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Montag, 23. November 2020

Sponge Bob .. oder eben mittelalterliche Verhütungsmethoden

*English text is inserted after the German one as usual here*

Unsere Geschichte beginnt heute mit einem kleinen Rundgang durch das mittelalterliche Judenviertel Wiens, die Judenstadt (der Begriff Ghetto wurde übrigens erstmals 1516 in Venedig gebraucht) ... sogar richtig virtuell wird’s:

Todays journey starts with a short walk through the “Jewish City” (a name for the Viennese jewish quarter, Ghetto wasn’t used before the early 16th century) in Vienna in the 14th century. 

Montag, 28. November 2016

... oder eyn eysenhut

... so heißt es (recht Y-reich) in einem Auszug aus dem Wiener Stadtrecht von 1422. Und wenn man meine Artikel über die Wiener Wehrbürger im 14. Jahrhundert gelesen hat (Und mal ganz ehrlich: Wer hat das nicht? Kein Wort jetzt. OK?) dann weiß man das.

 

Freitag, 17. Juni 2016

Alle Biester in die Käfige!

Moment ... bevor mir jetzt jemand das von mir oft bespendete "Greenpeace" auf den Hals hetzt oder gerade dabei ist das rollende Suizidkommando der "Vier Pfoten" zu bestellen: Mit "Biest" ist mein neues Dolchmesser gemeint!

Dolchmesser, 1.Hälfte 14.Jahrhundert, mit Plättchengriff

Dienstag, 14. Juni 2016

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 3

In diesem Teil möchte ich ein wenig mit der praktischen Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse über das Wehrbürgertum in Wien auseinandersetzen .. sprich: Was braucht man? Warum braucht man es? Und wann zieht man das Gerümpel eigentlich an?

Dazu nehme ich immer wieder Bezug auf die vorhergegangenen Artikelteile (Teil 1 und Teil 2). Es wär daher nicht schlecht wenn sich der geneigte Leser (und auch die, die gerade sitzen beim Lesen) die entsprechenden Teile auch zu Gemüte führt. Außerdem kommen die Realienartikel über die Beckenhaube und den Spieß immer wieder mal vor und werden dann an dieser Stelle um Links zu neuen Ausrüstungsgegenständen ergänzt.

Fußsoldaten um 1330-1340, Rückseite des Verduner Altar, Klosterneuburg

Sonntag, 10. Januar 2016

Kochen und Rezepte


Einige haben ja vielleicht unsere "Tafelfreuden" verfolgt. Ich habe immer wieder versucht auf die Quellen der Rezepte zu verweisen, allerdings ist das nicht immer so einfach und eindeutig. Daher möchte ich hier eine Liste meiner Kochbücher zur Verfügung stellen.

Diese Liste wird immer wieder erweitert werden. Ich möchte nämlich gerne wenigstens ein paar Worte zu den einzelnen Büchern anfügen, da Aufbau, Hintergrund und Verwendungsmöglichkeiten ebenso wie die Qualität sehr unterschiedlich sind.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal sind die zur Verfügung gestellten Texte. Daher werde ich bei jedem Kochbuch folgende Kennzeichnungen angeben:

O für Originaltext
Ü für Übertragung ins heutige Deutsch
R für Rezept nach heute gültiger Notation (Mengenangaben, Kochzeiten etc.)

Dienstag, 22. Dezember 2015

Gepflegte Waffen

Es ist Folgendes: Gestern kam ein breitgebauter Weihnachtsgnom mit einem ganzen Paket voller Blankwaffen in mein Haus. Tolle Sachen! Dolchmesser und Essmesserklingen, ein Basilard und was für die Stange. Aber darum geht's heute gar nicht. Ich erwähne das nur weil ich das breite Grinsen im Moment nicht aus dem Gesicht krieg wenn ich blinkenden Stahl ansehe.

Das heutige Thema soll aber, angeregt von einer Diskussion auf Facebook zum Thema Messerschleifen, die mobile Waffenpflege des 14.Jahrhundert sein. Was also kann man so leicht mal mit schleppen um Scharten aus zu wetzen oder Klingen nach zu schärfen.

Mittwoch, 22. April 2015

Quellen des 14.Jahrhunderts - Literatur für die persönliche Ausstattung

Hallo zusammen! Auch wenn es tatsächlich eine Bilderhandschrift über Heilquellen Italiens im 14.Jahrhundert gibt, ist hiermit die Sammlung von Quellen für die Darstellung einer Person des 14.Jahrhunderts gemeint, konkret geht es heute um passende Literatur.

Bei mir hat sich im Laufe der Jahre ja so einiges an Büchern zu dem Thema angesammelt, daher möchte ich die für mich wichtigsten Buchquellen für die persönlichste, sprich die direkt getragene Ausrüstung, hier einmal offen legen:

Die mit (E) gekennzeichneten Bücher würde ich als Einsteigerlektüre für eine Darstellung empfehlen!

Die allerersten Schritte:

  • (1) Ulrich Lehnart, "Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik, 1150 - 1320" 
  • (2) Ulrich Lehnart, "Kleidung & Waffen der Spätgotik, Teil I: 1320 - 1370"
  • (3) Sarah Thursfield, Britta Nurmann, „Mittelalterliches Schneidern: Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht“

Kleidung: 

  • (4) Katrin Kania, „Kleidung im Mittelalter: Materialien - Konstruktion - Nähtechnik. Ein Handbuch“ (E)
  • (5) Else Ostergaard, „Woven Into the Earth: Textile Finds in Norse Greenland“
  • (6) Lilli Fransen, Anna Norgard, Else Ostergard  „Medieval Garments Reconstructed: Norse Clothing Patterns“
  • (7) Elisabeth Crowfoot, Frances Pritchard, Kay Staniland „Textiles and Clothing, C.1150-C.1450: Finds from Medieval Excavations in London „ (E)
  • (8) Margareta Nockert, „Bockstensmannen och Hans Drakt“
  • (9) Katrin Kania, „Übersehen-Verkannt-Vergessen – Die Gugel in Wort, Bild, Fund und Experiment“ 
  • (10) Stella Mary Newton, "Fashion in the Age of the Black Prince"
  • (10a) Jan Keupp,  "Die Wahl des Gewandes"

 

 Gürtel und Schmuck:

  • (11) Ilse Fingerlin, „Gürtel des hohen und späten Mittelalters“
  • (12) Stefan Krabath, „Die hoch- und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen: Eine archäologisch-kunsthistorische Untersuchung zu ihrer Herstellungstechnik, funktionalen und zeitlichen Bestimmung"
  • (13) Geoff Egan, Frances Pritchard, Susan Mitford, „Dress Accessories, C.1150-C.1450 Medieval Finds from Excavations in London“ (E)
  • (14) Monografie, „Der Schatzfund von Wiener Neustadt“
  • (15) Bernhard Prokisch, Thomas Kühtreiber, „Der Schatzfund von Fuchsenhof“
  • (16) Stefan Krabath, „Der Pritzwalker Schatzfund“
  • (17) Ross Whitehead „Buckles 1250-1800“
  • (18) Sven Ostritz, „Der Schatzfund: Analysen - Herstellungstechniken – Rekonstruktionen (Die mittelalterliche jüdische Kultur in Erfurt, Band 2)“
  • (19) Sven Ostritz, „Der Schatzfund Archäologie - Kunstgeschichte - Siedlungsgeschichte (Die mittelalterliche jüdische Kultur in Erfurt, Band 1)“
  • (20) Ronald W. Lightbown „Medieval European Jewelry“
  • (21) Annemarieke Willemsen, Marlieke Ernst, „Medieval Chic in Metal: Decorative Mounts on Belts and Purses from the Low Countries, 1300 – 1600“
  • (22) Annemarieke Willemsen, "Late medieval bling-bling"


Schuhe:

  • (23) Christiane Schnack, „Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig“
  • (24) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“ (E)
  • (25) Grew, Francis, de Neergaard, Margrethe, Mitford „Shoes and Pattens: Finds from Medieval Excavations in London“ 
  • (26) Stefan von der Heide, "Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen – Schuhe des Hoch- und Spätmittelalters"
  • (27) Quita Mould, Ian Carlisle, Esther Cameron, „Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York“
  • (28) Olaf Goubitz, Carol Van Driel-Murray, Willy Groenman-Van Waateringe , „Stepping Through Time: Archaeological Footwear from Prehistoric Times Until 1800“

Messer & Scheiden:

  • (29) Gerhard Holtmann, „Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern“ (--FREE--)
  • (30) Schneider, Hugo, „Waffen im Schweizerischen Landesmuseum Griffwaffen 1“
  • (31) J. Cowgill, M. De Neergaard, N. Griffiths, „Knives and Scabbards (Medieval Finds from Excavations in London)“ (E)
  • (32) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“
  • (33) Heinz Knorr, „Messer und Dolch - Eine Untersuchung zur mittelalterlichen Waffenkunde in gesellschaftlicher Sicht“
  • (34) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale Riemen Taschen und andere Objekte“
  • (35) Hilke Saggau, „Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig“
  • (36) Quita Mould, Ian Carlisle, Esther Cameron, „Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York“ (-- FREE--)
  • (37) Janne Harjula, "Sheaths, Scabbards and Grip Coverings: The Use of Leather for Portable Personal Objects in the 14th - 16th Century Turku"


Taschen:

  • (38) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale Riemen Taschen und andere Objekte“
  • (39) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“
  • (40) Geoff Egan, Frances Pritchard, Susan Mitford, „Dress Accessories, C.1150-C.1450 Medieval Finds from Excavations in London“
  • (41) Olaf Goubitz, „Purses in Pieces“

Allgemeines:

  • (42) Deutsche Burgenvereinigung, „Tric-Trac, Trense, Treichel: Untersuchungen zur Sachkultur des Adels im 13. und 14. Jahrhundert“

 

Hintergründe:

  • (43) Konrad Theiss, "Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300" (E)
  • (44) Harry Kühnel, "Alltag im Spätmittelalter"


Dienstag, 16. September 2014

Warum so grob?


Warum so grob?  Nein, das ist nicht die erste Reaktion auf mein letztes Facebook-Posting in dem unsaglichen Thread, wo mal wieder jemand in Unterkleid und Höllenfenstersucknei rumsteht und 13. Jahrhundert darstellen will.

Nein, das ist die Reaktion eines guten Freundes auf meinen letzten Dolchmesserartikel hier im Blog!

Warum also so grob? Hmm, ganz unrecht hat er ja nicht, auf den Bildern sieht die Klinge ja aus hätte sie ein auf einem Auge erblindeter Zyklop mit der schwächeren Hand geschmiedet.

Dienstag, 1. April 2014

Frisch vom Riemertisch VI

Es ist mal wieder soweit, ich habe wieder einen Gürtel fertig! Hussa! Bleiben noch 3 angefangene die auf die Fertigstellung warten.

Diesmal sollte es etwas Schlichtes werden, dass auch noch gut ins 13. Jahrhundert passt. Gewünscht war ein brauner, punzierter Ledergürtel mit Bortenstreckern. Und da fängt das Problem auch schon an: Meine Walnussbeize war ranzig/schimmlig/schlecht geworden und das wenige das ich noch verwerten konnte reichte nur für ein Milchkaffebraun. Ich hoffe der Kunde wirds mir nachsehen.

Umso mehr Mühe hab ich mir mit den Beschlägen gegeben und das mit dem Meißel eingeschlagene Kreuzmuster ist nicht nur recht zeitlos sondern auch echt schön geworden:


Sonntag, 16. Februar 2014

Almosen, Almosen .. bitte Almosen!

Ich fang mal wieder damit an wie alles begonnen hat, ok? Also ... für das erste Modul der IG 14 auf Burg Liechtenstein brauchen wir für die Besucher ein paar Stoffproben: Fischgrat, Diamantköper und natürlich den auch im Infoblatt erwähnten Seidendamast. Also hab ich dafür bei Sartor einen Seidendamast aus dem späten 13.Jhdt. bestellt, der noch am ehesten zu meiner Zeitstellung passte.

Mit dem Vorlegen eines Stoffmusters war es mir aber nicht getan, irgendetwas musste ich aus dem feinen Stöffchen natürlich auch machen, und da file mir nur eines ein: Ein Almosenbeutelchen!
 

Donnerstag, 6. Februar 2014

Gestatten? Niklas, Klaubholzsammler!

Es ist ja immer Gelegenheit für eine neue Darstellung ... und diese eine, neue hat besonders viel Spaß gemacht!

Wie schon angekündigt haben wir am letzten Wochenende eine Fotoserie im Schnee gemacht und natürlich war mir dafür ein entsprechender Anlass wichtig! Einfach sinnlos im Schnee rumzustehen macht im Blick auf die historische Realität ja wenig Sinn, also haben wir den ganzen Fototermin unter ein vertretbares, historisches Motto gestellt das richtig gut zur jetzigen Jahreszeit passt: Feuerholzbeschaffung!

Das mit dem Holz für Ofen und, meist offene, Feuerstelle in den Häusern des hochgotischen Wiens ist ja durch viele schlechte Mittelalterfilme schon recht schlecht beleuchtet. Da werden nämlich gewaltige Scheite in noch gewaltigeren Kaminen verbrannt, das man glaubt die wollen Erz verhütten.

In Wahrheit wurde das Haus des 14.Jahrhunderts mit Klaub- und Kleinholz beheizt, das sich im englischsprachigem Raum unter der Bezeichnung "Wood" zusammenfassen lässt. Wie bei vielen anderen Beispielen aus dem englischen Mittelalter findet sich nämlich eine Sprachdualität zwischen dem herrschaftlich gebrauchten Französisch und dem vom einfachen Volk verwendeten, angelsächsisch dominierten Englisch. In diesem Fall haben wir das germanischstämmige Wort "Wood" für alles Strauch- und Bruchholz dem gegenüber das wertvolle Bauholz, "Timber", steht, dessen Sprachwurzel im lateinisch-französischen liegt. Dies spiegelte sich auch in der Verwendung des Holzes wieder, denn "wood" war der einfachen Bevölkerung in der Verwendung erlaubt während "timber" mit herrschaftlichen Rechten belegt war.

Ähnliches ist im Hochmittelalter auch im Raum Wien zu beobachten, wo es, sprachlich zwar nicht so deutlich abgegrenzt auch zu einer unterschiedlichen Rechtsbehandlung der Holz"arten" kam. So war den Wiener Bürgern das Holzsammeln im Wienerwald erlaubt, während das Schlagen von Bauholz ohne herrschaftliche Genehmigung streng verboten war.

Erst mit dem Übergang vom 13. ins 14. Jahrhundert erkannten die Landesherrn die mögliche Einnahme Quelle des niederqualitativen Holzes, welches vorwiegend für Zaun- und Gerätebau und als Brennholz Verwendung fand, und begannen das Klaubholz unter ihre Kontrolle zu stellen. Von nun wurde es von Angehörigen der herrschaftlichen familia gesammelt um dann auf den Märkten in Wien verkauft zu werden. Dazu brauchte es natürlich entsprechende Arbeitskraft und so kommen wir zu ihm: Niklas, dem Klaubholzsammler!