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Samstag, 25. Februar 2017

Zmerschad

Heute beginnen wir unseren Artikel mit einem kleinen Ausflug in den Wiener Dialekt. "Zmerschad". Ich denke das kommt Lautmalerisch hin. "Zmerschad" nennt man in Wien einen Zustand in dem ein Objekt in viele kleine Teil zerbrochen oder zerschlagen wurde.

Warum ich euch damit belästige? Nun einerseits weil durch den hochdeutschen Einfluss des Fernsehens, der Musik und der Computerspiele meine eigenen Kinder (Gschroppen) gar nicht mehr in der Lage sind so wunderbare Wörter wie "Heislbesn" im Kopf (Bluza) zu behalten ... und andererseits weil ich persönlich glaube der Begriff "zmerschad" kommt über den Umweg "zermerschert" vom eigentlichen "zermörsert". Und da wollen wir hin: Mörser!

(Jetzt seh ich die Spätgotiker jubeln und ihre Pulverflaschen aus dem Schrank holen, aber .. tut leid, kein BummBummSchießenundsoLaut heute)

Rekonstruktion eines Steinmörsers aus dem Spätmittelalter nach ungarischen und englischen Quellen, Waldviertler Granit
Reconstruction of a late-medieval stone mortar by Chris Stein, form and size after sources from Hungary and England

Montag, 16. Januar 2017

Die Sache hat doch einen Haken ...

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Kurz gesagt: Die IG14 schmiedet jetzt! Naja, sie versucht es. Eine Schmiede aufzutreiben war noch die geringste Kleinigkeit, die ist im Nebenhaus. Aber das Schmieden an sich, hmm .. wir hatten ja keine Ahnung von Irgendwas .. das haben wir auch jetzt nicht, aber immerhin arbeiten wir.

Unser erstes Projekt waren Sohleneisen für Eis und Schnee. Die sind aber eher simpel gewesen und waren mir bisher keinen Blogeintrag wert. Kommt vielleicht noch.

Was ich aber unbedingt herzeigen möchte war unser nächster "Erstversuch". Dazu muss ich sagen, dass Schmiedekundige jetzt besser ganz stark sind, denn wir standen das erste mal an Amboss und haben da sicher den einen oder anderen Bock geschossen. Dessen Fleisch können wir dann ja kochen und aus dem Topf fischen ... mit dem neuen Fleischhaken!


Montag, 18. Januar 2016

Jetzt kann ich mir wieder in die Tasche lügen!



Die Interpretation von Bildquellen unter Zuhilfenahme der Quellenkritik treibt ja die meisten von uns regelmäßig um. Manchmal aber ist ein abgebildetes Objekt so faszinierend, dass es nach Rekonstruktion förmlich schreit.
So jedenfalls ging es mir nach einer neulichen Durchsicht der so genannten „Concordantiae caritatis“ aus Lilienfeld die um 1350 entstanden ist.

Das wirklich Schöne an der Quelle (wenn etwas das mit Quellenkritik zu tun hat wirklich schön sein kann) ist: Leder ist schwarz! Immer? Nein, nicht immer. Aber sehr oft. Das mag ich.
Man kann sagen mit der Lilienfelderhandschrift ist es wie mit den Fingern und den Daumen: Nicht alle Objekte aus Leder sind schwaru, aber alle schwarzen Objekte sind wohl aus Leder.

Daher ist auch bei diesem Taschenmodell mal davon auszugehen (sag ich mal so salopp), dass es ebenso aus Leder ist wie die Schuhe und Messerscheiden der anderen Teilnehmer an den „Konkordanzen der Liebe“.

Mittwoch, 15. April 2015

'CHEPPA!

Öhm, ja. Was für ein Titel. Da muss ich ausholen:

Also ich mach für unsere Gruppe ja sehr viel an Ausrüstung, da wären Messer und Scheiden dazu, Gürtel, Näh- und Stricknadeln, Klappmesser, Waagen und was weiß ich noch. 

Aber unser neues Mitglied, übrigens das erste durch biologische Zeugung statt durch Anwerbung hinzugekommene, braucht natürlich auch was! Nur was schenkt man einem 8-Wöchler ... hmm .. ein Messer? An einem Messer ist nie was verkehrt! Na gut, vielleicht schon .. aber nur in dem Fall ... dann halt was Anderes mit Griff:



Montag, 15. Dezember 2014

Der Charme des Jahrhunderts

Heute möchte ich mal, beeinflusst durch meine Arbeit an einem Messer für eine frühe 13.Jahrhundert Darstellung ein wenig den Vergleich zwischen frühgotischen Messern und jenen an Übergang von hoch- zur Spätgotik angehen. Beleuchtet werden sollen hier Griffangelmesser mit mittig angesetzter Angel und Griffen in Plättchentechnikkonstruktion.

Dafür habe ich mir 2 Exemplare rausgesucht die es in Folgenden zu vergleichen gilt:

Oben ein spätromanisches/frühgotisches Messer, unten ein Messer am Übergang von Hochgotik zur Spätgotik

Donnerstag, 13. November 2014

Ist häßlich! Muss dann wohl authentisch sein

Ich muss zugeben ich hab ja schon ein paar Messer gebaut. Die meisten aus dem Grund, weil ich Messer mag und ihnen eine gewisse Ästhetik zuspreche. Man nehme nur dieses Stück: edle Materialen, schöne Linienführung und gelungene Proportionen. Schön!

Für das heutige Stück trifft das nicht zu! Igitt! Na gut, das große Gruseln ist vielleicht übertrieben, aber sehr gewöhnungsbedürftig ist das Ganze schon. Aber manchmal sieht man eine Fundzeichnung und dann muss man halt etwas bauen. Nur um zu sehen wie das wohl wirklich ausgesehen hat. Das ist ja das schöne an dem Hobby. Manchmal.


Bei der Rekonstruktion handelt es sich um eine recht freie Interpretation eines Themsefunds, publiziert in  J. Cowgill/M. De Neergaard/N. Griffiths"Knives and Scabbards" und datiert in die 2.Hälfte des 14.Jahrhunderts. 

Gefunden hat man dort eine Griffhülse aus Buntmetall die einem Messerheft zugeordnet werden konnte.


Für meine Rekonstruktion habe ich mich an die Grundkonstruktion der Hefthülse gehalten, sie jedoch anders als im Original dimensioniert und statt Durchbruchsarbeit eine Prägetechnik eingesetzt.


Im Prinzip ist die Heftkonstruktion quaderförmiges Stück Buchenholz, das mit vorher geprägtem Buntmetallblech ummantelt wurde, an der Unterseite des Hefts überlappt und dort mit Nägelchen gesichert wird. Wie das Original gesichert wurde ist unklar, aber die Methode schien mir am praktikabelsten. Den Abschluss des Buntmetall"mantels" bildet jeweils ein Buntmetallplättchen vorn (an der Klinge) und hinten (mit der Angel vernietet).


Von denjenigen die das Stück bisher in der Hand hatten, kamen Kommentare wie: "Sieht aus wie ein Feuerzeug aus den 70gern!" oder "Ist der Griff aus Milchschokolade?".

Naja, es ist echt keine Schönheit, wirkt billig-protzig und scheint so überhaupt nicht dem Idealbild eines "mittelalterlichen" Messers zu entsprechen. Irgendwie ist es das Besteckäquivalent zu den dämlichen gotische Hüten.


Hmm, ich glaub es beginnt mir zu gefallen ...


Ja, jetzt mag ich es! Tolles Stück!! Muss ich gleich eine schöne Scheide dafür basteln .. mit einem Mann drauf, der einen dämlichen gotischen Hut trägt ... Igitt!


Dienstag, 18. September 2012

Es war einmal .. Hartberger Zeitreise !

So, nun ist also auch dieses, lang ersehnte Wochenende vorbei. Die "Hartberger Zeitreise" ist also Geschichte. Und, die Hartberger Zeitreise WAR Geschichte ! Und was für eine !

Es hatten sich, gemeinsam mit den ungarischen Gästen von Bethlen Gábor Hajdúi, einige der absoluten Topgruppen der österreichischen, Historiendarstellerszene versammelt um kleine Ausschnitte der tausende Jahre umfassenden Geschichte Hartbergs zum An- und Begreifen darzustellen.
Vom Neolithikum beginnend, zu Kelten und kaiserzeitlichen Römern, einen Bogen über die Gründung Hartbergs in Hochmittelalter schlagend ging es über das Spätmittelalter und den Barock bis hin in die letzten Jahrhunderte der Neuzeit.

Jahrhunderte an gelebter Geschichte vereint .. und da fehlen noch eine ganze Menge der anwesenden Darsteller

Soweit zur allgemeinen Einleitung, jetzt aber zum eigentlichen, persönlichen Erlebnisbericht ... es war toll ! Richtig gut ! Einfach wunderbar ! Eine Veranstaltung, die sowohl auf die anspruchsvollen Besucher als auch die ebenso anspruchsvollen Akteure sehr gut ausgerichtet war und reibungslos funktioniert hat ! Und somit auch eine absolute Seltenheit in unserem Land.

Wir hatten ja das, etwas ungewohnte, Vergnügen auf dieser Veranstaltung das Hochmittelalter zu repräsentieren. In einem großen Lagerteil inklusive Kochbereich, Handwerksecke, Pferdekoppel und Buchmalereipräsentation hatten wir 2 volle Tage zum Werken, Erklären, Kochen und Präsentieren aber auch zum Plaudern und Feiern.

Mein Schatz beim Präsentieren an einem der Schautische

Als Gruppe hatten wir uns in dieser Zusammenstellung das erste Mal zum gemeinsamen Lagern eingefunden, trotzdem gab es eine hervorragende und absolut reibungslose Zusammenarbeit des ganzen Hochmittelalterteams. Sei es beim Aufbau, beim Geschirrspülen oder bei den zahllosen anderen Verrichtungen des mittelalterlichen Alltags, stets war eine helfende Hand und ein kluger Kopf zur Stelle wenn Not am Mann oder der Frau war.

Grund für dieses ungetrübte Lagervergnügen war natürlich auch die Organisation von Seiten des Veranstalters. In unzähligen Details war die Hingabe an stimmungsvolles Ambiente und ein wissensvermittelndes Konzept immer wieder schön zu erkennen.
Die Verantwortung, gesamte Vorarbeit und Finanzierung (!) der gesamten Veranstaltungen lag in den kräftigen Händen eines Einzelnen und das es sich dabei um eine Premiere handelte war eigentlich kaum zu spüren. Meinen tief empfundenen Respekt und meinen Dank daher an Andreas für die Ganze Arbeit und Mühe!

Die "Veranstaltungsleitung" bei einer Kontrollrunde

Bleibt eigentlich nur mehr der Dank an die ganzen Freunde und Darstellerkollegen, an das Kochteam für das gute Essen und an all die unglaublich interessierten und begeisterungsfähigen Besucher der "Hartberger Zeitreise 2012"! Und natürlich die Hoffnung auf ein erneutes Fest der Geschichte im nächsten Jahr !

Montag, 4. Juni 2012

EINSTEIGER III - Wo krieg' ich das ?


Nun kommen wir also zum Beschaffungsartikel, für alle Kauflustigen sicher der schönste Teil der Einsteigerserie. Für diejenigen die eher unter Geldmangel leiden mag es schmerzhafter werden, aber, naja, da muss man durch.

Heutzutage ist es eigentlich schon recht einfach geworden, sich eine Anfangsausstattung zuzulegen, die meisten Dinge sind schon in brauchbarer Qualität zu kaufen. Selbermachen muss in der Basisversion eigentlich nur mehr der, der 1.) Geld sparen und/oder 2.) einfach gerne selber basteln will. Gerade 2.) ist aber eigentlich schon fast eine Grundvoraussetzung für eine illustre Karriere als Geschichtsdarsteller.

Ich gehe jetzt einfach mal salopp davon aus, dass die passende Literatur vorliegt, die Luxuskörper vermessen sind und schon die ersten Schnittvorlagen entwickelt und zu Papier gebracht worden sind.
Wir kommen also zu Punkt 1 unseres Einkaufszettels:

Stoffe - für bruoch, hosen, pfait und kitel sowie der Frauen Kopfbedeckung:
Kleidung besteht nun mal aus Stoff, also muss dieser beschafft werden. Es kommen in unserem Fall natürlich nur reine Naturstoffe in Frage und da die Farbgebung beim Pflanzenfärben eine deutlich andere (und auch deutlich schönere) ist als bei der chemischen Färbung wollen wir uns auf diese Art von Textilien beschränken. Dafür gibt es einige Möglichkeiten:

Wamdmalerei aus Konstanz, ca. 1320

- Naturtuche
führt Leinen, Seide und Wolle in allen erdenklichen Qualitäten für die spätere Pflanzenfärbung
- Färbehof
Der Name ist Programm, pflanzengefärbte Woll- und Seidenstoffe in verschiedenen Qualitäten.
Da wir von einer einfachen Darstellung ausgehen, würde ich bei Stoffen mit Einfachfärbung bleiben
- Bockscher Handwerksladen
Auch hier ein paar pflanzengefärbte Stoffe, ein großer Vorteil ist, daß man Renata Bock immer wieder mal auf Märkten antrifft oder selbst im Laden vorbeischauen kann. Außerdem bietet Renata ein spezielles Service an, das bei weitem nicht alltäglich aber für extreme Textillegastheniker schon recht nett ist: Sie näht mittelalterliche Kleidungsrekonstruktionen als Auftragsarbeit. Alles in Handnaht, Maßnehmen und Zuschnitt, pflanzengefärbte Stoffe und somit wenig bis gar kein Aufwand, allerdings natürlich auch eine Kostenfrage !

Bei der Stoffbestellung bitte auch auf die entsprechenden Garne achten, irgendwie muss man den Stoff ja auch zusammenkriegen. Außerdem wird das Garn auch für die nestel benötigt !

Bildquelle: www.manesse.de

Gürtel - der rieme:
Beim Gürtel ist gemäß der einfachen Darstellungslinie auch ein einfaches Modell zu wählen. Gürtel sind eigentlich auch etwas das mit gewissem Arbeitsaufwand selber gemacht werden kann, aber da man dafür Materialien aus verschiedensten Quellen, gute Fachliteratur und auch das entsprechende Werkzeug braucht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt dazu noch einen eigenen Artikel schreiben. Wir bleiben daher vorerst beim Kauf:
- Lorifactor
Die Polen bieten auch recht einfache Modelle ohne aufwändige Punzierungen oder vielen Beschlägen, also genau das Richtige für die einfache Darstellung. Die angegebenen Datierungen sind eigentlich recht zuverlässig. Da ich meine Gürtel selbst baue, kann ich leider keine Erfahrungen aus erster Hand weitergeben, aber auf den Bildern sehen die Stücke gut aus.
- Tod's Stuff
Der Name wird euch in Laufe der Jahre in der Darstellungsszene immer wieder unterkommen, da gibt es an persönlicher Ausrüstung eigentlich so gut wie alles. Ein echtes Eurograb, oder, in dem Fall, Pfund. ;-)
Ich habe eine Armbrust von ihm und kann sagen: "Der Mann ist gut !"

Fresco von A. Lorenzetti, ca. 1338-1340
Schuhe - die schuohe
Man sollte es nicht glauben, aber bei der Darstellung sind Schuhe eigentlich das größte Problem. Wirklich gute Wendeschuhe in erstklassiger Verarbeitung sind dünner gesät als man glauben würde.
- Meister Knieriem
Maßschuhe in Topverarbeitung, Schuhe die wie eine 2. Haut passen, echt zum schwärmerischen Niederknien .. aber auch mit dem entsprechenden Preis. Hier muss man nur noch die Qual der Wahl erdulden und sich ein schönes, einfaches Modell oder für Selbstbastler einen Bausatz aussuchen. Absolute Kaufempfehlung von mir !
- cp-Schuhe
Christian Pohen bietet zwar auch eine Luxus-Lederwaren-Serie, aber interessant dürfte hier eher die W-Wendeschuh Kategorie sein, billiger als Knieriem - sowohl im Preis als auch der Machart. Für Einsteiger und deren erste Saison OK würde ich sagen.

Stecknadeln für die Frau - nâdele
Kurz gesagt, entweder Messingdraht aus dem Baumarkt und selbst machen,oder ..
- Reenactors

Zu guter Letzt - der hût
Beim letzten Punkt auf unserer Liste wird nochmal interessant, gute Filzhüte sind rar.
Auf fast jedem "Mittelaltermarkt" (also diesen Kostümveranstaltungen, die viel mit Rapunzel aber wenig mit der namensgebenden, historischen Epoche zu tun haben) steht irgendwo ein Stand mit Filzwaren herum. Ebenso auf den meisten Weihnachtsmärkten. Einfach ein entsprechendes Bild aus IMAREAL ausdrucken, mitnehmen und die Leute um das entsprechende Modell fragen. Bestellen.
Bezahlen. Lieferung abwarten. Fertig. Wenn es schnell ein neuer Hut werden soll, geht zur Not auch ..
- Vehi Mercatus 

So, damit wären wir mit dem virtuellen Einkaufsrausch auch schon durch, jetzt bleibt nur noch ...
... bleibt meinem Blog gewogen, es werden noch viele Detailartikel für EINSTEIGER folgen
... Viel Glück beim Schneidern und Werken
... wir sehen uns demnächst im 14.Jahrhundert