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Donnerstag, 13. November 2014

Ist häßlich! Muss dann wohl authentisch sein

Ich muss zugeben ich hab ja schon ein paar Messer gebaut. Die meisten aus dem Grund, weil ich Messer mag und ihnen eine gewisse Ästhetik zuspreche. Man nehme nur dieses Stück: edle Materialen, schöne Linienführung und gelungene Proportionen. Schön!

Für das heutige Stück trifft das nicht zu! Igitt! Na gut, das große Gruseln ist vielleicht übertrieben, aber sehr gewöhnungsbedürftig ist das Ganze schon. Aber manchmal sieht man eine Fundzeichnung und dann muss man halt etwas bauen. Nur um zu sehen wie das wohl wirklich ausgesehen hat. Das ist ja das schöne an dem Hobby. Manchmal.


Bei der Rekonstruktion handelt es sich um eine recht freie Interpretation eines Themsefunds, publiziert in  J. Cowgill/M. De Neergaard/N. Griffiths"Knives and Scabbards" und datiert in die 2.Hälfte des 14.Jahrhunderts. 

Gefunden hat man dort eine Griffhülse aus Buntmetall die einem Messerheft zugeordnet werden konnte.


Für meine Rekonstruktion habe ich mich an die Grundkonstruktion der Hefthülse gehalten, sie jedoch anders als im Original dimensioniert und statt Durchbruchsarbeit eine Prägetechnik eingesetzt.


Im Prinzip ist die Heftkonstruktion quaderförmiges Stück Buchenholz, das mit vorher geprägtem Buntmetallblech ummantelt wurde, an der Unterseite des Hefts überlappt und dort mit Nägelchen gesichert wird. Wie das Original gesichert wurde ist unklar, aber die Methode schien mir am praktikabelsten. Den Abschluss des Buntmetall"mantels" bildet jeweils ein Buntmetallplättchen vorn (an der Klinge) und hinten (mit der Angel vernietet).


Von denjenigen die das Stück bisher in der Hand hatten, kamen Kommentare wie: "Sieht aus wie ein Feuerzeug aus den 70gern!" oder "Ist der Griff aus Milchschokolade?".

Naja, es ist echt keine Schönheit, wirkt billig-protzig und scheint so überhaupt nicht dem Idealbild eines "mittelalterlichen" Messers zu entsprechen. Irgendwie ist es das Besteckäquivalent zu den dämlichen gotische Hüten.


Hmm, ich glaub es beginnt mir zu gefallen ...


Ja, jetzt mag ich es! Tolles Stück!! Muss ich gleich eine schöne Scheide dafür basteln .. mit einem Mann drauf, der einen dämlichen gotischen Hut trägt ... Igitt!


Dienstag, 9. Juli 2013

Das Netznadelprojekt

Relativ vollmundig habe ich in meinem letzten Artikel (den über die Garnrollen nach Coppergate) kundgetan, dass ich mich als nächstes mit der Anfertigung einer Netznadel beschäftigen werde. Ein neues Projekt also! Wobei mir nach Fertigstellung klar war, dass Projekt vielleicht ein kleiner verbaler Hochgriff war .. Projektchen wäre besser gewesen .. oder Projektleinchen!

Netznadeln verwendete man wie der Name schon sagt zur Herstellung von  Netzen. Na gut, der Name könnte auch sagen, dass es sich um Nadeln handelt die in Netzen transportiert werden! Das ist aber falsch und funktioniert glaub ich auch nicht. Da ich aber jetzt nichts über Haarnetze, Fischernetze, Beutelnetze oder gar WLAN-Netze schreiben will, bleib ich bei der Netznadel an sich.

Als Vorlagen dienten wiedereinmal die Themsefunde aus London, diesmal war das Gewünschte in Textiles&Clothing von Crowfood/Pritchard/Staniland zu finden:


Die obige Fundzeichnung zeigt die kleinere von zwei in London gefundenen Netznadeln und gab somit Aussehen und Dimensionen für die Rekonstruktion vor. 

Zum Einsatz kam in diesem Fall ein etwa 3mm starker Buntmetalldraht. Den habe ich an beiden Seiten mit einem feinen Sägeblatt eingeschnitten. Das erforderte einiges an Geduld und ein paar Versuche, bis der Schnitt über die volle Länge mittig war. Um 1340 hätte man den Draht wohl eher mit einem Meißel gespalten, diesbezügliche Versuche zeigten aber, dass ich dafür wohl nicht den richtigen Meißel zur Verfügung hatte. 

Danach habe ich die entstandenen Zinken heiß gemacht und vorsichtig in  die entsprechende Form gebogen:


Mein Öhr wurde dabei etwas runder als das rhombenförmige Original. Da die beiden Zinken aber recht dünn waren, wollte ich auch nicht mehrmals auf und wieder zu biegen und bliebe daher bei dieser Form. Und schon war ich fertig ... Netznadelprojektleinchen abgeschlossen! Und das wars!


Obwohl ... so ganz war's das noch nicht für heute. Manch einer mag jetzt enttäuscht sein, dass ich mein Weigerung, mehr über das mit Netznadeln hergenetzte Endprodukt zu schreiben, so konsequent durchgezogen habe.

ich möchte daher die Gelegenheit gleich nutzen, um auf meine alte Freundin Christina aufmerksam zu machen, sie hat den Webnamen Sola und ist gerade im Aufbau ihres eigene Blogs zum Thema "Gotische Handarbeiten" ... vor allem Haarnetze haben es ihr angetan. Und so schließt sich der Kreis, respektive das Haarnetz ... und aus!

Mittwoch, 19. Juni 2013

Werdegang eines Messers II

Nachdem ich in einem früheren Artikel schon mal auf die grobe Vorgehensweise beim Messerbau eingegangen bin, möchte ich das heute noch durch ein paar Bilder aus dem Schaffensprozess vertiefen.

Es handelt sich, wie bei Messern aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts üblich um ein Griffangelmesser, mit einem Heft in Plättchentechnik. Näheres zur Technik und dem hochgotischen Messer im Allgemeinen gibt es auch hier und hier zu lesen.

Das erste Bild zeigt die Klinge mit der Griffangel sowie die bei dem Projekt eingesetzten Plättchen: Messing, Leder und Knochen.


Die Plättchen werden nur grob in Form und Größe geschnitten und mit einem Meissel werden die nötigen Löcher in Messing- und Lederteile gemacht und dann auf die Angel aufgeschlagen. Dabei ist es in beiden Fällen hilfreich, wenn der Meissel etwas schmäler ist als die Angel, so verkeilen sich die Blättchen beim Aufschlagen und halten fest auf der Angel. Für den Knochen muss man zuerst 2 Löcher bohren und diese dann durch ausfeilen zu einem Schlitz verbinden. 

 
Dann wird auch der Knochenteil vorsichtig auf die Angel geschlagen, er sollte, im Gegensatz zu den Messingplättchen,  locker sitzen, da er sonst beim Aufschlagen bricht.

Auf dem nächsten Bild ist das erste Plättchenpaket vor dem Aufschieben des Hefts zu sehen. Bei den Plättchenpaketen ist darauf zu achten, dass zwischen jedem harten Material (Holz, Messing, Knochen, Horn, Eisen etc.) und dem Nachbarplättchen ein Lederplättchen gesetzt wird. Nur so ist garantiert, dass das Heft nach dem Vernieten nicht zu wackeln beginnt.


Das nächste Bild zeigt uns den gesamten Heftblock, also das vordere und hintere Paket mit dazwischen liegendem Holzteil. 

 
Wenn man soweit gekommen ist, muss man das gesamte Heft nur mehr fixieren, in dem man die Angel mit dem hintersten Plättchen (in der Regel ein Metallplättchen) vernietet. 



Dieser Punkt ist auch der, der mich bisher von einer historischen Messererdarstellung abgehalten hat! Denn ohne die Klinge fest in einen Schraubstock zu spannen kriege ich das Vernieten nicht hin, und Schraubstöcke waren zu meiner Darstellungszeit noch nicht erfunden. Ich hab schon länger mal vor, alternative Methoden zur Fixierung der Klinge beim Vernieten zu testen, bin aber leider noch nicht dazu gekommen. Da würde ich natürlich über Feedback der Messermacher da draussen freuen!! Nun muss aber für diesem Punkt der moderne Weg her. 

Dabei wird das Messer senkrecht in den Schraubstock gespannt und an der Klinge (!) fixiert. Eigentlich logisch, denn wenn man den Griff einspannt und auf die Angel schlägt flutscht die Angel aus dem Heft.

Der Griffblock ist nun natürlich auf jeden Fall zu groß und auch völlig außer Form. Und da, nach dem Vernieten nämlich, beginnt auch der mühsame Teil des Messererlebens, das Raspeln, Feilen und Schleifen des Hefts.

Hier eine Abbildung aus dem Bruderbuch der mendelschen Zwölfbrüderstiftung aus Nürnberg, entstanden um 1425, diese zeigt einen Messerer beim Überarbeiten des Hefts:


Dazu nutzt er ein Stützvorrichtung die jener ähnelt die auch heute noch von Goldschmieden genutzt wird. Dabei wird das Werkstück gegen ein festes Objekt gedrückt und ist so einfacher zu bearbeiten.

Zuerst wird jetzt radial gearbeitet, das heißt ich bringe zuerst mit einer Feile die Plättchenpakete in die gewünschte Form in dem ich sie quer zur Angel überfeile. 


Wenn die Plättchen die gewünschte Form haben, schnappt man sich die Raspel und bringt den hölzernen Teil des Heftes nahe an die gewünschte Endform. 



Erst jetzt beginnt man das Heft axial, als entlang der Angelachse zu bearbeiten. Dabei arbeitet man eigentlich nur mehr mit einer nicht zu groben Feile um die Messingplättchen und den Knochen nicht gröber zu beschädigen oder gar das Leder auszureissen.



Wenn das Heft dann die gewünschte Endform angenommen hat (und das kann je nach Größe des Ausgangsblockes schon ein Weilchen dauern und einiges an Muskelschmalz kosten), fehlt eigentlich nur mehr mit einer feinen Feile und Schleifmitteln für die entsprechende Optik des Hefts zu sorgen.

So, das wars auch schon mit der Kurzanleitung .. ich würde mich freuen wenn ich entsprechende Rückmeldungen bekomme ob die Anleitung vollständig, verständlich oder überhaupt sinnvoll ist. Viel Spaß beim Messern!