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Donnerstag, 26. Januar 2017

Buntes Schwarz

Kann sich noch wer an mein buntes Messer erinnern? Nein? Echt nicht? Na kommt schon .. das da? Na eben! Für das gut Stück gab es dann ja auch recht bald eine Messerscheide. Und dann hielt ich das Projekt für abgeschlossen. Allerdings hatten begeisterte Besucher und zuletzt auch mein Altersweitsichtigkeit geplagtes Ich einige Problem die schöne Ledergravur auf dem feschen Schwarz der Scheide zu erkennen.

Kurz und gut: Es war mir zu schlicht und ich hatte grad Zeit (während bei der Doppelscheide der Leim trocknete) und daher hab ich zum Pinsel gegriffen:


Und da das Messer ja schon recht bunt war hab ich auch bei der Scheidenbemalung nicht mit den Farbe gespart, vorwiegend Rot und Gelbtöne kamen da zur Anwendung:


Die winzigen Drachen in Schwarz auf schwarzen Grund zu bemalen stellte sich als Herausforderung dar, ist doch die ganze Messerscheide grad mal so dick wie mein Zeigefinger. Und meine Beine sind grau und meine Augen alt und krumm.

Trotzdem habe ich das (wie ich vor Eigenlob müffelnd gerade finde) ganz ordentlich hinbekommen. Das ganze Set hat jetzt etwas Edles. Understatement war ja nicht so die Sache in der Gotik:


Auch die Rückseite hat etwas Farbe abbekommen, aber natürlich der "Gotischen Schauseitentheorie" entsprechend in abgespeckter Form:


Mehr gibt es eigentlich auch gerade nicht zu sagen. Ich bin also fertig. Und lass die Bilder für sich sprechen.

Montag, 23. Januar 2017

Sich mit fremden Federn schmücken ...

... gehört im 14.Jahrhundert zwar eher zu den Ausnahmen, aber es ist schon sehr fesch. Über Federchen am Hut habe ich hier und hier schon ausführlicher geschrieben. Allerdings haben meine Betrachtungen seitdem noch ein paar Korrekturen erfahren. Deshalb geht es heute (schon wieder) um Hutfederm. Aber nicht um Errol Flynn. Echt nicht!

Sieht man sich die Bilder an, so erkennt man deutlich, dass auf den meisten davon recht lange,  bauschige Federn zu sehen sind.

Hutfedern aus Handschriften der des 14.Jahrhunderts (Venedig 1370, links und ganz links, Schweiz 1330, Neapel 1330)
(1) Feathers on hats (14th century). Left half from Venice (1370) then Switzerland (1330) and Naples (1330)

Die Federart zu identifizieren gelingt einem mit Hilfe dieser Bilder aber nicht. Ein Blick nach übermorgen und in die nicht all zu ferne Zukunft ist da allerdings etwas deutlicher:

Üppigere Hutfedern aus der Kunst des 14.Jahrhunderts (Österreich 1355, links, Frankreich 1400 und Norditalien 1380)
(2) More splendid feathers on hats. Left half from Austria (1355) then France (1400) and Northern Italy (1380)

Mittwoch, 18. Januar 2017

Na endlich!

.. werden manche vielleicht jetzt sagen. Andere werden sagen: "Wie bitte" oder einfach nur: "Häh??".

Jedenfalls mach ich jetzt meine Ankündigung war und poste unser allererstes Schmiedeprodukt auch hier im Blog:

Handgeschmiedete Sohleneisen nach einem Fund aus Schleswig
(1) Hand-forged crampons after a finding from Schleswig, Germany

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Freitag, 30. Dezember 2016

Die Feder ist mächtiger als das Schwert ...

Es ist mal wieder IG14-Basteltreffen. Und ich hab gebastelt. Vorher. Also bevor der französische Rotwein auf den Tisch kam. Dann hab ich aufgehört. Is besser so. Hab ich bei meinem Eisenhut gesehen ...

Bloggen kann man wohl auch wenn ein konzentriertes Rekonstruieren schon schwierig geworden ist. Denk ich mir. Wenn also der folgende Text keinerlei Sinn ergibt dann bitte ich das den Franzosen und ihre Weinkultur zuzuschreiben und nicht dem euch stets zugeneigten Autor.

Was ich unter anderem gemacht habe, war meinen Hut umzubauen. Warum? Genau kann ich mich da nicht erinnern im Moment! Nein, Scherz beiseite ... es liegt an der Feder. Federn, in meinem Fall, denn derzeit wohnt ja noch ein Teil Fasan und ein paar Prozent Pfau auf meinem Hut.


Freitag, 18. Oktober 2013

Ein Menü mit Pasteten

Bitte zu Tisch auf der Burg Liechtenstein!



Unser erster Probetermin am 7. September 2012 und das gab es zur Stärkung:


Lombardische Hühnerfleischpasteten
und
Pasteten mit Pilz-Käse-Füllung

dazu eine aromatische Kräuter-Sauce
und Zimtsenf

als Nachtisch
Konkavelite

außerdem
 Zwetschkenkompott und Äpfel


Die große Herausforderung für diesen Termin bestand darin, etwas Feines zu servieren, das auch lauwarm oder gar kalt gegessen werden kann. Da wir noch keine Kochgelegenheit auf der Burg haben, galt es also zu überlegen, was gut vorbereitet werden kann.

Pasteten haben sich hier gleich angeboten, da sie auch gut portionierbar sind, und wir uns daher auch mit den Mengen ein bisschen leichter getan  haben.

Lombardische Hühnerfleischpasteten:

Dieses Rezept aus dem "Menagier de Paris" wurde in ebendieser Handschrift Ende des 14. Jahrhunderts in Frankreich niedergeschrieben. Ich habe die Rezepttranskription aus "Küchengeheimnisse des Mittelalters, Maggie Black" verwendet. Damit wir eben besser abschätzen können wieviel wir benötigen, habe ich kein ganzes Huhn genommen sondern ausgelöste, kleingeschnittene Hühnerbrust, die ich vorgegart habe. Mangels Verjus - eine Zutat, die unbedingt noch in unsere "Küche" aufgenommen werden muß - habe ich Zitronensaft verwendet. 

Fazit: sehr gut vorzubereiten; die Eiermasse, in die die Fleischteile getaucht werden, geht ein wenig unter; ein wenig mehr Speck hätte nicht geschadet

Überraschend: obwohl kein Salz verwendet wird, geht es - dank des Specks und des Zitronensafts - überhaupt nicht ab

Pasteten mit Pilz-Käsefülle:

Auch dieses Rezept stammt aus dem "Menagier de Paris" und wurde in den "Küchengeheimnissen des Mittelalters" von Maggie Black wiedergegeben. Da ich frühmorgens - wie im Original angegeben - nicht auch noch die Pilze dieser Nacht suchen gehen konnte, habe ich mich mit Champignons und Kräuterseitlingen begnügt.

Fazit: sehr gut vorzubereiten; mit frischen Eierschwammerl oder gar Steinpilzen sicher auch sehr gut!

Überraschend: obwohl kein Salz verwendet wird, geht es - hier dank des würzigen Käses - überhaupt nicht ab


Kräutersauce

Um die Pasteten dann noch direkt bei Tisch verfeinern zu können, hat Doris diese Kräutersauce mitgebracht. In "Küchengeheimnisse des Mittelalters" wird erwähnt, dass zum Beispiel zu Taube eine Sauce aus Petersilie etc. gereicht wurde. Doris hat sie frei interpretiert mit Essig und Honig verfeinert und damit wohl einen Fixpunkt für die Tafel der IG 14. Jahrhundert in Wien geschaffen! So konnte man die Pasteten noch nach eigenem Ermessen "nachwürzen".

Überraschend: Wir hatten fast zu wenig! Aber jetzt wissen wir ja, wie gut sie ankommt!


Zimt-Senf

Den Zimt-Senf haben wir sozusagen von der Bachritterburg importiert! Sebastian hat ihn dort frisch angesetzt und gekocht und er passt hervorragend zu jeder Art von Fleisch und auch toll zu den Pasteten! Durch den Zimt kommt eine ganz ungewohnte aber sehr stimmige Geschmackskomponente zum Senf!




Konkavelite

Der Name dieser Süßspeise gibt schon Rätsel auf! Zur Erklärung habe ich dieses Zitat aus der Studienarbiet von Saskya Olympio "Die Untersuchung mittelalterlicher Kochrezepte am Beispiel "Daz buoch von guoter spise"" gefunden:

"Konkavelite ist eine cremeartige Süßspeise, die man aus einer kleinen Schüssel isst, und wohl auf das Wort "concavum electum", was so viel wie auserlesene Schüssel bedeutet, zurück geht."

Und so sieht eine gelungene Konkavelite aus:




Und was verbirgt sich dahinter? Kirschmus, dass mit Semmelbröseln angedickt wird, damit es stockt. Agnes von den Wienische Hantwërcliute 1350 hat uns damit den Nachmittag versüßt.

Als Alternative gab es noch Äpfel und Zwetschkenkompott.

Und damit steht auch für die Zukunft eines fest: Verhungern werden wir auf der Burg Liechtenstein sicher nicht!

Fotos: C. Currelli

Donnerstag, 20. Juni 2013

Schaut eine Frau auf die Waage und sagt ...

a) Oh, mein Gott!
b) Ui, ist die schön!
c) MEINE!

Wer jetzt einen Schenkelklopfer oder eine eindeutige Zweideutigkeit erwartet hat, muss leider enttäuscht werden. Frauenwitze sind nicht so mein Fall. Blondinenwitze übrigens auch nicht. Die sind ja angeblich alle wahr? Nein, keine Flachscherze!

Im vorliegenden Fall sind für Christina alle der drei obigen Antworten richtig. Bleibt nur zu hoffen, dass ich mit meiner Vorgabe der Antwortsätze richtig lag. So oder so, hier ist sie mal:


Vorlage für den Waggbalken ist ein Londonfund. (Ja, ich weiß, schon wieder! Und ja, ich weiß, es gibt auch Waagenbalkenfunde aus näheren Regionen. Das Schöne ist aber, an einem Waagbalken ist da kein großer Unterschied zu merken)

Wer Näheres über die Anfertigung der Waagschalen wissen möchte, ist herzlich eingeladen hier nachzulesen!

Für die Befestigung der Waagschalen an den Aufhängungen hab ich mich für S-Haken entschieden, sie sind genauso leicht zu fertigen wie Ringe haben aber den Vorteil sich nicht so leicht aufzubiegen:


Der Waagbalken hat an der Oberseite eine eingefeilte Kerbe in der der Waagenzeiger aus Buntmetallblech ruht. Der Balken ist durchbohrt und der Zeiger dann gegenvernietet worden. Im Zeiger selbst befindet sich ein ausgestanztes Loch, das die Niete für den Zeigerbügel aufnimmt.


Die Aufhängung schließlich ist aus einer verzwirnten Hanfschnur gemacht, für eine einfache Waage sollte das wohl reichen. Damit kann die gute Färberin jetzt darstellerisch ansprechend ihr Alaun und ihr Waid und ihre Disteln und das sonstige Unkraut einwägen. Jedenfalls wenn ich ihr dann die Gewichte dafür gemacht habe ..