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Mittwoch, 14. November 2018

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 5

 ... und endlich geht's ans Eingemachte: Hardware! Sprich .. es gibt Bilder schöner Männer (na gut, eines leidlich ansehnlichen Mannes) in lustigen Helmen zu sehen!

Der Teil des Wehrbürgerwesens auf den wir heute eingehen wollen ist in Teil III beschrieben, es handelt sich dabei um die üblichen Wach- und Streifendienste die ein Handwerksmeister (egal wie schön) laut Stadtrecht zu leisten hatte. Da sich auch die meisten Primärquellen in dem vorhergehenden Artikelteil befinden werde ich immer wieder auf diesen verweisen.

Und wieder mal gilt mein Dank der Bachritterburg Kanzach wo diese Aufnahmen entstanden sind.

Abb. 1: Scho wieder Togdienst ... in dera Hitz! So a Schas!

Our english speaking guests will find a summary of the text at the end of the article below

Mittwoch, 14. Juni 2017

Niklas der Zechmeister - ein Rekonstruktionsversuch

Prost! Zechmeister klingt ja schwer nach Alkoholiker. Ist es aber nicht, denn in der Tat hießen die "Zünfte" im Wien um 1350 nämlich "Zechen". Und einen Vorsteher so einer Zeche möchte ich mit meinem neuen Rekonstruktionsversuch einer hochgotischen Alltagskleidung angehen.

(1) Wohlhabender Wiener Handwerker um 1350
A wealthy viennese Craftsman aorund 1350

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article 

Donnerstag, 1. September 2016

Da! Es könnte möglicherweise unter Umständen vielleicht ...

Ich bin sicher, liebe Leser, ihr kennt das: Man such Belege und blättert Handschriften durch und .. findet nix. Also schreibt man in seinem Blog darüber. Was ohnehin schon schwierig ist, weil wie soll man über nix denn schon groß schreiben? (Natürlich kann man NIX auch groß schreiben, hat aber nix damit zu tun dass NIX auch groß nix bleibt)

Dann aber vergeht die Zeit und irgendwer postet aus völlig anderem Grund irgendein Bild .. und da ist es dann! Jubel brandet auf! Die Bauern jauchzen! Zwei Problemstellungen mit einem Bild erschlagen .. nur halt nicht ganz eindeutig. Ist es aber eh nie, oder?

 

Das Problem mit den Textilpanzern


Erst vor kurzem schrieb ich in meinen Wehrbürgerartikeln über die Ausstattung der Infanterie in der ersten Hälfte des 14.Jhdt. Bis Südtirol musste ich virtuell hatschen um Textilpanzer auf Abbildungen zu finden. Und dann kam dieses Bild:

Bildausschnitt aus einem Concordantiae caritatis (Lilienfeld, NÖ, 1349-1351)

"Textilpanzer? Wo? Und Wien ist das auch nicht?" rufen jetzt meine innere Stimme und die Skeptiker im Chor ... ach haltet doch die Klappe!
(Das ging vor allem an meine innere Stimme, mit meinen Skeptikern würd ich nie so reden *blumenstreuundschampuskaltstell*)

Immer hin ist Lilienfeld mit 60km Luftlinie schon mal besser als eine Burg im Trentin mit 690km Entfernung .. genau gesagt um 91,3% besser. Und ja, ich halte es tatsächlich für einen Textilpanzer und jetzt kommt auch das "Warum":

+ Die Farbe
Die Lilienfelder Handschrift hat eine erstaunliche Konsequenz was die Wiedergabe von Farben angeht. Leder ist sehr deutlich an seiner schwarzen Färbung zu erkennen, und zwar bei Schuhen, Taschen, Scheiden etc.. Ich hab hier schon mal was dazu geschrieben.
Auch bei der Darstellung von leinen kann man sich recht gut darauf verlassen dass es weiß bis eierschalenfarbig gemalt ist. Und genau das ist bei diesem Überrock der Fall!
Da aber die Überröcke in der Handschrift üblicherweise ebenso bunt sind wie die Kleidung ist das schon mal ein Indiz auf was Besonderes.

+ Die Zaddeln
Wer sich mit dieser Handschrift und Ähnlichen aus diesem Zeitraum und der ungefähren Region vertraut macht stellt schnell fest, dass man Zaddeln (dieses "zipfelartige Zeugs an den Säumen" für die die das Wort nicht kennen) eigentlich nur an Gugeln findet. Kleidungssäume zu zaddeln ist um 1350 voll nicht modisch. Außer ... bei Rüstzeug! Da dann aber überall .. an den Plattenröcken, den Waffenröcken und eben auch an Textilpanzern:

Zaddeln an Rüstzeug um 1350, Bilder aus Südtirol (links und ganz links), Westfalen (2.v.R.) und Frankreich (rechts)

+ Die Doppelnaht am Ärmel
Indizmäßig wird es da schon dünner, aber die Lilienfelderhandschrift zeigt in der Regel keine Ziernähte auf Kleidung. Es könnte sich daher um eine Konstruktionsnaht handeln wie sie am Übergang von klassisch verarbeiteter Textilbahn zu der bloß ausgeschnittenen Zaddelung manchmal zu sehen ist .. vor allem an Gugeln ist das auffällig oft auf der Fall.
Die Konstruktionsnaht könnte hier dazu genutzt worden sein um den stark gesteppten und somit schützenden Panzerungsbereich vom reinen Zierelement der Zaddeln abzugrenzen.

Natürlich spricht nicht alles dafür, dass wir da einen Textilpanzer sehen .. auch die Gegenargumente wollen wir uns kurz ansehen:

~ Die Knöpfe
Interessanterweise ist selten zu sehen wie Textilpanzer im frühen 14.Jhdt. geschlossen wurden, die meisten wirken wie Schlupfkleidung. Knöpfe sind sicher ein Möglichkeit, die sich aber auf den meisten Abbildungen, wenn überhaupt, dann nicht in der Deutlichkeit finden lassen. Knöpfe finden sich als Verschluss erst später in der 2.Hälfte des 14.Jhdts. die des Bild erst einleitet. Also plausibel, würd ich sagen.

- Die Steppnähte

Der Hauptzweifel besteht schließlich darin, dass keinerlei Steppnähte an der Kleidung zu erkennen sind obwohl wie oben angeführt sehr wohl Nähte gezeichnet wurden. Auch die anderen Abbildungen von Textilpanzern zeigen die Nähte in aller Deutlichkeit. Ein ziemliches Hammerargument gegen meine These ... und trotzdem neige ich dazu das Ganze immer noch als irgendeine Form von Rüstkleidung zu sehen. Eventuell aber als Unterzeug unter einem Ringpanzer. Ich bin da unschlüssig.

 

Das Problem mit Robin Hood 


Dazu will ich jetzt gar nicht viel sagen, denn ein Hood .. äh, Hut-Beitrag ist schon länger geplant. Nur soviel:

Man träumt schon als Kind von kecken, grünen Hütchen mit Feder dran um einmal zu sein wie Errol Flynn! (Schwerenöter, Alkoholiker und Kettenraucher? Na OK .. aber immerhin besser als Justin Bieber .. wie das schon klingt ...)

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis heute!"
Also eigentlich gestern! Aber der Beitrag ist von heute .. hmm ... ist jetzt blöd ... neuer Versuch:

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis zur Kalenderwoche 36/2016!"
Na gut, das klingt jetzt wieder irgendwie nach Justin Bieber .. nochmal?

Und dann schei ... Ach haltet doch die Klappe! Lang lebe Errol Flynn!

Montag, 27. Juni 2016

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 4

Nachdem ich im Teil 2 der Serie "Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts" schon auf das Ausfahren und seine Einsatzfälle eingegangen bin möchte ich hier noch einige Überlegungen zum "täglichen Brot", also dem Alltag der ausfahrenden Wiener Bürger im Einsatz eingehen. Und nein, es geht jetzt nicht um das Care-Paket das Mama Gürtler dem Sohnemann auf Kriegszug in die Tasche stopfte.

Zu all dem muss ich aber zu Beginn gleich sagen: Ich bin kein Militärhistoriker (meine taktische Erfahrung ist bereits mit zwölf Zinnfiguren auf einem grünen Tischtuch umfassend beschrieben) und die hier angestellten Schlüsse und Vermutungen stammen aus hunderten Quellen aus denen ich versucht habe ein sinnvolles Puzzle zu erstellen.

Diese Darstellung der Schlacht von Kortrijk (Courtrai) ist eine der wenigen aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts die (wahrheitsgemäß) einen KampfInfanterie gegen Berittene zeigt

Dienstag, 14. Juni 2016

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 3

In diesem Teil möchte ich ein wenig mit der praktischen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse über das Wehrbürgertum in Wien auseinandersetzen .. sprich: Was braucht man? Warum braucht man es? Und wann zieht man das Gerümpel eigentlich an?

Dazu nehme ich immer wieder Bezug auf die vorhergegangenen Artikelteile (Teil 1 und Teil 2). Es wär daher nicht schlecht wenn sich der geneigte Leser (und auch die, die gerade sitzen beim Lesen) die entsprechenden Teile auch zu Gemüte führt. Außerdem kommen die Realienartikel über die Beckenhaube und den Spieß immer wieder mal vor und werden dann an dieser Stelle um Links zu neuen Ausrüstungsgegenständen ergänzt.

Fußsoldaten um 1330-1340, Rückseite des Verduner Altar, Klosterneuburg

Sonntag, 5. Juni 2016

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 2

Kommen wir also nun zum zweiten Teil des Artikels über "Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts" und beschäftigen wir uns mit der vierten großen Aufgabe für die militärisch aktiven Mitglieder der Wiener Gesellschaft .. 

Das "Ausfahren" 

Neben den Verpflichtungen alles für die Stadt IN der Stadt zu tun kann man die Abhängigkeit der Stadt vom Landesherrn (im Gegensatz zur Reichsunmittelbarkeit und damit nur der Gefolgschaft zum römischen Kaiser) gut daran erkennen, dass die vom Herren gewährten Privilegien eben auch Pflichten mit sich brachten. Und einer dieser Pflichten war die Gefolgschaft zum Landesherrn in seinen militärischen Unternehmungen zu erfüllen.

Aber Wien wäre nicht (mein) Wien wenn alles ein wenig weniger wienerischer wäre. Und so brachten die Wiener zuerst ihren großmütigen Kaiser Friedrich II 1237 und später ihren Herzog mit Migrationshintergrund Rudolf I von Habsburg 1278 dazu dieses Recht .. hmm .. sagen wir mal "leicht" einzuschränken.

Im entsprechenden Stadtrechtsprivileg wurde also niedergelegt, dass die Wiener selbstverständlich stets und voller Inbrunst im Gefolge des Herzogs ausziehen würden um Heldentaten ungeahnten Ausmaßes zu vollbringen .. aber bitte nur einen Tag lang. Zum Abendessen müssten sie dann schon wieder daheim sein!
Genau formuliert wurde die Gefolgspflicht so, dass man keinen Bürger zur Heerfahrt zwingen durfte außer man zog Frühmorgens, bei Sonnenaufgang, los und war noch "pey de sunneschein" wieder zurück. Das dürfte dann dem Herzog vor allem bei (rein hypothetischen) Schlachten um das Wirtshaus in Perchtoldsdorf oder bei einer gepflegten Schlägerei unter Badegästen am Wiener Donauufer einen garantierten Sieg eingebracht haben.

EDIT: So wie es aussieht war die Seeligkeit der abendlichen Heimkehr tatsächlich um 1278 aus dem Stadtrecht gestrichen worden. Was bedeutet dass ich wohl doch noch eine Decke zu meiner Ausrüstung packen müssen. Ein Nachtlicht auch. Und ein Kuscheltier.

Dienstag, 31. Mai 2016

Es wird ein Wein sein ...

... und mir wer'n nimmer sein" sangen Hans Moser und Paul Hörbiger, das war noch in der Schwarz-Weiß-Filmzeit. Etwas älter als diese Perle des Wienerlieds ist dann noch das original Rebmesser das ich mir kürzlich zulegen konnte. Und noch älter und vor allem wichtiger ist der Wein selbst. Warum? Das will ich euch erklären:

Abbildung aus einer Sammlung von Weltchroniken (Weltchronik - HB XIII 6)

Freitag, 27. Mai 2016

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Reloaded

So, nachdem ich bei meinem ersten Versuch gedanklich etwas von der Hirnrinde geglitten bin und in Erinnerungen schwelgte statt die ersehnten Fakten zu präsentieren geht es jetzt richtig los:

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts


Wie in praktisch allen Städten zu dieser Zeit und vor dem Aufkommen des Söldnerwesens im 15.Jhdt. war die Verteidigung einer Stadt auch in Wien eine Sache der wehrhaften und damit männlichen Bürger. Ohne auf die genaue Rechtsdefinition des Bürgers jetzt näher einzugehen (die diesen Rahmen bei weitem sprengen würde) sei kurz gesagt, dass ein "üblicher" Bürger bestimmte Rechte und Vorzüge genoss, die er jedoch durch Zahlungen des Bürgergeldes, dem Leisten des Bürgereids und zahlreicher Verpflichtungen abzugelten hatte.  Das ging den "alten" Wienern nicht anders.

Dienstag, 10. Mai 2016

Wie ist es als Gerüsteter im Regen?

Na, der Helm's klamm! Der war gut! Und völlig unerwartet, oder? Jedenfalls soll entgegen der Ankündigung heute noch nicht direkt um die heroische Wiener Wehrbürgerschaft gehen, sondern ein weiterer Ausrüstungsgegenstand soll besprochen werden: Der Helm!

Der wiederum hat mich gezwungen einen Flachscherz zu entwickeln in dem es um Helme geht .. und das ist gar nicht einfach und hat mich sicher ein paar Dutzend Sekunden meiner Lebenszeit gekostet. Alles nur für euch, geneigte Leser. Und weil der Scherz jetzt durch ist könnten wir für heute auch schon Schluss machen wenn da nicht die Sache mit der Beckenhaube wäre. Da erwartet man natürlich den nächsten Spaß, wie z.B. wie nennt man eine gestrickte Badehose oder so .. der kommt aber nicht. Stattdessen ein Bild:


Montag, 13. Juli 2015

Die Montur ist verschlissen, das Pulver verdampft

Ich habe ehrlicherweise lange mit mir gerungen ob ich diesen Artikel schreiben soll. Warum?

Na weil es einerseits nicht fair ist nur eine angebliche "historische" Veranstaltung zu kritisieren und all die anderen Märchentreffen in Österreich (zu erkennen am "Ritter", "Fest", "Markt" oder "Spektakel"" - Etikett) außen vor zu lassen. Andererseits weil man sich als Kritiker stets einer Unmenge an blöden Anfeindungen ausgesetzt sieht die einem doch auch den Tag versauen können.

Aber das was das HGM, das Heeresgeschichtliche Museum (ich buchstabiere noch mal:  M.U.S.E.U.M) letzte Woche abgeliefert hat war so unter jeder Kritik dass ich einen Tunnel graben muss um doch noch eine kritische Anmerkung dazu verfassen zu können.

Was erwartet man sich eigentlich von einem Museum? Damit sollten wir beginnen!

Ich persönlich erwarte mir eine seriöse Art der Wissensvermittlung, einen verantwortungsvollen Umgang mit wissenschaftlichen Fakten und ein gewisses Maß der Ernsthaftigkeit. Ich hoffe so weit sind wir uns einig?

Was ich dann aber am Sonntag im weitläufigen Freigelände des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien (soll ich's nochmal buchstabieren?) das schlug selbst  dem hartgesottenen Krautfass den Boden aus.

Man hatte eine Menge an Händlern aufgeboten, was natürlich ist, schließlich zahlen die armen Tropfe mit ihrer Standmiete schon mal die halbe Veranstaltung. Aber warum, WARUM in Dreiteufelsnamen, muss man seltsames Kunstgeschwurbel und disneyeske Polyesterkleider zum Kauf anbieten lassen? Warum Hexenshops? Warum moderne Jagdmesser verramschen wenn es auch Schmiede gibt die ihr Handwerk verstehen? Oder gibt es in Österreich keine Handwerker mehr die ihr Handwerk beherrschen? Sind die alle ausgestorben oder wollen kein Geld verdienen? Oder wären die einfach nicht bereit für die Gelegenheit ihr "Schöner Wohnen"-Gerümpel anbieten zu dürfen brav in die Kasse zu zahlen? So was aber auch!

Da muss ich mich doch fragen ob das Museum mit seinen Exponaten auch so umgeht? Sind die Panzer nur aus Leimholz und Styropor? Sind die Ausstellunsgstücke in den Vitrinen vielleicht doch auf rumänischen Flohmärkten erworben? Uniformen schon ab 1€?

Aber gut, ich habe es schon lange aufgegeben mit Shopping-Mentalität auf solche Spektakel auszurücken. Das führt ohnehin nur zur großen Enttäuschung. Aber da, am Wochenende im Heeresgeschichtlichen Museum, war selbst für einen typischen Albtraummarkt das Angebot hundeelend.

Aber eine wahres "Spektakulum" hat natürlich mehr zu bieten! Sollte man annehmen, vor allem wenn es in einer staatlich geförderten Bildungseinrichtung stattfindet. Da begann der Trauer zweite Phase aber erst richtig.

Die gebuchten Gruppen im Bereich "Mittelalter" (und nur die kann ich beurteilen) waren ein wüster Haufen an Zeiten, Orten, Moden und Mentalitäten. Historische Kleidung war mit der Lupe zu suchen und dann stets unter dem Altkleidersammlungshaufen der letzten tschechischen Märchenproduktion aufzufinden. Ähnlich käme ich mir vor wenn ich in einem Heeresgeschichtlichen Museum (so was soll es angeblich wirklich geben, natürlich nicht bei uns in Österreich) nach einer österreichischen Muskete aus dem 18.Jahrhundert suchen würde und die Vitrine unter Plastikkalaschnikows begraben wäre wie bei einer schlecht gelungenen Kunstinstallation.

Aber das Darstellergruppen jetzt nicht immer das gelbe des historischen Ei's sind, ist doch auch normal? Gibt ja auch den FC Barcelona und den Sportverein Rammersdorf und beide spielen Fußball? Das stimmt, aber die haben hoffentlich eines gemeinsam .. sie bewegen sich!

Aber das was dort, im HGM, herumhockte oder schauschlief (und es waren nicht wenige von derart großer Müdigkeit übermannt dass sie publikumswirksam hinter ihren Absperrungen für den interessierten Besucher vor sich hinschnarchten) war der uninteressanteste Haufen an Verkleidungskünstlern der mir je untergekommen ist! Haben die dafür eigentlich Geld bekommen? Oder ist alleine die Teilnahme an einem Museums-Event schon quasi im Schlaf verdienter Lohn genug? Wie wäre wohl ein Match zwischen dem FCB und den tapferen Rammersdorfern wenn kein Tormann da ist, die eine Hälfte der Spieler an der Mittellinie sitzt und die Steuerreform bespricht während Messi und Neymar in Löffelchenstellung am 16er ein Schläfchen machen? Sicher ähnlich gut und begeistert besucht wie diese Veranstaltung! Man hätte die Wiese auch mit zeltenden Erdapfelmännchen füllen können, die wären genauso einladend gewesen.

Kurz und gut es war ein echtes Trauerspiel, und eigentlich nur der Erwähnung wert weil es in musealem Umfeld stattfand. Unter der mutmaßlichen Schirmherrschaft von Kultur und Wissenschaft. Also an einem Ort wo man sich Wissen und Erbauung erhofft und nicht die Gefahr bestehen sollte sich umgehend die Schlafkrankheit zu holen.

Positiv zu erwähnen sind gewisse Einzeldarsteller, die trotz der gesichtslähmenden Stimmung in schwerer Wolle schwitzten oder mal etwas zur Hand nahmen dass nicht aus dem Fundus von "Piraten der Karibik" zu stammen schien. Und positiv war die Tatsache, dass "Gewandete" keinen Eintritt zahlten. Daher, liebe Leser, nehmen sie nächstes Jahr einfach Omas Tischdecke um die Schultern, stecken das Holzschwert in den Nietengürtel von Tante Elfie und machen sie sich auf zu "Montur und Pulverdampf 2016"!

Und wer weiß, vielleicht werden sie so sogar der bestbekleidetste Historiendarsteller des ganzen Museums .. des ganzen M.U.S.E.U.M.s? Die Wahrscheinlichkeit ist höher als sie glauben!

Donnerstag, 25. September 2014

Inverse Primärquelleninterpretation

Heute mal ein schön wissenschaftlicher Titel! Oder? Na, ich denke schon. Für die Hintergründe für so viel Pseudowissenschaftlichkeit muss ich aber noch ein paar Zeilen um Geduld bitten.

Wer meinen Blog liest, weiß das ich an einem neuen Dolchmesser gearbeitet habe, wer nicht kann dieses schmerzliche Informationsdefizit gerne HIER und HIER ausgleichen um nicht schon zu Beginn dieses Artikels in Rückstand zu geraten.

Jedenfalls ist besagtes Dolchmesser zu einer ziemlichen Baustelle geworden: Bauen, Griff gebrochen, Zerlegen, nochmal Bauen, zur Schau stellen, Grübeln, Nachschleifen, erneut zur Schau stellen, Stufe drin, wieder Zerlegen, ein letztes Mal Bauen .. und dann endlich Polieren und Ölen. Uff.


Sonntag, 24. Februar 2013

Aufgelesen - Die Geschichte Wiens: Reinhard Pohanka





Beschäftigt man sich mit der Geschichte Österreichs und speziell auch Wiens im Mittelalter, sind einem manche Namen natürlich bald sehr geläufig. 

Einer davon ist Reinhard Pohanka. Geboren 1954 in Wien, studierte er Klassische Archäologie und Alte Geschichte, um 1981 zu promovieren. Kurator für mittelalterliche Geschichte und Archäologie am Museum der Stadt Wien.


Produkt-Information

Österreich im Mittelalter

Pichler Verlag Wien
ISBN 3-85431-293-8

Als zweiter Band einer "Geschichte Österreichs" gibt das Buch einen Überblick über die Geschichte Österreichs vom Übergang der römischen Herrschaft zu den Babenbergern bis zum 16. Jahrhundert. 

Einerseits behandeln die Kapitel zeitliche Abschnitte, andererseits behandeln sie thematische Schwerpunkte wie zum Beispiel Lebensorte, Gesellschaftspyramide oder das Wirtschaftsleben.

Das Buch enthält zahlreiche Abbildungen.

Produkt-Information

Wien im Mittelalter

Pichler Edition Wien
ISBN 3-85058-150-0

Der zweite Band aus der Reihe "Geschichte Wiens" umreißt in jeweils einem Kapitel die Babenbergerherrschaft und die Herrschaft der Habsburger bis Maximilian I.

Neun weitere Kapitel beschäftigen sich mit Themengebieten wie Stadtentwicklung, Verwaltung, Justiz usw. Jeweils ein weiteres Kapitel widmet Reinhard Pohanka den Sagen und Legenden sowie den mittelalterlichen Denkmälern im Stadtbild.

Auch hier runden zahlreiche Abbildungen das Gesamtbild ab.


Produkt-Information

Hinter den Mauern der Stadt

Verlag Böhlau
ISBN 3-70080-351-6

Ein lebhaftes Bild der Stadt Wien im Mittelalter zeichnet dieser "Zeitreiseführer". Sowohl die Entwicklung des Stadtbildes als auch Details zu den Bewohnern Wiens werden hier behandelt. 

Reinhard Pohanka geht hier nicht nur auf die Hintergründe mancher Straßennamen ein, sondern gibt uns auch einen Einblick in die unterschiedlichen Lebenssituationen. 

Ein abschließender Führer zu den Kunststätten im heutigen Wien macht Lust auf den ein oder anderen Stadtspaziergang.


Produkt-Information

Eine kurze Geschichte der Stadt Wien

Verlag Böhlau
ISBN 3-20598-919-8

Wie der Titel schon vermuten lässt, beschäftigt sich dieser illustrierte Band mit den einzelnen Epochen in der Geschichte Wiens. 

Eine Zeittafel, die Geschichte der Wiener Bezirke sowie eine Aufstellung der Wiener Landesherren von 976 bis 1918 runden die Informationen neben einer Liste der historischen Bauwerke in Wien ab.

Sonntag, 13. Januar 2013

13. Jänner 1340


C H R O N I K


Es gibt etwas zu Feiern, liebe Leute! Ein Jubiläum! 10 Jahre ist es nun schon her, dass unser alter Herzog Friedrich auf Burg Gutenstein verstorben ist! Man munkelt, dass Gift im Spiel war! Und man soll sowas ja nicht sagen, aber so richtig schade ist es um den überheblichen Kerl eh nicht gewesen.

Sein Bruder, Albrecht II. - auch genannt der Weise oder der Lahme - , der Herr behüte und beschütze ihn, hat dann sogleich die Herzogswürde übernommen.Sein Bruder Otto II. - der Fröhliche - wurde sein Mitregent.


Albrecht II.
http://www.habsburg.net/kunst-kultur/historische-ausstellung/
die-fruehen-habsburger/die-fruehen-habsburger/



Mit Albrecht - der arme Kerl ist ja an Händen und Füßen gelähmt, auch das soll von einem tückischen Gift kommen -, haben wir nun wieder einen Herzog, dem die Stadt Wien sehr am Herzen liegt. Und man stelle sich vor er hat sogar seine Residenz in unsere wunderbare Stadt verlegt!
(Anmerkung aus dem 21. Jh.: Durch Untersuchungen konnte Gift ausgeschlossen werden; Albrecht litt an Polyarthritis)

Und was ist in diesen letzten 10 Jahren nicht alles passiert!

1331 wurdeWien in 4 Stadtviertel eingeteilt. Da immer wieder verheerende Brände die Stadt heimsuchen, wird auch für jedes Viertel ein Sammelplatz festgelegt um die Löscharbeiten besser in der Hand zu haben.

1333 wurde endlich eine Generalreinigung Wiens angeordnet und das Verbot erlassen "tote hunt und katzen und anderen Unflat" in den Strassen liegen zu lassen.

1338 wurde Wien dann von einer verheerenden Heuschreckenplage heimgesucht.

1339 ist der schließlich der arme Otto, Mitregent Albrechts II.,verstorben. 

Ebenfalls 1339 ist dem Herzog auch endlich ein Stammhalter geboren worden! Nach seinem Großvater Rudolf benannt, ist er nun die Erfüllung von Albrechts Wünschen, der dafür 1337 sogar eine für ihn sehr anstrengende Wallfahrt nach Köln und Aachen unternommen hatte.

Also .. ein Prosit auf unseren Herzog! Möge er lange und in Frieden leben!

Montag, 9. Juli 2012

Almosenbeutel mit Motivstickerei

Da ich nun ja schon erwähnt habe, dass ich auch an einem Almosenbeutel mit Motivstickerei arbeite, möchte ich euch den nicht vorenthalten:

Teil eines Almosenbeutels mit Motivstickerei


Das Motiv in der Mitte stammt von einem Wiener Pfennig und stellt ein Eichhörnchen dar, das eine Eichel in den Pfoten hält. (zumindest soll es das einmal...) Als Material verwende ich Seide auf handgewebtem Leinen und Goldlahn.

Wiener Pfennig
geprägt unter Friedrich dem Schönen (zw. 1314 und 1330)


Ähnliche Stickereien sind im Buch Europäische Stickereien 1250 - 1650 von Uta-Christiane Bergemann abgebildet. An denen habe ich mich bei der Gestaltung orientiert. Das Medaillon wird von mehreren Reihen Goldlahn in Anlegetechnik umgeben (werden). Für den Rest des Beutels verwende ich den Klosterstich.

Teil der Abbildung einer Bursa aus
Europäische Stickereien 1250 - 1650

Dienstag, 12. Juni 2012

EINSTEIGER IV - Bilderg'schichten

Als weiteren Schritt auf der Leiter zum ernsthaften Geschichtsdarsteller wollen wir heute die Sprosse der zeitgenössischen Handschriften als Quelle für unserer Darstellung erklimmen.

Handschriften sind neben den archäologischen Zeugnissen, den figürlichen Darstellungen in Form von Statuen und Grabplatten, der Fresko- und Glasmalerei und natürlich den zeitgenössischen Textquellen in Form von Kleiderordnungen, Rechnungsbüchern etc. eine der wichtigsten Grundlagen zur Erarbeitung textiler Rekonstruktionen. Wie bei allen Quellen ist bei der Interpretation natürlich Fingerspitzengefühl gefragt, kaum einmal kann etwas einfach wie abgebildet übernommen werden.

Stets muss man sich ein Vielzahl von fragen stellen .. warum wurde etwas abgebildet ? Was ist rein symbolhaft, was übertragbar ? Wer ist die abgebildete Person und welche Relevanz besitzt die Abbildung für meine Darstellung ? etc .. etc. .. (einen sehr guten weiterführenden Artikel zu dem Thema findet man übrigens bei den Wienischen Hantwerkliuten !)

Trotzdem scheint mir gerade die kritische Auseinandersetzung mit passenden Quellen ein wichtiger Schritt zu sein, um ein Gefühl für die Zeit der Hochgotik zu entwickeln. Außerdem bietet die Beschäftigung mit den großteils geistlich motivierten Quellen auch die wunderbare Gelegenheit sich in die christliche Glaubenswelt des Mittelalters einzuarbeiten.

Also habe ich die für die Darstellung um 1340 bedeutsamsten Handschriften unserer Region herausgegriffen und möchte meinen Besuchern und Lesern so die Möglichkeit geben, bei ersten Rechercheversuchen schon mal die würzige Luft gemalter Geschichte zu schnuppern.

Oberösterreichische Biblia pauperum 1310 - 1320, Stiftsbibliothek St. Florian cod. III 207
Eine recht konservative angelegte, modisch noch stark im 13.Jhdt. fußende Handschrift.
(Link: IMAREAL, Suchbegriff: Bildnummer 003012, dann einfach weiterblättern)


Wiener Neustädter Willehalm-Zyklus, 1320, Österreichische Nationalbibliothek cod. 2670
Modisch meist unspektakulär und sehr typenbehaftet, aber schöne Beispiele für mi-parti Mode.
(Link: IMAREAL, Suchbegriff: Bildnummer 005981, dann einfach weiterblättern)


Schweizerische Liederhandschrift "Manesse", 1310-1315 bzw. 1330
Höfische Mode ! und noch dazu in 2 Zeiträumen entstanden. Relevanz muss zwischen Grundstockmaler und Nachtragsmalern unterschieden werden, die Nachtragsmaler sind für uns eher von Bedeutung.
(Link: www.manesse.de)

Wiener Biblia pauperum, 1330 - 1340, Österreichische Nationalbibliothek cod. 1198
Neufassung der St.Florian-Handschrift (siehe oben), immer noch recht konservativ aber in einigen Details dem Geschmack des Entstehungszeitraums angepasst.
(Link: IMAREAL, Suchbegriff: Bildnummer 005436, dann einfach weiterblättern)


Österreichisches (?) Speculum Humanae Salvationis 1330 - 1340, Österreichische Nationalbibliothek cod. s.n.2612
Schön illustrierte und sehr repräsentative Handschrift ohne Modetorheiten.
(Link: IMAREAL, Suchbegriff: Bildnummer 007159, dann einfach weiterblättern)


Niederösterreichische Concordantiae caritatis, 1349 - 1351, Stiftsbibliothek Lilienfeld cod. 151
bedingt durch die Entstehungszeit ist hier bereits Vorsicht geboten, teilweise schon sehr extravagant.
(Link: IMAREAL, Suchbegriff: Bildnummer 003884, dann einfach weiterblättern)


Andere Handschriften, wie der "Lutrellpsalter" oder der "Alexanderroman" des Jehan de Grise, sind mit Sicherheit prächtigere Arbeiten der mittelalterlichen Buchmalerei, doch trotz ihrer zeitlich passenden Einordnung ist schon deutlich mehr Fingerspitzengefühl nötig um sie richtig zu interpretieren oder gar umzusetzen. Deshalb, Schuster bleib bei deinen Leisten .. und wir bleiben bei dem was unsere Region zu dem Thema abliefert.

Also, auf die Plätze, vor die Monitore und fröhliches Klicken .. es gibt viel zu Entdecken !