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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Es ist vollbracht!

Ich kann es selbst ja noch kaum glauben! Ja, es ist vollbracht!

Die Stickarbeit an meinem Almosenbeutel in Zählstickerei ist fertig! Ausgefertigt ist er noch nicht, aber das wird jetzt dann sicher auch bald mal kommen.

Hier aber ein Eindruck von der fertigen Arbeit:

Stickerei für einen Almosenbeutel in Zähltechnik

Mit der Rückseite bin ich nun nicht ganz so zufrieden, aber da muss ich ehrlich sagen, dass es mir zwischenzeitlich wichtiger war, fertig zu werden und ich daher alle anderen Überlegungen sehr in den Hintergrund gedrängt habe.

Und getreu den "Oskar"-Reden hier noch einige Dankesworte meinerseits:

Ich danke vor allem meinen Töchtern, die mich die ein oder andere Stunde an diesen Beutel "verloren" haben. Ebenso Familie und Freunden, die es geduldet haben, dass ich bei Plauderrunden immer nur Augen für meine Stickerei hatte. Und nicht zuletzt möchte ich auch meinem Arbeitgeber danken! Ja, tatsächlich! Das heißt jetzt nicht, dass ich während der Arbeitszeit gestickt hätte! Aber durch die Übersiedlung ans andere Ende Wiens habe ich täglich 2 mal 35 Minuten relativ ungestörte Schnellbahnfahrt "dazugewonnen". Da ist schon einiges weitergegangen!

Sobald nun wieder ein wenig Zeit, Energie und Hobby-Motivation da ist, werde ich mich an die Endfertigung wagen und natürlich weiter davon berichten!

Und nochmal, weils so schön ist:

Foto: C. Currelli

Samstag, 29. Juni 2013

Aus dem Winterschlaf erwacht...

... ist spät aber doch auch mein Schaffensdrang!

Habe ich im Winter wenigstens die Zeit zu lesen gefunden, brauchen nun auch meine Hände wieder etwas zu tun. Ganz untätig war ich seit dem Herbst zwar nicht, aber wirklich nenneswert wurde der Fortschritt erst in den letzten Wochen!

Und hier ist der Fortschritt an meinem Almosenbeutel in Gobelin-Stickerei:



Mit blau bin ich so gut wie durch. Die letzten Restchen in der linken unteren Ecke und der untere Rand kommen nächste Woche dran, wo ich dann auch endlich mit den weißen Anteilen weitermachen werde. Ja - weitermachen. Denn so ganz hat mich meine Neugierde nicht losgelassen, und ich musste schon einige Kästchen füllen, um einen Eindruck vom fertigen Werk zu bekommen!

Warum erst nächste Woche? Naja, es stehen noch einige andere Projekte an. Eine Chemise und ein neues Kleid für mich wollen auf jeden Fall noch für unseren heurigen Besuch auf der Bachritterburg gefertigt werden. Und diese Werke eignen sich nicht wirklich für meinen neuen "Arbeitsplatz".



Dem geübten Auge wird der Hinweis sicher aufgefallen sein! Die Schnellbahn ist meine neue Wirkungsstätte. Man beachte die farbliche Abstimmung zwischen meiner Stickerei und dem Interieur! Aber dazu im nächsten Eintrag mehr....

Montag, 9. Juli 2012

Sticktechnik des Almosenbeutels in Gobelinstich

Hier nun ein paar Worte zur Sticktechnik. Beim versetzten Gobelinstich hat man ja mehrere Möglichkeiten ihn auszuführen - vorallem wenn die Stichlänge nicht immer gleich ist (diese Form wird in der Literatur oft auch als ungarischer Stich oder Bargello-Stickerei referenziert). Nun war es bereits im Mittelalter natürlich so, dass das Material oft sehr wertvoll war und man versuchen musste, möglichst sparsam damit umzugehen. Da die Seidenfäden auch heute noch nicht unbendigt zu den Schnäppchen zählen, fällt es mir nicht schwer, auch hier die sparsame Stickerei auszuprobieren.

Auf der folgenden Skizze möchte ich kurz darstellen, wie ich den versetzten Gobelinstich arbeite:

Schema für versetzten Gobelinstich
bei gleicher Stichlänge

Ich bin überrascht, wie schnell einem das zur Routine wird. Lediglich bei den letzten Stichen mit einem Faden gehe ich zu einer anderen Variante über, um genug Schlaufen auf der Rückseite zum Durchziehen des Fadenendes zu haben. Im folgenden Schema soll die rote Linie das Fadenende an der Rückseite darstellen.

Stichschema bei unterschiedlicher Stichlänge

Und dann sieht die Arbeit von der Rückseite her so aus:

Rautenmuster von der Rückseite

Leider habe ich kein ganz optimales System gefunden, das Rautengerüst anzugehen. Daher scheinen immer wieder mal längere Fäden auf, wenn ich in eine andere Reihe wechsle. Ich hoffe, die kommen mir dann beim Ausfüllen der Kästchen nicht zu sehr in die Quere. Aber rein prinzipiell bin ich schon sehr zufrieden!

Und hier zur Erinnerung, wie das Muster von vorne aussieht.

Almosenbeutel mit Motivstickerei

Da ich nun ja schon erwähnt habe, dass ich auch an einem Almosenbeutel mit Motivstickerei arbeite, möchte ich euch den nicht vorenthalten:

Teil eines Almosenbeutels mit Motivstickerei


Das Motiv in der Mitte stammt von einem Wiener Pfennig und stellt ein Eichhörnchen dar, das eine Eichel in den Pfoten hält. (zumindest soll es das einmal...) Als Material verwende ich Seide auf handgewebtem Leinen und Goldlahn.

Wiener Pfennig
geprägt unter Friedrich dem Schönen (zw. 1314 und 1330)


Ähnliche Stickereien sind im Buch Europäische Stickereien 1250 - 1650 von Uta-Christiane Bergemann abgebildet. An denen habe ich mich bei der Gestaltung orientiert. Das Medaillon wird von mehreren Reihen Goldlahn in Anlegetechnik umgeben (werden). Für den Rest des Beutels verwende ich den Klosterstich.

Teil der Abbildung einer Bursa aus
Europäische Stickereien 1250 - 1650

Sonntag, 1. Juli 2012

Endlich ein Teil geschafft! - Almosenbeutel in Gobelinstich

Lange hat es gedauert, aber nun gibt es endlich den ersten Etappensieg bei meinem Almosenbeutel. Die Grundstruktur in Rot ist nun endlich fertig. Ein Zählfehler hat mich nun letztendlich ziemlich aus dem Konzept gebracht, aber nun habe ich es geschafft ihn zu "entschärfen". Ich denke, er wird am Ende nicht auffallen.

Das Grundgerüst ist fertig!


Der Materialverbrauch ist nun doch ein wenig höher ausgefallen, als vermutet. Aber ich habe ja auch mit einer Schätzung gearbeitet. Für den roten Anteil habe ich nun 17 m (durch die Teilung also 34 m) gebraucht. Das entspricht nahezu 3 Strängen. Den Rest des dritten Stranges brauche ich aber sicher noch für die Seitennähte, Kordeln und Quasten. Wenn nicht mehr...

Nun bin ich gespannt, wie leicht mir das "Ausfüllen" von der Hand geht. Der rote Anteil hat nun gegen Ende doch ein wenig von seinem Reiz verloren. Aber nun kann ich ja schön zwischen weiß und blau abwechseln.

Theoretisch habe ich nun noch 1 Monat - ein ambitionierter Termin...

Mittwoch, 27. Juni 2012

Eine knöcherne Kleinigkeit

So, nachdem ich mein letztes größeres Werkstattprojekt (Messer + Scheide) schon einige Zeit abgeschlossen ist habe ich mich mal dem Verarbeiten von Knochen zugewandt.

Die Gürtelgarnitur aus Rinderknochen ist im Entstehen, dazu wird aber noch ein eigener Artikel folgen. 

Heute möchte ich eine Kleinigkeit vorstellen um die mich meine Frau gebeten hat. Sie befindet sich ja gerade mitten in der Arbeit an ihrem bestickten Almosenbeutel und braucht für die Nestllöcher welche das Zugband zum Verschließen aufnehmen sollen eine Art Ahle um die Löcher vor dem Umfassen vorzustechen. Dabei soll das Grundgewebe und die Stickerei nicht beschädigt werden, der Stoff soll also gewissermaßen nur "verdrängt" werden.

Für nachmittelalterliche Lochstickereien werden für eben solche Zwecke Knochennadeln eingesetzt und obwohl das natürlich kein Beleg für die Verwendung von Knochenahlen in der hochgotischen Almosenbeutelherstellung ist, scheint eine entsprechende Form aus Knochen eigentlich recht praktisch. Dieses Rohmaterial ist leicht, lässt sich sehr gut bearbeiten und vor allem sehr glatt polieren. Letzteres ist der entscheidende Faktor, wenn man versucht die zu verdrängenden Fäden auf keinen Fall zu beschädigen.

Also hab ich eine einfache Knochenahle gebaut, mit rundem Querschnitt im gesamten unteren Bereich und einem quaderförmigen Kopf mit gefeilter Linienverzierung und hoffe mal, daß sie uns bei noch so einigen Nestellöchern die vor uns liegen gut Dienste leisten wird.


Dieses Nähzubehör wird natürlich sofort ins Nähkörbchen meiner Frau wandern, welches sie eigentlich schon des Längeren mal detailliert vorstellen wollte ... ist wohl Zeit sie charmant und vorsichtig dran zu erinnern.