Montag, 14. November 2016

God shave the queen

Also nach längerer pause soll es heute mal wieder um Messer gehen. Aber keine Angst ich zwirble nicht schon wieder irgendeine gewagte Plättchentechnik aus dem Ärmel sondern möchte mich hier mal mit dem Thema "Rasiermesser" (und in weiterer Folge der Kultur des Rasierens) auseinandersetzen.

Der Zugang zum Thema Rasur im Mittelalter, konkreter im Spätmittelalter und am konkretesten in der ersten Hälfte des 14.Jahrhundert ist nicht gerade einfach. Es gibt kaum Abbildungen die Männer bei der Rasur zeigen und die Textquellen geben zwar über das Rasieren und seine Abhaltung Auskunft erlauben aber keine Rückschlüsse auf das verwendete Messer.
Gerade deswegen sei mir mir ein Bild gestattet, und zwar aus dem Wolfenbüttler Sachsenspiegel der zwischen 1350 und 1360 entstanden ist: 

Bader oder Barbier um 1350
Barber around 1350, Sachsenspiegel

Der gute Mann, entweder ein Bader oder bereits ein spezialisierter Barbier/Scherknecht ist mit den Insignien seiner rasierenden Würde abgebildet, dem Rasiermesser und dem im zu Füßen liegenden Rasierbecken. Außerdem hat er noch ein Schwert ... das ist dann wohl für den ernstfall, also für Hipsterbärte gedacht.

Das Messer das er da (wohl in nicht ganz zart überzeichneter Übergröße) in den Klauen hält ist ein Rasiermesser alten Typs, wie man es auch bei früheren Abbildungen in mannigfaltiger Verwendung sieht. Eine Spezialisierung ist bei der Form nicht wirklich erkennbar.

Montag, 10. Oktober 2016

Der Becher mit dem Fächer

Also, ich mag Elche. Die schau'n immer so betropetzt aus. Aber gab es Elche in der Gotik? Ich kann die Elchfans da beruhigen: Es gab sie. In Skandinavien auf jeden Fall. Also ist der Kelch mit dem Elch schon mal belegt.

Portale gab es auch. Also keine Dimensionsverschiebungsdingsis in schillerndem Blauton sondern Kircheneingänge zum Beispiel. Damit können wir den Pokal mit dem Portal auch abhaken.

Wovon ich rede? Naja, ich hab so lange nicht gebloggt dass jetzt jede Menge raus muss. Und eine Sache ist das mit dem Hofnarren. Kennt den jeder? Danny Kaye? War ein Zeitgenosse von Errol Flynn. Aber gut. Den wollt ich ja nicht so gleich wieder hinter dem Ofen hervorholen. Bleiben wir also bei Danny Kay und Melvin Franks Meisterwerk "Der Hofnarr" aus 1955. Da sagte man schon so schön:

"We did research,
authenticity was a must!
Zooz, did we search.
And what did we find?
A lot of dust!"

Nun eindeutiger kann man die explizite Aufforderung zu quellenorientierter Arbeit wohl nicht formulieren. Wer will schon Danny Kaye widersprechen? Lediglich das etwas märchenmarkttaugliche Ende der Aussage lässt mich ein wenig an dieser Ikone meiner Jugend zweifeln. (Nein, ich seh zwar morgens so aus bin aber nicht 1945 geboren, aber die Filme gab es in den 80igern ständig im Fernsehen)

Donnerstag, 22. September 2016

Einfacher Dolch

Völlig fantasieloser Titel ohne Spaßfaktor für einen völlig uninspirierten Blogeintrag über einen Dolch:


Der hier gezeigte, einfache Dolch nimmt die Heftgestaltung des frühen 14. Jahrhunderts nach den Funden der Ostschweiz und setzt sie unspektakulär auf eine Stichklinge mit Mittelgrat. Die Schulterplatte aus Messing erfüllt einen rein funktionalen Zweck.

Montag, 19. September 2016

Ende g(H)ut, alle gut!!

Ich hab es ja unbedingt in meinem letzten Blogbeitrag (gibt's da eigentlich eine Szenwort dafür? Blogling? Blogerl?) vollmundig ankündigen müssen: einen Hutbeitrag! Also legen wir los:

Hüte sieht man auf Abbildungen bei Männern der erste Hälfte des 14.Jhdt. eigentlich immer. Na, fast immer. Auf jeden Fall oft. Und in sehr vielen der Immer-fast-oft-Fälle ist es der aus Film- und Fernsehen so bekannte Robin-Hood-Hut. Ein einfacher Hut mit runder Kalotte und hochgebogener Krempe im hinteren Bereich der dann vorne spitz zuläuft. Robin-Hoodig halt. So wie der richtige, coole "HaHa!" Robin Hood mit Errol Flynn jedenfalls. Nicht wie der peinliche Hutverweigerer Kevin Kostner oder der Freiheitsschwafler par excellence, Russel Crowe. Alles hutloses Pack.

Nein, Errol Flynn .. das war einer. Frauenheld, Trinker, Kettenraucher, Raufhansl und er war ... Hut? Ach ja, es geht um Hüte!

Voll der junge Errol Flynn, oder? Na gut der mittelalte ... aber immerhin

Donnerstag, 1. September 2016

Da! Es könnte möglicherweise unter Umständen vielleicht ...

Ich bin sicher, liebe Leser, ihr kennt das: Man such Belege und blättert Handschriften durch und .. findet nix. Also schreibt man in seinem Blog darüber. Was ohnehin schon schwierig ist, weil wie soll man über nix denn schon groß schreiben? (Natürlich kann man NIX auch groß schreiben, hat aber nix damit zu tun dass NIX auch groß nix bleibt)

Dann aber vergeht die Zeit und irgendwer postet aus völlig anderem Grund irgendein Bild .. und da ist es dann! Jubel brandet auf! Die Bauern jauchzen! Zwei Problemstellungen mit einem Bild erschlagen .. nur halt nicht ganz eindeutig. Ist es aber eh nie, oder?

 

Das Problem mit den Textilpanzern


Erst vor kurzem schrieb ich in meinen Wehrbürgerartikeln über die Ausstattung der Infanterie in der ersten Hälfte des 14.Jhdt. Bis Südtirol musste ich virtuell hatschen um Textilpanzer auf Abbildungen zu finden. Und dann kam dieses Bild:

Bildausschnitt aus einem Concordantiae caritatis (Lilienfeld, NÖ, 1349-1351)

"Textilpanzer? Wo? Und Wien ist das auch nicht?" rufen jetzt meine innere Stimme und die Skeptiker im Chor ... ach haltet doch die Klappe!
(Das ging vor allem an meine innere Stimme, mit meinen Skeptikern würd ich nie so reden *blumenstreuundschampuskaltstell*)

Immer hin ist Lilienfeld mit 60km Luftlinie schon mal besser als eine Burg im Trentin mit 690km Entfernung .. genau gesagt um 91,3% besser. Und ja, ich halte es tatsächlich für einen Textilpanzer und jetzt kommt auch das "Warum":

+ Die Farbe
Die Lilienfelder Handschrift hat eine erstaunliche Konsequenz was die Wiedergabe von Farben angeht. Leder ist sehr deutlich an seiner schwarzen Färbung zu erkennen, und zwar bei Schuhen, Taschen, Scheiden etc.. Ich hab hier schon mal was dazu geschrieben.
Auch bei der Darstellung von leinen kann man sich recht gut darauf verlassen dass es weiß bis eierschalenfarbig gemalt ist. Und genau das ist bei diesem Überrock der Fall!
Da aber die Überröcke in der Handschrift üblicherweise ebenso bunt sind wie die Kleidung ist das schon mal ein Indiz auf was Besonderes.

+ Die Zaddeln
Wer sich mit dieser Handschrift und Ähnlichen aus diesem Zeitraum und der ungefähren Region vertraut macht stellt schnell fest, dass man Zaddeln (dieses "zipfelartige Zeugs an den Säumen" für die die das Wort nicht kennen) eigentlich nur an Gugeln findet. Kleidungssäume zu zaddeln ist um 1350 voll nicht modisch. Außer ... bei Rüstzeug! Da dann aber überall .. an den Plattenröcken, den Waffenröcken und eben auch an Textilpanzern:

Zaddeln an Rüstzeug um 1350, Bilder aus Südtirol (links und ganz links), Westfalen (2.v.R.) und Frankreich (rechts)

+ Die Doppelnaht am Ärmel
Indizmäßig wird es da schon dünner, aber die Lilienfelderhandschrift zeigt in der Regel keine Ziernähte auf Kleidung. Es könnte sich daher um eine Konstruktionsnaht handeln wie sie am Übergang von klassisch verarbeiteter Textilbahn zu der bloß ausgeschnittenen Zaddelung manchmal zu sehen ist .. vor allem an Gugeln ist das auffällig oft auf der Fall.
Die Konstruktionsnaht könnte hier dazu genutzt worden sein um den stark gesteppten und somit schützenden Panzerungsbereich vom reinen Zierelement der Zaddeln abzugrenzen.

Natürlich spricht nicht alles dafür, dass wir da einen Textilpanzer sehen .. auch die Gegenargumente wollen wir uns kurz ansehen:

~ Die Knöpfe
Interessanterweise ist selten zu sehen wie Textilpanzer im frühen 14.Jhdt. geschlossen wurden, die meisten wirken wie Schlupfkleidung. Knöpfe sind sicher ein Möglichkeit, die sich aber auf den meisten Abbildungen, wenn überhaupt, dann nicht in der Deutlichkeit finden lassen. Knöpfe finden sich als Verschluss erst später in der 2.Hälfte des 14.Jhdts. die des Bild erst einleitet. Also plausibel, würd ich sagen.

- Die Steppnähte

Der Hauptzweifel besteht schließlich darin, dass keinerlei Steppnähte an der Kleidung zu erkennen sind obwohl wie oben angeführt sehr wohl Nähte gezeichnet wurden. Auch die anderen Abbildungen von Textilpanzern zeigen die Nähte in aller Deutlichkeit. Ein ziemliches Hammerargument gegen meine These ... und trotzdem neige ich dazu das Ganze immer noch als irgendeine Form von Rüstkleidung zu sehen. Eventuell aber als Unterzeug unter einem Ringpanzer. Ich bin da unschlüssig.

 

Das Problem mit Robin Hood 


Dazu will ich jetzt gar nicht viel sagen, denn ein Hood .. äh, Hut-Beitrag ist schon länger geplant. Nur soviel:

Man träumt schon als Kind von kecken, grünen Hütchen mit Feder dran um einmal zu sein wie Errol Flynn! (Schwerenöter, Alkoholiker und Kettenraucher? Na OK .. aber immerhin besser als Justin Bieber .. wie das schon klingt ...)

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis heute!"
Also eigentlich gestern! Aber der Beitrag ist von heute .. hmm ... ist jetzt blöd ... neuer Versuch:

"Und dann scheitert man am Beleg fürs Federchen ... bis zur Kalenderwoche 36/2016!"
Na gut, das klingt jetzt wieder irgendwie nach Justin Bieber .. nochmal?

Und dann schei ... Ach haltet doch die Klappe! Lang lebe Errol Flynn!

Freitag, 26. August 2016

Schilde hoch! Roter Alarm! Und gelber auch .. und weißer wenns das gibt ..

So, jetzt ist es soweit. Ich hab einen Schild. Zwar ist mein Schwert noch weit weg von der Fertigstellung, Scheide gibt's entsprechend auch noch keine .. aber einen Schild hab ich schon. 


Na gut, das sieht jetzt eher nach einem verunglückten Kandinsky aus, aber abwarten! Das wird noch. Versprochen!

Dienstag, 23. August 2016

HOW TO: Gürtelbleche oder "Wie bastel ich einen Mittelaltergürtel?"

Es ist soweit, ich mach ein How-To. Etwas das mir beruflich schon mehr als einmal einen Nervenzusammenbruch erspart hat wenn ich mal wieder irgendeinen Linuxserver etwas beibringen musste, das er so absolut nicht als seine Kernaufgabe akzeptieren wollte. Weil mich aber Computerbetriebssysteme zwar regelmäßig beschäftigen aber mein Bloginteresse nicht wirklich treffen, soll es um etwas gehen das einen Hobbynutzen hat.

Im heutigen Premieren-How-To patze ich also ein Beschreibung ins Netz in der es um  um einen einfachen Gürtel geht und ich will Schritt für Schritt zeigen wie man Schnallenblech und Riemenzunge anfertigt und montiert.

Dazu beginnen wir mit einer Übersicht was ihr dazu an Werkzeugen braucht. Ich hab dazu meine historischen Werkzeuge fotografiert, weil ich auch daheim am Esstisch damit arbeite. Man kann aber natürlich auch mit modernen Werkzeugen "substituieren" wenn man sich das ganze Klumpert nicht in Vorführungsqualität zulegen möchte. Entsprechende Hinweise werde ich bei den einzelnen Schritten angeben (wenn ich es nicht vergesse und es eurer Kreativität überlasse).