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Mittwoch, 17. Januar 2018

Wienerwaldläufer

Wusstet ihr dass die Wiener Wehrbürger des 14.Jahrhunderts die einzig legitimen Rechtsnachfolger der Waldläufer von Ithilien waren? Nein? Na dann wird's langsam Zeit!

English descriptions can be found below, in a different colour.


Direkt aus der Stadt, malerisch gelegen an den Ausläufern der Emyn Muil (heute, auf Grund der großen Taten der Wiener lapidar "Wienerwald" genannt) nahmen sie versteckte Guerillavorstöße in die Totensümpfe und an die Hänge des Leithagebirges ... Entschuldigung, Ephel Duath vor!

Und dafür brauchten sie natürlich entsprechenden Ausrüstung! Tarnen und täuschen war um 1340 total angesagt!

Montag, 27. November 2017

Mal wieder das Heft in die Hand nehmen ...

Die letzten Wochen (oder Monate) habe ich mit allem Möglichen verbracht .. nur nicht mit Bloggen. Daher eine Entschuldigung an meine Leser und endlich mal wieder ein neuer Beitrag bevor man mich totschreibt und es zu einem Massenansturm bei einer auf Twitter angekündigten Fake-Beerdigung auf dem Wiener Zentralfriedhof kommt:

HOW TO: Wie mache ich ein Schwertheft mit historischem Werkzeug und Materialien
HOW TO: Making a sword grip with period tools and material


Und da die Internationalisierung der "Szene" weiter stark im Kommen ist möchte ich auch etwas Neues ausprobieren: Die Texte in diesem Artikel werden daher wie üblich von Bildern begleitet aber diesmal wird der Text VOR dem Bild in Deutsch (und dunkler) gehalten sein während der Text NACH dem Bild meine Englischsprachigen Lesern gewidmet ist und eher Hellbraun ausfällt.


I'd like to try a new layout for our english-speaking visitors and will put the explanation texts directly under a picture in English (and in a lighter colour).

Montag, 31. Juli 2017

Jetzt aber flott ... Lederwerkzeuge um 1350

Warum "flott" mag man sich jetzt fragen? Nun, das hat einzig und alleine den Grund dass heute der letzte Julitag ist und ich ohne diesen Beitrag echt ein Monat ohne Blogeintrag verbracht hätte. Pfui. Schande irgendwie.

Deshalb befassen wir uns heute ein wenig mit Lederwerkzeugen um 1350, also zum Ende der Hochgotik hin:

(1) Meine Lederwerkzeugrekonstruktionen nach Funden oder Abbildungen des 14.Jahrhunderts
My leather working tools, reconstructed after medieval findings or picture sources from mid-14th century


Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article 

Mittwoch, 1. Februar 2017

Mit Volldampf zum Wohlstand!

Ich arbeite ja jetzt schon des längeren an einer neuen Stufe der Darstellung, dem Zechmeister oder eventuell sogar Erbbürger. Und weil so ein Guter ja auch was zu repräsentieren hat muss ein prachtvoller Gürtel her! Vor allem wenn es Zechmeister der Gürtler wird .. beim Zechmeister der Messerer kann aber was Protziges auch nicht schaden.

Während mir der passende Rock immer noch fehlt ist das Zubehör schon richtig gut auf dem Weg: Hut (und noch ein Hut, beide werden noch gebloggt), Baselard, Gürteltasche, Gewandschließen, Knöpfe nach Wr.Neustädter Fund, Schlüpfschuhe aus feinem Ziegenleder .. alles schon bereit! Natürlich nicht ohne Hilfe und da gibt es wie in der Oscar-Rede natürlich vielen zu danken: dem Dirk, der Heike, der Steffi, dem Tobias und dem unermüdlichen Karl. Und natürlich der Agnes die mein Werk beim letzten Basteltreffen in Rekordzeit während einer gemütlichen Plauderei so im Vorbeisitzen vollendet hat:

Gürtel aus rotem Leder, mit gelber Seide gefüttert. Beschläge allesamt aus Messing vergoldet, die Bleche sind graviert.
(1) Civic belt made from red leather with yellow silk lining. All metal parts are gilded and some of them were engraved

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Donnerstag, 26. Januar 2017

Buntes Schwarz

Kann sich noch wer an mein buntes Messer erinnern? Nein? Echt nicht? Na kommt schon .. das da? Na eben! Für das gut Stück gab es dann ja auch recht bald eine Messerscheide. Und dann hielt ich das Projekt für abgeschlossen. Allerdings hatten begeisterte Besucher und zuletzt auch mein Altersweitsichtigkeit geplagtes Ich einige Problem die schöne Ledergravur auf dem feschen Schwarz der Scheide zu erkennen.

Kurz und gut: Es war mir zu schlicht und ich hatte grad Zeit (während bei der Doppelscheide der Leim trocknete) und daher hab ich zum Pinsel gegriffen:


Und da das Messer ja schon recht bunt war hab ich auch bei der Scheidenbemalung nicht mit den Farbe gespart, vorwiegend Rot und Gelbtöne kamen da zur Anwendung:


Die winzigen Drachen in Schwarz auf schwarzen Grund zu bemalen stellte sich als Herausforderung dar, ist doch die ganze Messerscheide grad mal so dick wie mein Zeigefinger. Und meine Beine sind grau und meine Augen alt und krumm.

Trotzdem habe ich das (wie ich vor Eigenlob müffelnd gerade finde) ganz ordentlich hinbekommen. Das ganze Set hat jetzt etwas Edles. Understatement war ja nicht so die Sache in der Gotik:


Auch die Rückseite hat etwas Farbe abbekommen, aber natürlich der "Gotischen Schauseitentheorie" entsprechend in abgespeckter Form:


Mehr gibt es eigentlich auch gerade nicht zu sagen. Ich bin also fertig. Und lass die Bilder für sich sprechen.

Samstag, 16. Juli 2016

Ahh .. A!

Manchmal macht man was in diesem Hobby und denkt gar nicht dran, dass es außer historischen Quellen auch Szeneinternes und Geopolitisches gibt das Auswirkungen haben könnte. So ging es mir jedenfalls mit meiner neuen Gürteltasche die schon im letzten Beitrag kurz vor der Vollendung stand.

Aber fangen wir mal von der anderen Ecke her an. Über das Tragen von Dolchen und Dolchmessern als Trachtbestandteil habe ich ja schon einiges geschrieben hier auf unserem Blog. Und auch die kombinierte Trageweise in Verbindung mit einer Gürteltasche ist bisher nicht gerade unbehandelt geblieben, so zum Beispiel hier.

Das dann für eine neue Dolchscheide mit Dolch auch ein neues Täschchen her muss ist ja in Wahrheit gar kein Muss sondern ein Will. Aber bei so schönen roten Leder auf ein Gürteltäschchen verzichten? Niemals nicht!

Noch mal das Bild aus dem letzten Beitrag .. für alle die sich nicht nochmal durch eine Messerhymne quälen wollen

Montag, 11. Juli 2016

In Hülle mit Fülle

Vor gar nicht all zu langer Zeit (Nein, nicht Biene Maja) habe ich hier meinen neuen Basilard-Dolch nach den Funden aus der Schweiz vorgestellt und dort auch angekündigt ich würde eine Scheide dafür machen. Nun, hab ich jetzt:

Basilard in roter Lederscheide (Ortband, Mundblech und Mittelbeschlag) in Kombination mit einer Gürteltasche

Und weil Bürgerlein von Welt natürlich schick gerne mit schick verbindet hab ich mir auch noch ein passendes Täschchen dazu geleistet (das an späterer Stelle noch genauer unter die Lupe kommt wenn es komplett fertig ist.)

Vorlagen für Dolch und Dolchmesserscheiden hat es in den Bildquellen eine wirkliche Menge, viele davon zeigen nur ein Ortband, manche Ortband und Mundblech und eine stattliche Anzahl eine Version wie sie auch an Originalen zu finden ist: Ortband, Mundblech und Mittelbeschlag.
Interessanterweise sind um 1340 über ganz Europa verstreut solche Dolchscheidenbeschläge auch noch im selben Stil zu finden:

3-teilige Scheidenbeschläge zwischen 1335 und 1350 (v.l.: Deutschland, Böhmen, Österreich und zwei mal Italien)

Auch im archäologischen Fundgut findet sich dieser Typus zum Beispiel bei einem Nierendolch in Hameln, Deutschland oder auch in Dordrecht in den Niederlanden.


3-teilige Dolchscheidenbeschläge aus Hameln (links) und Dordrecht (rechts)

Was auf den Abbildungen in den meisten Fällen als eine Art Zackenmuster dargestellt ist ergibt mit Blick auf die erhaltenen Exemplare ein anderes, aber um so schlüssigeres Bild: Dort wurden die Kanten der Beschläge (möglicherweise in Anklang an architektonische Vorbilder) mit Bögen verziert.

Eben diese Zierform habe ich dann auch für meine Beschläge übernommen und das Blech nach dem Zuschneiden mit Lochpunzen entsprechend ausgespart.


Zusätzlich hab ich noch zwei parallele Linien hinzugefügt die die Beschläge weiter gliedern. Auch das Ortband hat diese Art der Verzierung erhalten:


Die Beschläge bestehen aus Messingblech das ich um die Scheide herum geformt habe. Auf der Rückseite wurden wie beim Hamelner Original Röhrchen für die Aufhängung angebracht und das Ganze dann verlötet.


Die Scheide selbst hat einen Holzkern aus Kiefernholz, welcher innen mit stark gewalktem Wolltuch ausgelegt ist und außen, von einem mittlerweile mit dem Nerven am Ende befindlichen Nachbarn / Schuhmacher / Freund / Geduldswunder mit einer wendegenähten Lederscheide aus Rindsleder (beim Gerben bereits Krapp gefärbt) überzogen ist. Zusätzlich zu dem ohnehin sehr strammen Sitz der Beschläge habe ich diese auch noch mit dem Scheidenleder verleimt.

Auch das Scheidenleder weist die 2 parallelen Linien auf, die wie virtuelle Pfeiler die Bögen der Scheidenbeschläge miteinander verbinden:


Als Aufhängeband dient mir bei dieser Scheide ein durch die Hülsen des Mundblechs und des Mittelbeschlags geführtes Lederband. Leder deshalb weil durch das hohe Gewicht des Messers das ursprüngliche fingerschlaufengeflochtene Seidenband schon nach einem "Spaziergang" besorgniserregend durchgescheuert war.

Damit, und mit der hoffentlich bald fertigen Tasche und dem fast fertigen neuen Hut, dem bei der Vereinskollegin / Nähwütigen / guten Freundin befindlichen neuen Mantel und dem in Planung befindlichen neuen Rock kann ich in Verbindung mit meinen "alten" indigogefärbten Hosen und in den hoffentlich irgendwann (wenn sich des Nachbarns / Schuhmachers / Freundes / Geduldswunders Nerven beruhigt haben) neu dazugekommenen Schlüpfschuhen beruhigt Richtung neue Darstellung schreiten.

In diesem Sinne .. einen ofenheißen Tag euch allen .. und ich schließe, wie immer, mit einem Bild:


Abstract for english speaking visitors:
I made a scabbard for my new basilard /baselard. The scabbard was built following pictures form all over europe dating to the first half of the 14th century. It has a wooden core covered with red bovinae leather and three seperate pieces of metal decoration (following surviving examples shown above)

Freitag, 17. Juni 2016

Alle Biester in die Käfige!

Moment ... bevor mir jetzt jemand das von mir oft bespendete "Greenpeace" auf den Hals hetzt oder gerade dabei ist das rollende Suizidkommando der "Vier Pfoten" zu bestellen: Mit "Biest" ist mein neues Dolchmesser gemeint!

Dolchmesser, 1.Hälfte 14.Jahrhundert, mit Plättchengriff

Samstag, 12. März 2016

In die Scheide? Igitt!

"Er steckt das Schwert in die Scheide? Igitt!" Tja, so sagte meine große Tochter einst vor einem Jahrzehnt und bevor sie zum fingerschlaufenwebenden und wolleauchbeihitze tragenden Darstellerkind mutierte. Und immer wenn ich mich als Teilzeitscheidenmacher betätige muss ich an ihr entsetztes Gesicht denken das mich mit ungläubgen Kinderaugen ansieht. Jetzt springt sie gerade wild durchs Haus weil die beste Freundin (BFF nennt sich das heute) einen Freund hat. Früher war war alles besser!

Montag, 18. Januar 2016

Jetzt kann ich mir wieder in die Tasche lügen!



Die Interpretation von Bildquellen unter Zuhilfenahme der Quellenkritik treibt ja die meisten von uns regelmäßig um. Manchmal aber ist ein abgebildetes Objekt so faszinierend, dass es nach Rekonstruktion förmlich schreit.
So jedenfalls ging es mir nach einer neulichen Durchsicht der so genannten „Concordantiae caritatis“ aus Lilienfeld die um 1350 entstanden ist.

Das wirklich Schöne an der Quelle (wenn etwas das mit Quellenkritik zu tun hat wirklich schön sein kann) ist: Leder ist schwarz! Immer? Nein, nicht immer. Aber sehr oft. Das mag ich.
Man kann sagen mit der Lilienfelderhandschrift ist es wie mit den Fingern und den Daumen: Nicht alle Objekte aus Leder sind schwaru, aber alle schwarzen Objekte sind wohl aus Leder.

Daher ist auch bei diesem Taschenmodell mal davon auszugehen (sag ich mal so salopp), dass es ebenso aus Leder ist wie die Schuhe und Messerscheiden der anderen Teilnehmer an den „Konkordanzen der Liebe“.

Montag, 30. November 2015

Wie ein bunter Hund

Bunt! Nicht gerade das erste Wort das einem einfällt wenn man sich berüchtigte Hollywoodmittelalterfilme, billige Dokumentationen oder heutige Burgruinen und Kathedralen ansieht. Steinsichtig grau stehen die Bauwerke da in der Gegend herum, hellbraun, dunkelbraun und grau laufen Schauspieler durch schlammbraune Szenerien.

Aber die Gotik war bunt. Statuen und Figuren waren in der Regel aufwändig bemalt, die Innenräume von Kirchen und besseren Häusern waren mit bunten Fresken verziert, bunte Glasfenster ließen das Licht Gottes in die Kirchen und die erzielbaren und auch getragenen Farben bei mittelalterlicher Kleidung, alleine erzielt durch Pflanzen, Flechten, Pilze oder Tierbestandteile, erstaunen jeden geschichtsinteressierten Laien immer wieder aufs Neue.

Und damit kommen wir zum angesprochenen bunten Pudelhundes Kern: Ich find das gut! Ich mag bunt. (Naja, zu mindestens in der Darstellung, privat bin ich ja eher der Hollywood-Mittelalterbauer-Typ in braungrauoliv). Und da ich auch Messermacher bin, gehört bunt da eben auch dazu

Bisher habe ich diesen Aspekt in meinen Scheidenrekonstruktionen allerdings zu wenig einfließen lassen, denn abgesehen von der gelegentlichen Schwarzfärbung und einem Ausflug ins Rote (den muss ich demnächst mal bloggen) sind meine Messerscheiden Naturbraun. Schrecklich klischeehaft.

Tatsächlich ist aber auch in der Fachliteratur immer wieder der eine oder andere Hinweis zu finden, dass Messerscheiden in der Tat bemalt waren. So finden sich z.B. auf erhaltenen Scheiden aus London Spuren von Farbpigmenten, meistens Ocker. Auch erhaltene Lederobjekte zeigen deutlich die Spuren von Bemalung, wie z.b. ein französisches, mit Leder verkleidetes Kästchen aus der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts dessen Farbgebung noch sehr gut zu erkennen ist:


Also informierte ich mich mal über damals verwendete Farben und Farbtypen und kam (auch dank der Malerinnen in unserer Truppe) recht rasch auf den Begriff der Tempera. Darunter versteht man mit öliger Emulsion angerührte Farbpigmente, wie z.b. den oben schon erwähnten Ocker. Gesagt, gesucht, getan, gekauft und losgeockert:
 

In diesem Fall habe ich mich einerseits von den Ockerspuren des Fundes aus London sowie der rottönigen Palette des Kästchens inspirieren lassen und die Messerscheide des Essmessers meiner Frau in Erdtönen bemalt:



Völlig angeheizt von der Erfahrung mal etwas anzupinseln das nicht Wohnzimmerwand heißt, ließ ich die erste Scheide trocknen und stürzte mich gleich auf die Nächste:


Hier wurde ich dann schon deutlich mutiger was die Farben angeht und völlig überwältigt von der Vielfalt an möglichen Farbtönen schlug ich gleich mal richtig zu – der bunte Hund .. naja, Drache in dem Fall:



Und weil die Pinsel jetzt eh schon dreckig waren ging ich rüber zum Schaukästchen und griff mir noch eine Lederscheide:


Diesmal verwendete ich mehr oder weniger die gleichen Farbtöne wie beim Drachenmesser, spielte dafür aber erstmals mit Licht und Schatten ein wenig herum:



Und dann ...  dann, bevor ich jetzt in meinem Überschwang auch noch die restlichen Scheiden, eventuell herumstehende Becher und halbfertige Kleidungsrekonstruktionen mit künstlerischer Hand in farbenstrotzende Meisterwerke verwandeln konnte, bremste mich mein Gewissen mit den Worten: „Ja eh klar, Nikolaus, war sicher alles bemalt. Ohne Ausnahme. Oder? Denk nochmal nach!“

Deshalb ist hier auch Schluss mit Bildern von bemalten Messerscheiden, ein paar dürfen ruhig pfuibraun bleiben.

Ach ja, ein großer Vorteil beim Bemalen war, dass die Tempera sich mit Wasser so wunderbar wieder abwaschen ließ und ich so mehrere Versuche an derselben Messerscheide hatte.

Tja, Vorteil, naja, denn:

Ein großer Nachteil beim Bemalen war, dass die Tempera sich mit Wasser so wunderbar wieder abwaschen ließ und das erste Mal angreifen mit feuchten Händen zu bunten Händen und braunem Leder führte.

Hmm, nicht gut.

Ein paar Recherchen weiter stieß ich (auch dank einiger Ideen und Hinweisen meiner Mitstreiter) dann auf Leinölfirnis. Und landete bei Leinöl-Standöl. Das hatte meine geliebte Frau nämlich in ihrer Textildruckerkiste.

Damit betupfte ich dann die bemalten Scheiden und fixierte die Farbe durch die anschließende biochemische Lackbildung ein wenig. Ist jetzt immer noch nicht als Scheide für Tauchermesser gedacht, aber immerhin kann man mal ins Schwitzen kommen ohne selbst … zum bunten Hund zu werden.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Einfach, aber schön

Neulinge im Hobby sind was wunderbares, denn entweder sind es polyestertragende Gröhler mit blanken Dreihändern und Fellhelm .. oder, wie in diesem Fall es sind geschichtsinteressierte Nerds, deren erste historische Kleidungsrekonstruktion manchen Althasen (ist ALT-Hasen irgendeine sinnvolle Tastenkombination .. scheinbar kann man damit die Hilfe des Firefox aufrufen und die Add-Ons neu starten .. auch nicht schlecht) .. also deren erste historische Kleidungsrekonstruktion manchen Althasen die Neidtränen aus dem Augenwinkel drückt.
Um letzteres handelt es sich bei der jungen Dame für dieser Gürtel gedacht ist, gotisch passend zum neuen, roten Kleid: Grün!

Ist eigentlich ein schönes Grün, sieht auf dem Bild nur keiner

Montag, 16. März 2015

Wer Bam sagt, muss auch Berg sagen!

Tja, da wär ich wieder! Und weil ich ja weithin dafür gerühmt werde mir bei meinen Messern besonders viel Mühe zu geben .. na gut, nicht weithin .. und auch nicht wirklich gerühmt ..vielleicht eher liebevoll verbal hinter den Ohren gekrault?
Jedenfalls versuch ich für jedes Messer die passenden Recherchen zu machen und mir die Quellen und Belege zusammen zu suchen die dann in die Arbeit einfließen.

So auch beim Bamberger Messer für das es letztens eine Scheide zu machen galt, und da war es mir natürlich ein Anliegen neben der in Bamberg gefundenen Messerklinge auch beim Scheidenmachen möglichst einen Lokalbezug zu haben.


Donnerstag, 5. Februar 2015

Kleidung zum Wechseln nicht vergessen!

Ja, genau so stehts wohl in jedem Wanderführer bei der Packordnung für den Rucksack. Sachen zum Wechseln! Und dass das auch für die Darstellung historischer Personen interessant ist, soll folgendes Beispiel zeigen:


Montag, 2. Februar 2015

Fingerübungen

"Gürtler bin ich , Gürtler, Sakrament no ans, Gürtler! Cingulator! Ich weiß ja genau, irgendwann in 650 Jahren oder mehr wird sich irgendwer als ich verkleiden und was wird der dann machen? Messer .. die ganze Zeit Messer! Was die Leut sich da von mir denken werden is net auszuhalten!"
- -- Niklas Riemer, Februar 1340

Recht hat, der Niklas, wie so oft! Und deshalb und weil nebenbei ein paar Herausforderung auf dem Gürtelsektor auf mich warten hab ich mal angefangen die etwas eingeschmurgelten Finger für die neue Gürtlerdarstellunsgpräsentationssaison wieder ein wenig aufzuwärmen:

Punzierung nach einem Motiv aus Schleswig

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Als noch ein Staufer Kaiser war

Normalerweise mach ich Messer ja nur für die Freunde und Vereinskollegen der IG14, doch auf die letzte sehr nette Anfrage doch ein Messer fürs Hochmittelalter zu machen konnte ich dann doch nicht nein sagen. Mach ich ja sonst nicht!

Deshalb hab ich mich recherchemäßig ein wenig herumgetrieben, mit noch mal den Holtmann und die Themsefunde angesehen und ahb dann losgelegt .. also: 

Ein frühgotisches Messer

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war das Griffzungenmesser schon bekannt, trotzdem waren der absolute Großteil der Messer (>80%) immer noch Griffangelmesser. (zur genauen Definition siehe am Besten: Holtmann, W.G.F,  Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern).
Bei diesen Messertyp wird das Heft auf die Angel aufgeschlagen oder aufgebrannt und die recht kurzen Angeln der hochmittelalterlichen Funde lassen weiters darauf schließen, dass es selten zur vollständigen Durchsteckung der Angel kam. Plättchentechnik hingegen kann auch bei kurzen Angeln zur Anwendung kommen, wie im Folgenden gezeigt.

Frühgotisches Griffangelmesser in Plättchentechnik

Dienstag, 14. Oktober 2014

Konkurrenz belebt das Geschäft

So, oder ähnlich, werden meine Messer wohl denken wenn ständig ein neues Stück dazukommt ... aber da kann ich ihnen nicht helfen, im Moment läufts grad.


Anregung für mein neues "Messer des Monats" war ein Stück aus dem 15.Jahrhundert das in der Wiener Hof-, Jagd- und Rüstkammer liegt. Es handelt sich dabei um ein Besteck mit einem wunderschönen, massiven Griff aus Bergkristall der in Plättchentechnik verarbeitet ist. Und jetzt bitte nicht enttäuscht sein, ich hab keine Replik davon gemacht!

1. ist das Stück viel zu spät für meine Darstellungszeit
2. ist es so kunstvoll gearbeitet und mit vergoldeten Silberbeschlägen versehen, dass ich mich scheitern sehe
3. stell ich mir Bergkristall zum Bearbeiten irgendwie infernalisch vor

Aber ... es brachte mich auf eine Idee, und weil ich gerade lesemäßig zwischen Ilse Fingerlins "Gürtel des Hohen und Späten Mittelalters" und Holtmanns "Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern" hin und her pendle (irgendwie les ich die immer wieder mal und komm jedes Mal auf etwas drauf das ich beim vorherigen Lesen nicht mitbekommen hab .. muss wohl das Alter sein) dachte ich mir, was sagt denn der gute Dr. Holtmann zu ... Bernstein!!


Und was soll ich sagen .. er sagt JA .. oder besser er schreibt es.

Also habe ich mich auf die Bernsteinsuche gemacht und weil ich ja völlig fuzzymäßig un-A bin führte mich mein Weg nicht an irgendwelche einsamen Ostseestrände sondern ganz lapidar an die Tastatur! Und schnell konnte ich feststellen, dass es gar nicht leicht ist Bernstein in entsprechenden Größen zu bekommen OHNE das darin eine Eidechse eingeschlossen ist die gerade eine Spinne beißt welche eine Mücke frisst .. oder besser fraß, denn die lieben Tierchen sind ja schon lange tot.

Letztendlich bekam ich aber ein sehr hübsches transparentes Stück das auch von der Größe her ansprechend war und konnte mit der Arbeit beginnen.

Plättchentechnik war angesagt, und auf die Gefahr hin langsam langweilig zu wirken entschied ich mich Buntmetall, Leder, Knochen und Buchsbaumholz der Gleichung hinzuzufügen.


Da mein Bernsteinstück bereits auf eine Zukunft als überdimensionale Schmuckperle hoffend mittig durchbohrt war brauchte ich das Ganze nur etwas aufzubohren um einen Führungskanal zu haben. Wozu? Na, ich dachte mir ich brenn den Bernstein auf die Angel auf und da ist es ganz gut ein Loch zu haben dem man beim Aufbrennen folgt.

Tatsächlich stellte sich bald heraus, dass ich echten Bernstein erworben hatte, denn in der Werkstatt duftete es nach dem Aufbrennen der Bernsteinperle wie in der St.Stephanschen Weihnchtsmesse.

Die Plättchen aus Buntmetall hab ich übrigens mit einem Meissel geschlitzt und auf die Angel aufgeschlagen, der Rindsknochen wurde mehrfach durchbohrt und danach wurde das Loch auf Angelquerschnitt aufgefeilt. Das Leder konnte ich praktischerweise gleich mit der zukünftigen Messerklinge zuschneiden und den Buchsbaum hab ich gesägt, eingebohrt und auf die Angel geschlagen. Danach? Schleifen und Feilen, Feilen und Schleifen und noch mehr Feilen ... *tata*:


Zuletzt wurde der Griff noch geölt und die Klinge scharf geschliffen. Jetzt kommt dann die Scheide, hoffentlich ein neuer Tag und so Gott will eine gute Idee dafür.

Und weil es so schön ist, noch ein paar Lichtspiele:



Abstract for our english-speaking visitors:
I made another knive, this time using a very uncommen material: amber! The rest of the knive is made from boxwood, cattle bone, leather and brass. Piece by piece was stuck on the tang and fixed by mounting the final piece, the boxwood handle. Then the whole knive handle was filed to the wanted form.

Dienstag, 10. Juni 2014

Der beste Freund eines Mannes sucht nach passender Scheide ...

Himmel hilf, der Titel hört sich ja wirklich wie eine schlechte, obszöne Kontaktanzeige in einem dieser Billigerotikblätter an! Hab ich mir sagen lassen, selbst hab ich so eine Zeitschrift ja noch nie gesehen. So geht es einem jedenfalls wenn man mal bloggt und nichts zu schreiben hat und dann einen weiterführenden Artikel zu dem einfallslosen Beitrag verfassen muss.

Jedenfalls, es geht um mein letztes Messer welches, und da muss ich mich selber loben, wirklich schön geworden ist. Und ein Messer braucht, wenn es kein Klappmesser ist, auch eine passende Scheide:


Sonntag, 24. November 2013

Scheiden tut gar nicht weh!

"Das mach ich doch im Winter!" .. oft gesagt, nie getan! Ich jedenfalls war bisher der klassische Fall eines Winterschläfers, sobald die Temperaturen sinken, sinkt auch mein Enthusiasmus fürs Hobby etwas zu machen. Traurig! Aber nicht dieses Jahr .. hab ich mir fest vorgenommen ... und tatsächlich, es geschieht hin und wieder was! Fein!

Jedenfalls hab ich vor langer Zeit mal eines meiner Messer gebloggt, hier nämlich, und vor noch viel längerer Zeit hab ich es gebaut .. und bis vor Kurzem hatte das gute Stück keine vernünftige Scheide. "Mach ich doch im ...", hab ich gesagt, und jetzt endlich auch getan!


Die Scheide ist aus einem dünnen Rindsleder und nass direkt auf das Messer geformt, daher auch der assymetrische Schaft für das Messerheft. Direkt ins feuchte Leder hab ich dann mit einem Griffel die Ornamente geritzt, nach einer Vorlage aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts aus London.


Das Leder ist übrigens in einer kalten Idigoküpe für ein paar Stunden blau gefärbt worden. Indigo färbt allerdings nur die Oberfläche und nicht das "Fleisch" des Leders, sodass beim Zuschnitt weiße Schnittkanten zum Vorschein kommen. Das wirkt recht attraktiv.


Wie auch bei den anderen Scheidenfunden aus London ist die Rückseite weit enfernt von der Kunstfertigkeit der Schauseite, dementsprechend hab ich mir Mühe gegeben auf der Hinterseite möglichst patschert zu arbeiten.

Damit ist wieder etwas von der langen ToDo Liste verschwunden! Amen, Mahlzeit und Gute Nacht!



Freitag, 15. November 2013

Frisch vom Riemertisch V

"Kalt ist es geworden! Mir kriecht die Nässe der letzten Tage ja schon ganz schön in die Knochen, muss das Alter sein. Die Kinder gedeihen gut, denen scheint auch nie kalt zu werden. Mir schon. Gut dass in der Werkstatt ein Feuerl brennt. Letzte Woche war die Färber-Firi bei mir und hat mir ein paar gefärbte Riemen mitgebracht, die ich bei ihr in Auftrag hatte. Blau und Gelb zum Großteil, aber auch ein paar schöne Grüne! Und weil mein Lehrling grad die neuen Beschläge vom Gelbgiesser geholt hatte und dabei war sie zu polieren, hat sie sich als Bezahlung gleich einen neuen Gürtel angeschafft, die Firi. Grün muss er sein, eh klar, weil als Färber muss man schon zeigen wie bunt die Welt sein kann! Und Blumerl wollt sie unbedingt drauf haben .. und einen Börsenbeschlag. Na, wers hat, der hats! 

-- Niklas Riemer, November 1341 --"

Diesmal handelt es sich mal wieder um ein wirklich frisches Stück, denn abgesehen von dem roten Gürtel den ich für einen Freund fertig gemacht hab, ist das mein letztes Werk. Irgendwie macht mich der Herbst immer etwas faul. Muss eine Art rudimentäres Grundverhalten sein, Winterschlaf oder so? Ich bin ja ein sehr rudimentärer Typ, Blinddarm hab ich (eh klar, wer nicht), meine Beine sind ähnlich behaart wie beim Yeti und mit den Ohren wackeln kann ich auch. Toll, oder? Na gut, bringt uns jetzt auch nicht weiter .. deshalb gleich das erste Bild:
 

Der Riemen ist aus dem bei mir üblichen vegetabil gegerbtem Rindsleder, denn obwohl ich beim Bemalen von fettgegerbten Leder gerade tolle Erfahrungen gemacht habe, liegt noch eine Menge Leder im Keller das weg muss. Gefärbt worden ist bei mir im garten zuerst mit Kreuzdornbeeren, gibt ein sehr schönes Gelb, und danach dann auf der Bachritterburg in einer kalten Indigoküpe blau überfärbt. Ergebnis: Grün .. und so richtig schön grün! (was man auf dem Bild mal wieder nicht erkennen kann)


Geprägt wurde dan mit einer Punze die ich erst kürzlich gemacht hab, Rechteckform mit eingeschlagenem, diagonalem Kreuzmuster. Dicht aneinandergesetzt ergibt das eine Optik die an ein gewebtes Band erinnert. Die Imitation von bestimmten Materialien in einem Werkstoff war in der Gotik allgemein sehr beliebt und taucht immer wieder im Kunsthandwerk auf.

 

Die Blumenbeschläge und der Börsenbeschlag sind übrigens von Lorifactor, die Riemenzunge und der Schnallenbeschlag aus Bronzeblech. 


Da das gute Stück zum Großteil auf der Burg Liechtenstein während einer Belebung entstanden ist, sind die Verzierungen nicht besonders ausgefeilt sondern eher schlicht, als Punkt und Kreisverzierung, ausgeführt. Ich werd ihn mal der neuen Besitzerin übergeben, wenns ihr nicht gefällt kann ich ihn ja noch überarbeiten. Aber wie ich sie kenne, mag sie ihn!