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Sonntag, 10. Januar 2016

Kochen und Rezepte


Einige haben ja vielleicht unsere "Tafelfreuden" verfolgt. Ich habe immer wieder versucht auf die Quellen der Rezepte zu verweisen, allerdings ist das nicht immer so einfach und eindeutig. Daher möchte ich hier eine Liste meiner Kochbücher zur Verfügung stellen.

Diese Liste wird immer wieder erweitert werden. Ich möchte nämlich gerne wenigstens ein paar Worte zu den einzelnen Büchern anfügen, da Aufbau, Hintergrund und Verwendungsmöglichkeiten ebenso wie die Qualität sehr unterschiedlich sind.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal sind die zur Verfügung gestellten Texte. Daher werde ich bei jedem Kochbuch folgende Kennzeichnungen angeben:

O für Originaltext
Ü für Übertragung ins heutige Deutsch
R für Rezept nach heute gültiger Notation (Mengenangaben, Kochzeiten etc.)

Donnerstag, 30. Juli 2015

Blancmanger und Fleischfladen


Noch etwas sollte ich zu unserem Speiseplan erwähnen: nicht nur die zeitliche Einordnung unserer Mahlzeiten in den Tagesablauf, auch die Auswahl der Speisen erhebt hier keinesfalls den Anspruch auf die perfekte Nachstellung eines historischen Tages. Einerseits wollten wir uns eben nach den Gegebenheiten richten und andererseits auch einmal eine möglichst abwechslungsreiche Palette an historischen Rezepten zeigen. Da wir die Zutaten außerdem erst vor Ort besorgt haben, mussten wir uns teilweise auch damit zufrieden geben, was zu bekommen war. Sicher hätte man durch eine ausgedehntere Einkaufstour vielleicht noch das ein oder andere Detail optimieren können. Aber schließlich waren wir nicht zum Shoppen hier, sondern zum Kochen!

 
Zum Frühstück:

Auch hier ist durch die vielfältige Auswahl an Getreiden zumindest in einem überschaubaren Rahmen Abwechslung möglich. Daher gab es Graupenbrei, wieder mit Milch und Wasser angesetzt. Gewürzt habe ich diesmal mit dem Poudre fine. Zum Verfeinern und Aufwerten standen Walnußkerne, Datteln, Trockenpflaumen, Apfelmus und Honig bereit.

Pflaumen, Datteln und Walnußkerne habe ich mir klein geschnitten und sie dann mit Apfelmus unter den Brei gerührt. Dies war rückblickend gesehen meine persönliche Lieblingsvariante.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Huhn am Spieß und Ragout

Am ersten vollen Tag unserer Bachritterburg-Belebung wollten wir gleich den frischen Tatendrang und die überbordende Motivation nutzen und haben uns Kopf über ins Geschehen gestürzt!

Zum Frühstück:

Nebst den "klassischen" Frühstückszutaten wie Brot, Butter, Honig, Wurst und Käse sollte es auf jeden Fall jeden Tag ein spezielles historisches Gericht schon am Morgen geben.


Die Frühaufsteher unter  uns haben demnach immer schon für Feuer gesorgt und der morgendliche Brei konnte angesetzt werden. Buchweizengrütze nach Habermus-Art sollte unser erster Versuch sein.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Die große Küchenschlacht 2015

oder: wie man 6 Mannsbilder, 8 Weiber und 4 Kinder 3 Tage lang bei Kräften hält!


Auch 2015 haben wir wieder einen Termin gefunden, an dem wir das Kochen nach historischen Rezepten so richtig ausleben können!

Im Juli auf der Bachritterburg/Kanzach in Deutschland haben es sich Doris und ich unter tatkräftiger Unterstützung unserer IG14-Mitglieder zur Aufgabe gemacht, für das leibliche Wohl zu sorgen.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Es grünt so grün!





Für unseren zweiten Probetermin hat Doris das folgende Menü zusammengestellt:

Grüne Eier
und
Ziegenkäseaufstrich

gebratene Fleischpastete
mit
 grüner Kräutersauce
auf
Fladenbrot

gebackene Mandelmilch
mit
grünen Quendelkeksen 
und 
Gewürztalern


Grüne Eier

Diese Speise war das wohl auffälligste Gericht in diesem Menü. Die Reaktionen der Besucher reichten von "sind die noch aus dem Mittelalter?" über "das sieht eigenartig aus!" bis zu weniger diplomatischen Reaktionen der Kinder. So ganz verdenken kann man es ihnen ja nicht!

Natürlich haben wir auch raten lassen, wie die Eier denn diese schöne Farbe bekommen könnten. Aber heiße Tipps waren keine dabei. Die Lösung: viel, sehr viel Petersilie! Gemischt mit Wein und Gewürzen bildet die Sauce die Basis für die Eier. Die gekochten und geschälten Eier werden dann über Nacht darin eingelegt und ziehen so schön durch.

Das Rezept dafür stammt aus "Lagerküche, Tatjana Junker". Die Grundlage dafür findet sich in einem Grazer Kochbuch aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert.

Fazit: eine optisch auffällige Vorspeise für die Tafel ganz in mittelalterlicher, bunter Manier. Und toll geschmeckt haben sie außerdem; dadurch dass sie über Nacht durchziehen müssen, sind sie sehr gut vorzubereiten.



Ziegenkäseaufstrich

Ursprünglich als "Ziegenkäse-Kräuterbällchen" geplant, wurde dann aus Zeitgründen daraus ein ganz toller Aufstrich! Mit Distelöl und Kräutern verfeinert und mit einer Kräuter-Blütenmischung bestreut war dies ein weiterer Farbtupfer auf unserer Tafel.

Trotz des doch recht ausgeprägten Ziegenkäse-Geschmacks - der ja bekanntlich nicht jedermanns Sache ist - war dieser Aufstrich vor allem bei unseren Kindern sehr beliebt!

Fazit: ebenfalls gut vorzubereiten und schnell gemacht; und wenn er nicht vorher aufgegessen wurde, dann hält er sich auch sehr gut!



Gebratene Fleischpastete mit Kräutersauce

Ebenfalls ein Rezept aus der "Lagerküche, Tatjana Junker" aber diesmal ohne konkreten historischen Hintergrund. Im Buch selbst wird diese Art Pastete als "Schüsselpastete" bezeichnet, da sie eben ohne Teig in einer feuerfesten Form gegart wird.

Doris hat sich für gemischtes Faschiertes und Kokosfett entschieden - die Variante mit dem Nierenfett wollten wir nicht gleich beim ersten Versuch ausprobieren!

Interessantes Detail: nach mehr als der halben Garzeit wird der Braten mit Essig und nochmals Gewürzen parfümiert.

Fazit: auch wieder sehr gut vorzubereiten; wir haben sie kalt mit der bereits bekannten grünen Kräutersauce auf Fladenbrot gegessen; übrig geblieben ist nichts.



Fladenbrote

Da für dieses Menü sozusagen "Braten mit Sauce" auf der Karte stand, wollten wir auch ausprobieren, ob sich das mit den Fladenbroten als Tellerersatz gut verträgt. Da ich noch relativ wenig Erfahrung damit hatte, habe ich nach einem Rezept gesucht, wo ich auf den ersten Blick das Gefühl hatte, dass es funktionieren könnte.

Fündig geworden bin ich im Internet auf http://www.lomion.de/Mittelalterrezepte/index.php. Eine ganz tolle Seite, die auch eine sehr ausgefeilte Suchfunktion (z.B. nach Regionen, Epochen oder Zutaten) bietet. Hier hat es mir dann das Finnische Fladenbrot angetan. Das Rezept ist sehr stimmig und funktioniert einwandfrei.

Fazit: unsere Brote waren noch etwas dick, da sie beim Backen dann doch noch ein wenig aufgegangen sind. Dadurch war es ein wenig schwierig sie als Tellerersatz zu verwenden. Mit noch einer Scheibe von der Pastete und der Kräutersauce darüber war es doch eine etwas dickere Angelegenheit. Aber auf jeden Fall vorstellbar! Ich denke, die werden wir sicher wieder machen!

Im Foto sind die Brote hier rechts zu sehen.



gebackene Mandelmilch

Da in unserer Gruppe nicht nur die Kinder kleine Schleckermäuler sind, brauchen wir natürlich immer auch etwas Süßes!

Wieder ging es darum, eine gut vorzubereitende Nachspeise zu finden und die "gebackene Mandelmilch" hat mich einfach neugierig gemacht. Das Rezept stammt wieder von www.lomion.de und ist offensichtlich im "Pleyn Delit, Constance B. Hieatt, Sharon Butler and Brenda Hosington" in moderner Form niedergeschrieben. Es gibt wohl auch eine historische Quelle dazu, allerdings liegt mir das Buch nicht vor und ich kann sie daher nicht wiedergeben.

Die Zubereitung war denkbar einfach. Und da Mandelmilch ja nun mittlerweile fast in jedem gut sortierten Supermarkt angeboten wird, habe ich mich nicht mit dem Mörsern von Mandeln aufgehalten. Wobei - ausprobieren möchte ich das schon noch einmal!

Das Rezept ergibt eine puddingähnliche Masse, die auch kalt genossen werden kann. Das Stürzen hat meine Mandelmilch leider nicht ganz so gut überstanden. Da sie dann auch noch für die Zeit der Vor- und Hauptspeise auf einem Brett in "Wartestellung" war, wäre sie uns auch fast davongelaufen... Daher gibt es leider kein Foto. Geschmeckt hat sie trotzdem!

Fazit: definitiv wiederholungsbedürftig! Auch wenn es manchen ein wenig zu "eierlastig" war.


grüne Quendelkekse

Da wir die meisten Rezepte ja zum ersten Mal ausprobieren, versuchen wir immer auch Speisen anzubieten, von denen wir wissen, dass sie gelingen und ankommen.

Die Quendelkekse - frei nach Hildegard von Bingen - sind da immer gut! Der Teig war diesmal zwar grüner als dann im gebackenen Zustand, aber vor allem die Kinder haben sie bis auf den letzten Krümel aufgegessen.

Da wie gesagt die Quendelkekse sozusagen Fixstarter sind, ich aber mit den bisher probierten Rezepten noch nicht so ganz zufrieden war, probiere ich nach wie vor auch neue Varianten. Diesmal war es ein Rezept von ORF Vorarlberg.

Ein Mürbteig aus Dinkelmehl, Butter, Rohrohrzucker, Eiern, Milch und geriebenen Mandeln wird mit dem Quendelpulver verfeinert. So gesehen also keine große Sache und ebenfalls gut vorzubereiten.

Gewürztaler nach der Heiligen Hildegard

Und wie das Leben so spielt, findet man natürlich bei der Rezeptsuche nicht immer nur konkret das, was man sucht, sondern auch viele andere interessante Dinge! Und das Rezept für diese Gewürztaler hat mich nicht losgelassen.

Ein geschlagener Butterteig aus Dinkelmehl, Eiern, gehackten Mandeln und Zucker wird mit einer typischen Gewürzmischung aus Zimt, Nelkenpulver und Muskat aromatisiert - also fast Weihnachten pur! Was meine Neugier und Experimentierfreude allerdings so richtig geweckt hat, war die Zugabe von gehackten Rosinen!

Und tatsächlich ergibt das Rezept eine ganz großartig fruchtige Alternative zu den eher trockenen Quendelkeksen. Aber am spannendsten war für mich die Blindverkostung mit meinem hauseigenen Rosinengegner!  Und siehe da: sie sind super angekommen!

Fazit: auch für Rosinengegner akzeptabel und einfach genau mein Geschmack! Diese Kekse werden definitiv zu "Weihnachts-must-haves". Oder vielleicht sogar auch mal für Zwischendurch, da sie recht wenig Aufwand machen.


Freitag, 18. Oktober 2013

Ein Menü mit Pasteten

Bitte zu Tisch auf der Burg Liechtenstein!



Unser erster Probetermin am 7. September 2012 und das gab es zur Stärkung:


Lombardische Hühnerfleischpasteten
und
Pasteten mit Pilz-Käse-Füllung

dazu eine aromatische Kräuter-Sauce
und Zimtsenf

als Nachtisch
Konkavelite

außerdem
 Zwetschkenkompott und Äpfel


Die große Herausforderung für diesen Termin bestand darin, etwas Feines zu servieren, das auch lauwarm oder gar kalt gegessen werden kann. Da wir noch keine Kochgelegenheit auf der Burg haben, galt es also zu überlegen, was gut vorbereitet werden kann.

Pasteten haben sich hier gleich angeboten, da sie auch gut portionierbar sind, und wir uns daher auch mit den Mengen ein bisschen leichter getan  haben.

Lombardische Hühnerfleischpasteten:

Dieses Rezept aus dem "Menagier de Paris" wurde in ebendieser Handschrift Ende des 14. Jahrhunderts in Frankreich niedergeschrieben. Ich habe die Rezepttranskription aus "Küchengeheimnisse des Mittelalters, Maggie Black" verwendet. Damit wir eben besser abschätzen können wieviel wir benötigen, habe ich kein ganzes Huhn genommen sondern ausgelöste, kleingeschnittene Hühnerbrust, die ich vorgegart habe. Mangels Verjus - eine Zutat, die unbedingt noch in unsere "Küche" aufgenommen werden muß - habe ich Zitronensaft verwendet. 

Fazit: sehr gut vorzubereiten; die Eiermasse, in die die Fleischteile getaucht werden, geht ein wenig unter; ein wenig mehr Speck hätte nicht geschadet

Überraschend: obwohl kein Salz verwendet wird, geht es - dank des Specks und des Zitronensafts - überhaupt nicht ab

Pasteten mit Pilz-Käsefülle:

Auch dieses Rezept stammt aus dem "Menagier de Paris" und wurde in den "Küchengeheimnissen des Mittelalters" von Maggie Black wiedergegeben. Da ich frühmorgens - wie im Original angegeben - nicht auch noch die Pilze dieser Nacht suchen gehen konnte, habe ich mich mit Champignons und Kräuterseitlingen begnügt.

Fazit: sehr gut vorzubereiten; mit frischen Eierschwammerl oder gar Steinpilzen sicher auch sehr gut!

Überraschend: obwohl kein Salz verwendet wird, geht es - hier dank des würzigen Käses - überhaupt nicht ab


Kräutersauce

Um die Pasteten dann noch direkt bei Tisch verfeinern zu können, hat Doris diese Kräutersauce mitgebracht. In "Küchengeheimnisse des Mittelalters" wird erwähnt, dass zum Beispiel zu Taube eine Sauce aus Petersilie etc. gereicht wurde. Doris hat sie frei interpretiert mit Essig und Honig verfeinert und damit wohl einen Fixpunkt für die Tafel der IG 14. Jahrhundert in Wien geschaffen! So konnte man die Pasteten noch nach eigenem Ermessen "nachwürzen".

Überraschend: Wir hatten fast zu wenig! Aber jetzt wissen wir ja, wie gut sie ankommt!


Zimt-Senf

Den Zimt-Senf haben wir sozusagen von der Bachritterburg importiert! Sebastian hat ihn dort frisch angesetzt und gekocht und er passt hervorragend zu jeder Art von Fleisch und auch toll zu den Pasteten! Durch den Zimt kommt eine ganz ungewohnte aber sehr stimmige Geschmackskomponente zum Senf!




Konkavelite

Der Name dieser Süßspeise gibt schon Rätsel auf! Zur Erklärung habe ich dieses Zitat aus der Studienarbiet von Saskya Olympio "Die Untersuchung mittelalterlicher Kochrezepte am Beispiel "Daz buoch von guoter spise"" gefunden:

"Konkavelite ist eine cremeartige Süßspeise, die man aus einer kleinen Schüssel isst, und wohl auf das Wort "concavum electum", was so viel wie auserlesene Schüssel bedeutet, zurück geht."

Und so sieht eine gelungene Konkavelite aus:




Und was verbirgt sich dahinter? Kirschmus, dass mit Semmelbröseln angedickt wird, damit es stockt. Agnes von den Wienische Hantwërcliute 1350 hat uns damit den Nachmittag versüßt.

Als Alternative gab es noch Äpfel und Zwetschkenkompott.

Und damit steht auch für die Zukunft eines fest: Verhungern werden wir auf der Burg Liechtenstein sicher nicht!

Fotos: C. Currelli