? Damit sollten wir beginnen!

Ich persönlich erwarte mir eine seriöse Art der Wissensvermittlung, einen verantwortungsvollen Umgang mit wissenschaftlichen Fakten und ein gewisses Maß der Ernsthaftigkeit. Ich hoffe so weit sind wir uns einig?

Was ich dann aber am Sonntag im weitläufigen Freigelände des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (soll ich's nochmal buchstabieren?) das schlug selbst  dem hartgesottenen Krautfass den Boden aus.

Man hatte eine Menge an Händlern aufgeboten, was natürlich ist, schließlich zahlen die armen Tropfe mit ihrer Standmiete schon mal die halbe Veranstaltung. Aber warum, WARUM in Dreiteufelsnamen, muss man seltsames Kunstgeschwurbel und disneyeske Polyesterkleider zum Kauf anbieten lassen? Warum Hexenshops? Warum moderne Jagdmesser verramschen wenn es auch Schmiede gibt die ihr Handwerk verstehen? Oder gibt es in Österreich keine Handwerker mehr die ihr Handwerk beherrschen? Sind die alle ausgestorben oder wollen kein Geld verdienen? Oder wären die einfach nicht bereit für die Gelegenheit ihr "Schöner Wohnen"-Gerümpel anbieten zu dürfen brav in die Kasse zu zahlen? So was aber auch!

Da muss ich mich doch fragen ob das Museum mit seinen Exponaten auch so umgeht? Sind die Panzer nur aus Leimholz und Styropor? Sind die Ausstellunsgstücke in den Vitrinen vielleicht doch auf rumänischen Flohmärkten erworben? Uniformen schon ab 1€?

Aber gut, ich habe es schon lange aufgegeben mit Shopping-Mentalität auf solche Spektakel auszurücken. Das führt ohnehin nur zur großen Enttäuschung. Aber da, am Wochenende im Heeresgeschichtlichen Museum, war selbst für einen typischen Albtraummarkt das Angebot hundeelend.

Aber eine wahres "Spektakulum" hat natürlich mehr zu bieten! Sollte man annehmen, vor allem wenn es in einer staatlich geförderten Bildungseinrichtung stattfindet. Da begann der Trauer zweite Phase aber erst richtig.

Die gebuchten Gruppen im Bereich "Mittelalter" (und nur die kann ich beurteilen) waren ein wüster Haufen an Zeiten, Orten, Moden und Mentalitäten. Historische Kleidung war mit der Lupe zu suchen und dann stets unter dem Altkleidersammlungshaufen der letzten tschechischen Märchenproduktion aufzufinden. Ähnlich käme ich mir vor wenn ich in einem Heeresgeschichtlichen Museum (so was soll es angeblich wirklich geben, natürlich nicht bei uns in Österreich) nach einer österreichischen Muskete aus dem 18.Jahrhundert suchen würde und die Vitrine unter Plastikkalaschnikows begraben wäre wie bei einer schlecht gelungenen Kunstinstallation.

Aber das Darstellergruppen jetzt nicht immer das gelbe des historischen Ei's sind, ist doch auch normal? Gibt ja auch den FC Barcelona und den Sportverein Rammersdorf und beide spielen Fußball? Das stimmt, aber die haben hoffentlich eines gemeinsam .. sie bewegen sich!

Aber das was dort, im HGM, herumhockte oder schauschlief (und es waren nicht wenige von derart großer Müdigkeit übermannt dass sie publikumswirksam hinter ihren Absperrungen für den interessierten Besucher vor sich hinschnarchten) war der uninteressanteste Haufen an Verkleidungskünstlern der mir je untergekommen ist! Haben die dafür eigentlich Geld bekommen? Oder ist alleine die Teilnahme an einem Museums-Event schon quasi im Schlaf verdienter Lohn genug? Wie wäre wohl ein Match zwischen dem FCB und den tapferen Rammersdorfern wenn kein Tormann da ist, die eine Hälfte der Spieler an der Mittellinie sitzt und die Steuerreform bespricht während Messi und Neymar in Löffelchenstellung am 16er ein Schläfchen machen? Sicher ähnlich gut und begeistert besucht wie diese Veranstaltung! Man hätte die Wiese auch mit zeltenden Erdapfelmännchen füllen können, die wären genauso einladend gewesen.

Kurz und gut es war ein echtes Trauerspiel, und eigentlich nur der Erwähnung wert weil es in musealem Umfeld stattfand. Unter der mutmaßlichen Schirmherrschaft von Kultur und Wissenschaft. Also an einem Ort wo man sich Wissen und Erbauung erhofft und nicht die Gefahr bestehen sollte sich umgehend die Schlafkrankheit zu holen.

Positiv zu erwähnen sind gewisse Einzeldarsteller, die trotz der gesichtslähmenden Stimmung in schwerer Wolle schwitzten oder mal etwas zur Hand nahmen dass nicht aus dem Fundus von "Piraten der Karibik" zu stammen schien. Und positiv war die Tatsache, dass "Gewandete" keinen Eintritt zahlten. Daher, liebe Leser, nehmen sie nächstes Jahr einfach Omas Tischdecke um die Schultern, stecken das Holzschwert in den Nietengürtel von Tante Elfie und machen sie sich auf zu "Montur und Pulverdampf 2016"!

Und wer weiß, vielleicht werden sie so sogar der bestbekleidetste Historiendarsteller des ganzen Museums .. des ganzen M.U.S.E.U.M.s? Die Wahrscheinlichkeit ist höher als sie glauben!

Samstag, 6. September 2014

Das Ende des "Lebendigen Museums" - oder doch besser ein Neuanfang!

Mit dem heutigen Tag geht ein ereignisreiches Belebungsjahr zu Ende. Zu früh und vor der Zeit. Schade? Ja, definitiv!

Mit großem Erfolg und sehr positiver Resonanz unserer zahlreichen Besucher konnten wir seit 1.März an jedem ersten Samstag im Monat unser Hobby in passender Kulisse den Interessierten näher bringen. Und es war ein schönes Jahr! Viele Themen die wir den Interessierten schon immer näher bringen wollten haben wir präsentiert und es bleibt nur zu hoffen, das es unseren Besuchern ebenso gefallen hat wie uns!

Doch jedes Projekt möchte wachsen, sich verbessern und sich an die nötigen Veränderungen anpassen, dem "Lebendigen Museum" ging es da nicht anders. So viel Erfahrung auf dem Gebiet lebendiger Geschichtsdarstellung zu haben wie wir, nährt auch die Erwartungen die man an dieses faszinierende Gebiet der Geschichtspräsentation hat. Und diese Erwartungen zu erfüllen wird immer unser Ziel sein.

Leider stellte sich aber heraus, dass dieses Ziel in einer Kooperation mit der Burg Liechtenstein wohl unerreichbar geblieben wäre. Zu unterschiedlich fielen in letzter Zeit die Intentionen der Burgverwaltung und unserer Gruppe (ig14.at) aus. Während die Burg sich völlig neu orientieren möchte um den Großtourismus anzusprechen, lag unser Schwerpunkt auf einer hochqualitativen, wissenvermittelnden Art des Bildungstourismus. Konzepte die sich, wie unschwer zu erkennen ist, nicht auf einen Nenner bringen lassen. So blieb als kein Platz um zu wachsen und zu gedeihen und letztlich auch nur zwei Alternativen: Zuzusehen wie unser zartes "Lebendiges Museum"-Pflänzchen an einem nicht mehr artgerechten Standort mühsam vor sich hin vegetiert, um letztlich dann doch wie Unkraut entfernt zu werden oder aber mit dem Blumentopf unter dem Arm weiter zu ziehen und sich einen neuen, wohlwollenderen Standort zu suchen und nochmal von vorne zu beginnen. Die Wahl war einfach.

Aber haben wir so einen Platz schon gefunden? Nein, leider nicht.

Werden wir ihn finden? Na, ich hoffe doch, denn das Konzept der "lebendigen Geschichtsdarstellung" ist ein gutes Konzept, und ein international auch sehr erfolgreiches obendrein. England, Frankreich, Deutschland. In all diesen Ländern geht der Weg schon länger weg vom stumpfen Spaßkonsum der Märchen&Abenteuermärkte und weg von der schnöden Führung durch verstaubte Gemäuer die von der Geschichte schon lange verlassen wurden.
Denn immer mehr Menschen erkennen, das Interesse an Geschichte mehr ist als tumbe Bespaßung durch schlecht verkleidete Hanswurste, mehr als das Pilgern durch leblose Bauruinen: Interesse an Geschichte ist ein Interesse an der Gegenwart, ein Interesse an der Zukunft und ein Interesse daran, was wir von denen die lange vor uns lebten lernen können um unsere kommenden Tage erfolgreicher zu gestalten.

Also auf mit uns zu neuen Ufern! Neuland gilt es zu entdecken und durchzuhalten auf dem in Österreich noch sehr steinigen Weg. Es wird ein "Lebendiges Museum" geben, nicht heute oder schon morgen, aber wir werden dran bleiben, für uns und für alle die wirklich ernsthaftes Interesse an einer Epoche zeigen die uns stets als fern, schmutzig und finster verkauft wird und die doch viel näher ist als wir alle glauben würden, dem Mittelalter.

Was bleibt also noch von diesem Jahr? Eine Menge! Wir durften unglaublich nette Leute kennenlernen und haben reichlich Erfahrungen gesammelt. Wir sind wieder ein Stück schlauer und vorsichtiger geworden und haben, so hoffen wir, einigen zeigen dürfen, dass Geschichte auch mehr sein kann als lebloser Stein, kostümierter Kapitalismus oder sinnlos verschwendete Druckerschwärze.

Also, an all jene die Spaß mit uns hatten, die von uns lernen wollten und von denen auch wir eine Menge gelernt haben ... Danke!

Sonntag, 24. Februar 2013

Aufgelesen - Die Geschichte Wiens: Reinhard Pohanka





Beschäftigt man sich mit der Geschichte Österreichs und speziell auch Wiens im Mittelalter, sind einem manche Namen natürlich bald sehr geläufig. 

Einer davon ist Reinhard Pohanka. Geboren 1954 in Wien, studierte er Klassische Archäologie und Alte Geschichte, um 1981 zu promovieren. Kurator für mittelalterliche Geschichte und Archäologie am Museum der Stadt Wien.


Produkt-Information

Österreich im Mittelalter

Pichler Verlag Wien
ISBN 3-85431-293-8

Als zweiter Band einer "Geschichte Österreichs" gibt das Buch einen Überblick über die Geschichte Österreichs vom Übergang der römischen Herrschaft zu den Babenbergern bis zum 16. Jahrhundert. 

Einerseits behandeln die Kapitel zeitliche Abschnitte, andererseits behandeln sie thematische Schwerpunkte wie zum Beispiel Lebensorte, Gesellschaftspyramide oder das Wirtschaftsleben.

Das Buch enthält zahlreiche Abbildungen.

Produkt-Information

Wien im Mittelalter

Pichler Edition Wien
ISBN 3-85058-150-0

Der zweite Band aus der Reihe "Geschichte Wiens" umreißt in jeweils einem Kapitel die Babenbergerherrschaft und die Herrschaft der Habsburger bis Maximilian I.

Neun weitere Kapitel beschäftigen sich mit Themengebieten wie Stadtentwicklung, Verwaltung, Justiz usw. Jeweils ein weiteres Kapitel widmet Reinhard Pohanka den Sagen und Legenden sowie den mittelalterlichen Denkmälern im Stadtbild.

Auch hier runden zahlreiche Abbildungen das Gesamtbild ab.


Produkt-Information

Hinter den Mauern der Stadt

Verlag Böhlau
ISBN 3-70080-351-6

Ein lebhaftes Bild der Stadt Wien im Mittelalter zeichnet dieser "Zeitreiseführer". Sowohl die Entwicklung des Stadtbildes als auch Details zu den Bewohnern Wiens werden hier behandelt. 

Reinhard Pohanka geht hier nicht nur auf die Hintergründe mancher Straßennamen ein, sondern gibt uns auch einen Einblick in die unterschiedlichen Lebenssituationen. 

Ein abschließender Führer zu den Kunststätten im heutigen Wien macht Lust auf den ein oder anderen Stadtspaziergang.


Produkt-Information

Eine kurze Geschichte der Stadt Wien

Verlag Böhlau
ISBN 3-20598-919-8

Wie der Titel schon vermuten lässt, beschäftigt sich dieser illustrierte Band mit den einzelnen Epochen in der Geschichte Wiens. 

Eine Zeittafel, die Geschichte der Wiener Bezirke sowie eine Aufstellung der Wiener Landesherren von 976 bis 1918 runden die Informationen neben einer Liste der historischen Bauwerke in Wien ab.