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Mittwoch, 14. November 2018

Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 5

 ... und endlich geht's ans Eingemachte: Hardware! Sprich .. es gibt Bilder schöner Männer (na gut, eines leidlich ansehnlichen Mannes) in lustigen Helmen zu sehen!

Der Teil des Wehrbürgerwesens auf den wir heute eingehen wollen ist in Teil III beschrieben, es handelt sich dabei um die üblichen Wach- und Streifendienste die ein Handwerksmeister (egal wie schön) laut Stadtrecht zu leisten hatte. Da sich auch die meisten Primärquellen in dem vorhergehenden Artikelteil befinden werde ich immer wieder auf diesen verweisen.

Und wieder mal gilt mein Dank der Bachritterburg Kanzach wo diese Aufnahmen entstanden sind.

Abb. 1: Scho wieder Togdienst ... in dera Hitz! So a Schas!

Our english speaking guests will find a summary of the text at the end of the article below

Mittwoch, 14. Juni 2017

Niklas der Zechmeister - ein Rekonstruktionsversuch

Prost! Zechmeister klingt ja schwer nach Alkoholiker. Ist es aber nicht, denn in der Tat hießen die "Zünfte" im Wien um 1350 nämlich "Zechen". Und einen Vorsteher so einer Zeche möchte ich mit meinem neuen Rekonstruktionsversuch einer hochgotischen Alltagskleidung angehen.

(1) Wohlhabender Wiener Handwerker um 1350
A wealthy viennese Craftsman aorund 1350

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article 

Mittwoch, 22. April 2015

Quellen des 14.Jahrhunderts - Literatur für die persönliche Ausstattung

Hallo zusammen! Auch wenn es tatsächlich eine Bilderhandschrift über Heilquellen Italiens im 14.Jahrhundert gibt, ist hiermit die Sammlung von Quellen für die Darstellung einer Person des 14.Jahrhunderts gemeint, konkret geht es heute um passende Literatur.

Bei mir hat sich im Laufe der Jahre ja so einiges an Büchern zu dem Thema angesammelt, daher möchte ich die für mich wichtigsten Buchquellen für die persönlichste, sprich die direkt getragene Ausrüstung, hier einmal offen legen:

Die mit (E) gekennzeichneten Bücher würde ich als Einsteigerlektüre für eine Darstellung empfehlen!

Die allerersten Schritte:

  • (1) Ulrich Lehnart, "Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik, 1150 - 1320" 
  • (2) Ulrich Lehnart, "Kleidung & Waffen der Spätgotik, Teil I: 1320 - 1370"
  • (3) Sarah Thursfield, Britta Nurmann, „Mittelalterliches Schneidern: Historische Alltagskleidung zwischen 1200-1500 selbst gemacht“

Kleidung: 

  • (4) Katrin Kania, „Kleidung im Mittelalter: Materialien - Konstruktion - Nähtechnik. Ein Handbuch“ (E)
  • (5) Else Ostergaard, „Woven Into the Earth: Textile Finds in Norse Greenland“
  • (6) Lilli Fransen, Anna Norgard, Else Ostergard  „Medieval Garments Reconstructed: Norse Clothing Patterns“
  • (7) Elisabeth Crowfoot, Frances Pritchard, Kay Staniland „Textiles and Clothing, C.1150-C.1450: Finds from Medieval Excavations in London „ (E)
  • (8) Margareta Nockert, „Bockstensmannen och Hans Drakt“
  • (9) Katrin Kania, „Übersehen-Verkannt-Vergessen – Die Gugel in Wort, Bild, Fund und Experiment“ 
  • (10) Stella Mary Newton, "Fashion in the Age of the Black Prince"
  • (10a) Jan Keupp,  "Die Wahl des Gewandes"

 

 Gürtel und Schmuck:

  • (11) Ilse Fingerlin, „Gürtel des hohen und späten Mittelalters“
  • (12) Stefan Krabath, „Die hoch- und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen: Eine archäologisch-kunsthistorische Untersuchung zu ihrer Herstellungstechnik, funktionalen und zeitlichen Bestimmung"
  • (13) Geoff Egan, Frances Pritchard, Susan Mitford, „Dress Accessories, C.1150-C.1450 Medieval Finds from Excavations in London“ (E)
  • (14) Monografie, „Der Schatzfund von Wiener Neustadt“
  • (15) Bernhard Prokisch, Thomas Kühtreiber, „Der Schatzfund von Fuchsenhof“
  • (16) Stefan Krabath, „Der Pritzwalker Schatzfund“
  • (17) Ross Whitehead „Buckles 1250-1800“
  • (18) Sven Ostritz, „Der Schatzfund: Analysen - Herstellungstechniken – Rekonstruktionen (Die mittelalterliche jüdische Kultur in Erfurt, Band 2)“
  • (19) Sven Ostritz, „Der Schatzfund Archäologie - Kunstgeschichte - Siedlungsgeschichte (Die mittelalterliche jüdische Kultur in Erfurt, Band 1)“
  • (20) Ronald W. Lightbown „Medieval European Jewelry“
  • (21) Annemarieke Willemsen, Marlieke Ernst, „Medieval Chic in Metal: Decorative Mounts on Belts and Purses from the Low Countries, 1300 – 1600“
  • (22) Annemarieke Willemsen, "Late medieval bling-bling"


Schuhe:

  • (23) Christiane Schnack, „Die mittelalterlichen Schuhe aus Schleswig“
  • (24) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“ (E)
  • (25) Grew, Francis, de Neergaard, Margrethe, Mitford „Shoes and Pattens: Finds from Medieval Excavations in London“ 
  • (26) Stefan von der Heide, "Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen – Schuhe des Hoch- und Spätmittelalters"
  • (27) Quita Mould, Ian Carlisle, Esther Cameron, „Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York“
  • (28) Olaf Goubitz, Carol Van Driel-Murray, Willy Groenman-Van Waateringe , „Stepping Through Time: Archaeological Footwear from Prehistoric Times Until 1800“

Messer & Scheiden:

  • (29) Gerhard Holtmann, „Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern“ (--FREE--)
  • (30) Schneider, Hugo, „Waffen im Schweizerischen Landesmuseum Griffwaffen 1“
  • (31) J. Cowgill, M. De Neergaard, N. Griffiths, „Knives and Scabbards (Medieval Finds from Excavations in London)“ (E)
  • (32) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“
  • (33) Heinz Knorr, „Messer und Dolch - Eine Untersuchung zur mittelalterlichen Waffenkunde in gesellschaftlicher Sicht“
  • (34) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale Riemen Taschen und andere Objekte“
  • (35) Hilke Saggau, „Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig“
  • (36) Quita Mould, Ian Carlisle, Esther Cameron, „Leather and Leatherworking in Anglo-Scandinavian and Medieval York“ (-- FREE--)
  • (37) Janne Harjula, "Sheaths, Scabbards and Grip Coverings: The Use of Leather for Portable Personal Objects in the 14th - 16th Century Turku"


Taschen:

  • (38) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Schleswig - Futterale Riemen Taschen und andere Objekte“
  • (39) Christiane Schnack, „Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz“
  • (40) Geoff Egan, Frances Pritchard, Susan Mitford, „Dress Accessories, C.1150-C.1450 Medieval Finds from Excavations in London“
  • (41) Olaf Goubitz, „Purses in Pieces“

Allgemeines:

  • (42) Deutsche Burgenvereinigung, „Tric-Trac, Trense, Treichel: Untersuchungen zur Sachkultur des Adels im 13. und 14. Jahrhundert“

 

Hintergründe:

  • (43) Konrad Theiss, "Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300" (E)
  • (44) Harry Kühnel, "Alltag im Spätmittelalter"


Donnerstag, 6. Februar 2014

Gestatten? Niklas, Klaubholzsammler!

Es ist ja immer Gelegenheit für eine neue Darstellung ... und diese eine, neue hat besonders viel Spaß gemacht!

Wie schon angekündigt haben wir am letzten Wochenende eine Fotoserie im Schnee gemacht und natürlich war mir dafür ein entsprechender Anlass wichtig! Einfach sinnlos im Schnee rumzustehen macht im Blick auf die historische Realität ja wenig Sinn, also haben wir den ganzen Fototermin unter ein vertretbares, historisches Motto gestellt das richtig gut zur jetzigen Jahreszeit passt: Feuerholzbeschaffung!

Das mit dem Holz für Ofen und, meist offene, Feuerstelle in den Häusern des hochgotischen Wiens ist ja durch viele schlechte Mittelalterfilme schon recht schlecht beleuchtet. Da werden nämlich gewaltige Scheite in noch gewaltigeren Kaminen verbrannt, das man glaubt die wollen Erz verhütten.

In Wahrheit wurde das Haus des 14.Jahrhunderts mit Klaub- und Kleinholz beheizt, das sich im englischsprachigem Raum unter der Bezeichnung "Wood" zusammenfassen lässt. Wie bei vielen anderen Beispielen aus dem englischen Mittelalter findet sich nämlich eine Sprachdualität zwischen dem herrschaftlich gebrauchten Französisch und dem vom einfachen Volk verwendeten, angelsächsisch dominierten Englisch. In diesem Fall haben wir das germanischstämmige Wort "Wood" für alles Strauch- und Bruchholz dem gegenüber das wertvolle Bauholz, "Timber", steht, dessen Sprachwurzel im lateinisch-französischen liegt. Dies spiegelte sich auch in der Verwendung des Holzes wieder, denn "wood" war der einfachen Bevölkerung in der Verwendung erlaubt während "timber" mit herrschaftlichen Rechten belegt war.

Ähnliches ist im Hochmittelalter auch im Raum Wien zu beobachten, wo es, sprachlich zwar nicht so deutlich abgegrenzt auch zu einer unterschiedlichen Rechtsbehandlung der Holz"arten" kam. So war den Wiener Bürgern das Holzsammeln im Wienerwald erlaubt, während das Schlagen von Bauholz ohne herrschaftliche Genehmigung streng verboten war.

Erst mit dem Übergang vom 13. ins 14. Jahrhundert erkannten die Landesherrn die mögliche Einnahme Quelle des niederqualitativen Holzes, welches vorwiegend für Zaun- und Gerätebau und als Brennholz Verwendung fand, und begannen das Klaubholz unter ihre Kontrolle zu stellen. Von nun wurde es von Angehörigen der herrschaftlichen familia gesammelt um dann auf den Märkten in Wien verkauft zu werden. Dazu brauchte es natürlich entsprechende Arbeitskraft und so kommen wir zu ihm: Niklas, dem Klaubholzsammler!

Freitag, 6. Dezember 2013

Fundstück der Woche IL

Einen schönen Nikolaus euch allen! Das Fundstück um das es geht befasst sich allerdings weder mit dem Tagesheiligen noch mit meinem Namenstag sondern mit etwas, das sich aus einer der unzähligen Facebook-Diskussionen der letzten Wochen ergeben hat.

HRMPF! ..ab hier wirds etwas themaabweichend. Wer gerne zum Fundstück will, kann ab dem nächsten HRMPF weiterlesen! 

Ich muss ja gestehen: Ich mag Facebook nicht! Ich nutze es, weil es ein hinlänglich brauchbares Medium ist um mit Freunden und Hobbykameraden in einer Art Kontakt zu bleiben und hin und wieder ergibt sich doch auch tatsächlich eine fachlich anregende Diskussion .. die meiste Zeit aber ist es ein mühsamer Kampf gegen die Windmühlen der Ignoranz und Unfhöflichkeit der M(ärchen)&A(benteuer)-Szene.

Geprägt ist dieses ewige gefecht durch ortographisch lausige Beiträge selbsternannter Szenegrößen und das völlig Fehlen von Interpunktion und Groß/Kleinschreibung .. sehr ermüdend! Warum mach ich es dann eigentlich, das fragen mich viele Freunde. Tja, weil unter den 100 unbelehrbaren Fuzzels jedesmal Eine (oder Einer) dabei ist, die sich tatsächlich für Geschichte, Archäologie oder Realienkunde interessiert. Und diese eine begeisterte Seele überlass ich nicht freiwillig den Spinnern und Lügenbolden des Fantasymittelalters! Niemels! Nicht solange ich noch die Tastatur bedienen kann!

HRMPF

So genug ereifert .. ich werde oben eine Anmerkung einfügen! Und jetzt gehts los:

Diese Diskussion drehte sich um das Thema Bettler und da ich Debatten immer wieder gerne mit Belegen unterzimmere, machte ich mich zwischen meinen polemischen und bös-kritischen Beiträgen auf die Suche .. und fand das:



Das Bild hatte ich schon beim ersten Durchsehen der Smithfield Decretals (British Library Royal 10 E. IV, fol. 110, c. 1340) entdeckt und in meiner Bildsammlung abgespeichert, aber was machte mich darauf aufmerksam? Nun es ist eine der wenigen mir bekannten Darstellungen aus der Hochgotik die geflickte Kleidung zeigt! Und zar wirklich Flicken, nicht die sonst ikonographisch für Bettler stehende, völlig unreal groblöchrige Kleidung. Ein Bettler, soweit war es mir klar und das hatte ich im Hinterkopf als es in Facebook um Bildbelege ging. Was für mich da noch nicht von Bedeutung war, war die erwähnte Zuordnung des armen Kerls zu den "Blinden".

Was das Bild für mich besonders macht, ist die Tatsache, dass der Bettler zwar abgenutzte und reparierte Kleidung trägt, diese aber einen zur Entstehungszeit absolut hochmodische Löffelärmel zeigt. Ei gutes Beispiel für die textlixh gut belegbare Weitergabe von alten Kleidungsstücken die Ständpyramide nach unten. Irgendein modisch geprägter Wohlhabender hat da seinen abgetragenen Überkittel vielleicht einem Bediensteten geschenkt? Der wiedrum trug ihn vielleicht bis das gute Stück arg fadenscheinig war und gab ihn dann vielleicht als Kleideralmosen an unseren Bettler? Belegbar ist diese Weitergabekette natürlich im konkreten Fall nicht, aber sehr gut möglich.


Jedenfalls, nach "Abgabe" dieses Bild in der Diskussion suchte ich weiter und da einer meiner Suchschritte mich stets zur Seite der großartigen Karen Larsdatter führt, fand ich dort heraus, dass es keinen dirketen Eintrag zu "beggar" gab, ich jedoch zu einer Seite über "Blindheit" weiterkam.

Dort fand ich dann das:



Auch hier wird die Figur als "Blinder" bezeichnet dem in diesem Fall durch Christus Heilung wiederfährt. Bettlermäßig brachte mich das Bild nicht voran .. aber dann wurde mir schlagartig etwas klar. Zwei Bilder von Blinden aus dem selben Zeitraum und beide hatten nicht nur den Stock den man bei einem Blinden wohl erwarten kann, sondern auch noch ... einen Hund!

Ein Hund als Attribut eines Blinden! Erstaunlich, oder? Wir sprechen ja nicht vom 3. Jahrtausend im dem Blindenhunde zum Alltag vieler Blinden gehören, sondern vom 14. Jahrhundert .. und selbst da versahen diese braven Tiere scheinbar schon ihren unschätzbaren Dienst! Bravo sag ich! Ein Hoch auf den besten Freund des Menschen!

Und ein weiteres sag ich noch .. "Die waren echt nicht dumm damals!"


Montag, 4. Juni 2012

EINSTEIGER III - Wo krieg' ich das ?


Nun kommen wir also zum Beschaffungsartikel, für alle Kauflustigen sicher der schönste Teil der Einsteigerserie. Für diejenigen die eher unter Geldmangel leiden mag es schmerzhafter werden, aber, naja, da muss man durch.

Heutzutage ist es eigentlich schon recht einfach geworden, sich eine Anfangsausstattung zuzulegen, die meisten Dinge sind schon in brauchbarer Qualität zu kaufen. Selbermachen muss in der Basisversion eigentlich nur mehr der, der 1.) Geld sparen und/oder 2.) einfach gerne selber basteln will. Gerade 2.) ist aber eigentlich schon fast eine Grundvoraussetzung für eine illustre Karriere als Geschichtsdarsteller.

Ich gehe jetzt einfach mal salopp davon aus, dass die passende Literatur vorliegt, die Luxuskörper vermessen sind und schon die ersten Schnittvorlagen entwickelt und zu Papier gebracht worden sind.
Wir kommen also zu Punkt 1 unseres Einkaufszettels:

Stoffe - für bruoch, hosen, pfait und kitel sowie der Frauen Kopfbedeckung:
Kleidung besteht nun mal aus Stoff, also muss dieser beschafft werden. Es kommen in unserem Fall natürlich nur reine Naturstoffe in Frage und da die Farbgebung beim Pflanzenfärben eine deutlich andere (und auch deutlich schönere) ist als bei der chemischen Färbung wollen wir uns auf diese Art von Textilien beschränken. Dafür gibt es einige Möglichkeiten:

Wamdmalerei aus Konstanz, ca. 1320

- Naturtuche
führt Leinen, Seide und Wolle in allen erdenklichen Qualitäten für die spätere Pflanzenfärbung
- Färbehof
Der Name ist Programm, pflanzengefärbte Woll- und Seidenstoffe in verschiedenen Qualitäten.
Da wir von einer einfachen Darstellung ausgehen, würde ich bei Stoffen mit Einfachfärbung bleiben
- Bockscher Handwerksladen
Auch hier ein paar pflanzengefärbte Stoffe, ein großer Vorteil ist, daß man Renata Bock immer wieder mal auf Märkten antrifft oder selbst im Laden vorbeischauen kann. Außerdem bietet Renata ein spezielles Service an, das bei weitem nicht alltäglich aber für extreme Textillegastheniker schon recht nett ist: Sie näht mittelalterliche Kleidungsrekonstruktionen als Auftragsarbeit. Alles in Handnaht, Maßnehmen und Zuschnitt, pflanzengefärbte Stoffe und somit wenig bis gar kein Aufwand, allerdings natürlich auch eine Kostenfrage !

Bei der Stoffbestellung bitte auch auf die entsprechenden Garne achten, irgendwie muss man den Stoff ja auch zusammenkriegen. Außerdem wird das Garn auch für die nestel benötigt !

Bildquelle: www.manesse.de

Gürtel - der rieme:
Beim Gürtel ist gemäß der einfachen Darstellungslinie auch ein einfaches Modell zu wählen. Gürtel sind eigentlich auch etwas das mit gewissem Arbeitsaufwand selber gemacht werden kann, aber da man dafür Materialien aus verschiedensten Quellen, gute Fachliteratur und auch das entsprechende Werkzeug braucht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt dazu noch einen eigenen Artikel schreiben. Wir bleiben daher vorerst beim Kauf:
- Lorifactor
Die Polen bieten auch recht einfache Modelle ohne aufwändige Punzierungen oder vielen Beschlägen, also genau das Richtige für die einfache Darstellung. Die angegebenen Datierungen sind eigentlich recht zuverlässig. Da ich meine Gürtel selbst baue, kann ich leider keine Erfahrungen aus erster Hand weitergeben, aber auf den Bildern sehen die Stücke gut aus.
- Tod's Stuff
Der Name wird euch in Laufe der Jahre in der Darstellungsszene immer wieder unterkommen, da gibt es an persönlicher Ausrüstung eigentlich so gut wie alles. Ein echtes Eurograb, oder, in dem Fall, Pfund. ;-)
Ich habe eine Armbrust von ihm und kann sagen: "Der Mann ist gut !"

Fresco von A. Lorenzetti, ca. 1338-1340
Schuhe - die schuohe
Man sollte es nicht glauben, aber bei der Darstellung sind Schuhe eigentlich das größte Problem. Wirklich gute Wendeschuhe in erstklassiger Verarbeitung sind dünner gesät als man glauben würde.
- Meister Knieriem
Maßschuhe in Topverarbeitung, Schuhe die wie eine 2. Haut passen, echt zum schwärmerischen Niederknien .. aber auch mit dem entsprechenden Preis. Hier muss man nur noch die Qual der Wahl erdulden und sich ein schönes, einfaches Modell oder für Selbstbastler einen Bausatz aussuchen. Absolute Kaufempfehlung von mir !
- cp-Schuhe
Christian Pohen bietet zwar auch eine Luxus-Lederwaren-Serie, aber interessant dürfte hier eher die W-Wendeschuh Kategorie sein, billiger als Knieriem - sowohl im Preis als auch der Machart. Für Einsteiger und deren erste Saison OK würde ich sagen.

Stecknadeln für die Frau - nâdele
Kurz gesagt, entweder Messingdraht aus dem Baumarkt und selbst machen,oder ..
- Reenactors

Zu guter Letzt - der hût
Beim letzten Punkt auf unserer Liste wird nochmal interessant, gute Filzhüte sind rar.
Auf fast jedem "Mittelaltermarkt" (also diesen Kostümveranstaltungen, die viel mit Rapunzel aber wenig mit der namensgebenden, historischen Epoche zu tun haben) steht irgendwo ein Stand mit Filzwaren herum. Ebenso auf den meisten Weihnachtsmärkten. Einfach ein entsprechendes Bild aus IMAREAL ausdrucken, mitnehmen und die Leute um das entsprechende Modell fragen. Bestellen.
Bezahlen. Lieferung abwarten. Fertig. Wenn es schnell ein neuer Hut werden soll, geht zur Not auch ..
- Vehi Mercatus 

So, damit wären wir mit dem virtuellen Einkaufsrausch auch schon durch, jetzt bleibt nur noch ...
... bleibt meinem Blog gewogen, es werden noch viele Detailartikel für EINSTEIGER folgen
... Viel Glück beim Schneidern und Werken
... wir sehen uns demnächst im 14.Jahrhundert

Mittwoch, 30. Mai 2012

EINSTEIGER II - Was brauch' ich ?

Was braucht man jetzt eigentlich für eine ernsthafte Geschichtsdarstellung ?

Klarerweise zuerst mal ein Trinkhorn und mindestens 3 Blankwaffen variabler Länge. Oder doch nicht ?

Was man wirklich braucht, ist fürs Erste mal gar nicht so leicht aufzulisten, obwohl ... da wäre mal das Wichtigste, ein ernsthaftes Interesse an Geschichte !
Ein gesundes Maß an Willen zur Weiterbildung ist auch nötig, gepaart mit Leselust und der nötigen Hartnäckigkeit auch mal ein paar Tage nach einem bestimmten Bild oder Beleg zu suchen.
Dann wäre da die Geduld, gerade bei längeren Projekten unverzichtbar, und noch die Bereitschaft sich selbst und sein Wirken und Werken ständig zu hinterfragen.
Ebenso sollte man bereit sein, selbst liebstgewonnene Ausstattung oder Vorstellungen jederzeit über Bord zu werfen, immer wieder stößt man gleich nach der Fertigstellung eines Stückes gleich mal auf einen widersprechenden Beleg.
Dazu kommen dann noch ein gewisses Maß an gezügelter Phantasie, genug um fundierte Interpretationen und Rekonstruktionen hinzukriegen ohne geistig  in der Welt der Märchen und Abenteuer zu verschwinden. Handwerkliches Geschick ist auch ganz praktisch, immer wieder wird man für seine Rekonstruktion selbst Hand anlegen wollen oder müssen.
Aber auch die berühmten 2 linken Hände sind in der Darstellerszene natürlich willkommen, man kann fehlendes Geschick auch gut mit anderen nützlichen Eigenschaften wie Recherchekunst, Belesenheit oder sozialen Talenten substituieren.

Vermutlich ließe sich dieser Text noch eine ganze Weile fortsetzen, aber bevor wir uns völlig in philosophischen Betrachtungen verlieren, zurück zu Handfestem !

Was brauche ich denn um die eigene Person optisch aus dem 21. Jahrhundert zu holen und ins Jahr 1340 zu bringen ?

Wir gehen wie schon in EINSTEIGER - Auf in die Hochgotik ! erwähnt einmal von den einfachen, städtischen Ständen des Diensthandwerks oder einer niederen Handwerksdarstellung aus und kommen zu Folgendem:



Für den Mann minimal benötigte Ausstattung, in kursiv der mittelhochdeutsche Begriff:

- bruoch 
eine knielange, leinene,  zur Unterkleidung gehörende Hose, dient auch zur Befestigung der Beinlinge
- hosen
aus Wolle bestehende Beinkleider mit integriertem Fußteil (Beinlinge), an der brouch zu befestigen
- nestel
geflochtene, gewebte oder lederne Bänder zum Verbinden von hosen und bruoch, auch mit metallenen Spitzen versehen
- pfait
das knielange, langärmlige Hemd aus Leinen, ebenfalls Teil der Unterkleidung
- kitel
knielanger, langärmliger Kittel aus Wolle, Teil der Oberbekleidung
- rieme
ein einfacher Gürtel mit Schnalle und Riemenzunge
- hût 
Kopfbedeckung aus Filz
- schuohe
wendegenähte Schuhe aus Rindsleder

 
Für die Frau würde die Minimalliste so aussehen:

- hosen
aus Wolle bestehende, knielange Beinkleider mit integriertem Fußteil (Strümpfe)
- nestel
geflochtene, gewebte oder lederne Bänder zum Binden der Strümpfe unter dem Knie
- pfait
knöchellanges, langärmliges Hemd aus Leinen, ebenfalls Teil der Unterkleidung
- kitel
knöchellanges, langärmliges Kleid aus Wolle, Teil der Oberbekleidung
- rieme
ein einfacher Gürtel mit Schnalle und Riemenzunge
- wimpel, bezel mit gebende oder rise
verschiedene Varianten eines leinenen Kopftuchs 
- nâdele
für den Schleier in Verbindung mit gebende oder rise sind einfache Nadeln zum Stecken nötig
- schuohe
wendegenähte Schuhe aus Rindsleder

Wer jetzt schon mal gern mehr Details zu den einzelnen Kleidungsstücken sucht, sei gleich mal wieder auf die Einsteigerliteraturliste verwiesen.

Zur Qualität und der Farbgebung gäbe es jetzt ebenfalls noch eine Menge zu sagen, ich will mich hier aber auch wieder kurz fassen.
Für alle mit Leinen angegebenen Kleidungsstücke ist naturfarbenes oder mild gebleichtes Leinen in Leinwandbindung die richtige Wahl, bei der Wolle entweder naturfarbenes (weiß, grau, braun) oder einfach pflanzengefärbtes (krapprot, waidblau) Wolltuch in Köperbindung. Beim Leder gilt es zu vegetabil gegerbtem Rindsleder zu greifen.

Genaueres zu den Farben und zur Pflanzenfärbung im Allgemeinen findet man, mal wieder, in schöner Ausführlichkeit bei den Wienischen Hantwercliuten 1350.

So, und wo soll man das alles her kriegen ? Nur Geduld, die Geldbörse mal beiseite gelegt und die Finger wieder über dem Bauch verschränkt, im 3.Teil der EINSTEIGER-Serie wird darauf näher eingegangen.