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Dienstag, 28. August 2018

Schärfe in Scheiben – Messerhefte in Plättchentechnik

Ab wann ist ein Messer ein Messer? Schon seit dem Anbeginn der menschlichen Kultur sind einfachste Werkzeuge aus Stein zu Klingen geformt worden. Man kann jedoch bei diesen rudimentären Objekten noch nicht wirklich von „Messer“ sprechen. Zum Messer wird ein Objekt erst, wenn es zwei voneinander klar getrennte und deutlich unterscheidbare Bereiche hat: einen Klingenteil (auch Blatt genannt), der für das Schneiden zuständig ist und einen Griffteil (auch als Heft bezeichnet), welchen die Hand umfassen kann.

Von dieser Grundannahme ausgehend wollen wir nun die Tafel- und Essmesser des 14. Jahrhunderts, im Besonderen jene, die in der so genannten Plättchentechnik gefertigte Hefte aufweisen, einer näheren Betrachtung unterziehen. Beginnen wollen wir dieses Thema, indem wir uns ein wenig mit der Terminologie beschäftigen, die in weiterer Folge für diese Arbeit relevant sein wird.
Messer wurden beinahe das ganze Mittelalter hindurch vorwiegend als Griffangelmesser ausgeführt. (siehe Abb. 1). Dabei ist der später das Messerheft tragende Teil als meist im Querschnitt vierkantiger Dorn ausgeführt. Erst das Ende des 14. Jahrhunderts erlebt eine grundlegende Stiländerung, als die Griffangel als Heftträger von der bis dato nur sehr spärlich eingesetzten Griffplattentechnik ersetzt wird.

Abb. 1: Grundlegende Messertypen des Mittelalters - Griffangelmesser und Griffplattenmesser

Während das Thema dieses Beitrags, die Plättchentechnik, das Vorhandensein einer Griffangel voraussetzt, möchte ich trotzdem kurz die Griffplattentechnik ansprechen, da diese dem modernen Menschen in Form der heutigen Jagd- oder Küchenmesser wohl vertraut ist.

Warum der Formenwandel von Griffangel zur Griffplatte gegen Ende des 14. Jahrhunderts nämlich genau erfolgt, obwohl die Griffplattentechnik nachweislich auch vor 1400 schon bekannt war, ist bis heute unklar. Die Unterschiede sind deutlich, denn während weiterhin nahezu die gleichen Materialien verarbeitet werden können, ist die Griffplattenkonstruktion auf eine völlig andere Formensprache ausgerichtet, die dem modernen Menschen sehr vertraut vorkommt und sich vom 15.Jahrhundert bis in die Gegenwart nahtlos fortsetzen lässt. (Abb. 2)

Abb.2: Grundsätzliche Formenunterschiede in der Heftgestaltung - Griffangelmesser und Griffplattenmesser

So weisen zum Beispiel die „Baselard“ genannten Dolche und Dolchmesser des frühen 14.Jahrhunderts bereits Hefte in Griffplattentechnik auf, obwohl die Griffangeltechnik sowohl bei den meisten Arbeits- und Tafelmessern als auch bei den ebenfalls zur zeitgenössischen Seitenbewaffnung gehörenden Schwertern weiterhin die übliche Methode bei der Heftkonstruktion war. (siehe Abb.3)

Eine denkbare Theorie für die Verwendung dieser Konstruktionsform (die vor allem im Waffenbereich von Vorteil ist) könnte die nötige Stabilität der Waffe in Verbindung mit sinkenden Stahlpreisen in Verbindung bringen.

Gerade die Rohstoffpreise sanken im Laufe des Spätmittelalters enorm was eine Weiterführung der Griffplattentechnik im 15.Jahrhundert in allen Bereichen durchaus erlaubt hat.

Abb.3: Replik eines Baselard (Dolch) nach Funden aus der Ostschweiz, mit Griffplatten aus Rinderknochen

Dolche, aber auch die nur einseitig scharf geschliffenen Dolchmesser dieser Art, sind schon seit etwa 1300 archäologisch im Fundgut nachzuweisen. Bildquellen zeigen hingegen erst ab 1330-1350 regelmäßig die mit Griffschalen versehenen Seitenwaffen.

Ambrogio Lorenzetti, 1338, Fresko "von der guten Regierung", Siena
 
Wie bereits gesagt, bleibt die Griffangelkonstruktion aber im Bereich der Tafelmesser bis weit in das 14.Jahrhundert der absolute Standard der Messermacherei. Und genau dieser Konstruktionsmethode wollen wir uns jetzt auch endgültig zuwenden.

Die Konstruktion eines Heftes bei Vorhandensein einer Griffangel folgt einfachsten Prinzipien. Die Angel wird als Dorn genutzt, der von einem, meist hölzernen, Griff aufgenommen wird (Abb. 4.1). Messer dieser Art sind archäologisch in ganz Europa gut nachweisbar.

Eine Weiterentwicklung der einfachsten Bauform ergibt sich, wenn zwischen Griff und Klinge noch eine zusätzliche Platte gesetzt wird, die so genannte Schulterplatte. Diese Platte hatte anfangs wohl vorwiegend zweckdienliche Gründe, denn ein vor das Heft gesetztes Plättchen aus robustem Material wie Eisen, Buntmetallen oder Knochen verhindert, dass die Klinge bei heftigerem Hantieren mit der Klingenspitze in den Holzkörper des Heftes gedrückt wird und diesen spaltet. (Abb.4.2)

Abb.4 Konstruktionsweisen von Griffangelmessern – Steckangelheft (1 + 2) und Durchgangsangelheft (3)

Der absolute Großteil der in der Regel ohne Griffstück bei Grabungen zu Tage tretenden Klingen dürfte in diesen beiden einfachen Konstruktionsweisen (Steckangelhefte mit und ohne Schulterplatte, Abb. 4.1 und 4.2) gefertigt worden sein da die sehr geringen Angellängen der meisten Funde keinen anderen Schluss zulassen.

Bei der dritten gezeigten Variante, dem Durchgangsangelheft, wird der Griff dann vollständig über die Angel geschoben und das versehentlich Abziehen des Griffes durch eine am Ende der Angel gesetzte Endplatte verhindert. Diese Endplatte wird mit dem Angelende vernietet, sprich die durch die Endplatte reichende Angel wird unter Hammerschlägen aufgepilzt und fixiert. (siehe Detail der Endplatte in Abb. 4.3)

Messer mit Durchgangsangelheften (Abb. 4.3) sind historische betrachtet gut nachweisbar, aber wie erwähnt eindeutig als Minderheit zu sehen. Vermutlich führte der höhere Materialaufwand bei den dafür benötigten, langen Angeln dazu dass die Klingenschmiede die einfachere und billigere Steckangelvariante bevorzugt fertigten. Erst gegen Ende der Hauptperiode des Griffangelmessers werden belegbare Durchgangsangelhefte häufiger. Der zusätzliche Materialaufwand scheint in Richtung der Entwicklung der Griffplattentechnik auf Grund der verbesserten Eisen- und Stahlerzeugung und den damit verbundenen niedrigeren Rohstoffpreisen keine Rolle mehr gespielt zu haben.

Schon im Frühmittelalter führte dann der Wunsch der Konsumenten nach Zierrat und Luxus recht schnell dazu, dass diese grundlegenden Konstruktionsweisen erweitert wurden. Betrachten wir zuerst die Gruppe der Steckangelmesser.

Bei dieser zahlenmäßig größten Gruppe wurde die anfangs simple und rein zweckmäßige Schulterplatte nun auch dekorativ gestaltet. Sie wurde unter anderem mit Schnitzverzierungen, Tauschierungen (Einlegetechnik von Bunt- der Edelmetallen in metallene Oberflächen) oder Gravuren versehen, man fügte zusätzliche Plättchen hinzu, setzte neue Materialien ein, und der „scheibchenweise“ Aufbau der Messerhefte in Plättchentechnik kam in Mode.

Die Plättchentechnik lässt sich so definieren: Durch die Anordnung verschiedener Scheiben, Bleche oder Zylinder aus unterschiedlichsten Materialien in Verbindung mit einem Heftkörper wird ein Messergriff gebildet. Alle Elemente, ob nun funktionell oder mit reinem Ziercharakter, werden mit Löchern versehen und auf die Angel aufgeschoben. Sie werden bei Steckangeln durch das Aufbrennen und Aufschlagen des hölzernen Hefts fixiert. (Abb.5)

Da die verwendeten Plättchen in der Regel aus hartem und manchmal auch sprödem Material bestehen, wurden zwischen die Lagen zu meist Zwischenlagen aus Leder gesetzt um durch dessen Dämpfungseigenschaft die Plättchen beim Fixieren fester aneinander pressen zu können. Gleichzeitig schützte die Reibung die die Zwischenlage bietet die benachbarten Plättchen vor einem Verdrehen auf der Angel.

Abb.5 Terminologie der Plättchentechnik bei Steckangelmessern

Wie schon zuvor bemerkt wurde diese Technik auch noch im 14.Jahrhundert angewandt. Als Plättchengrundstoff kam jetzt eine Vielzahl an unterschiedlichen Materialien zum Einsatz. Durch Funde belegt sind unter anderem die Metalle und Metalllegierungen Eisen, Silber, Bronze und Messing als Schulterplatten sowie Zinn oder Blei als Dekorationslagen in den Plättchenpaketen. Als Schulterplattenmaterial ist aber zum Beispiel auch Horn oder Rinderknochen belegbar, beides Materialien, die sowohl zierenden als auch funktionellen Charakter aufweisen.

Abb.6 Replik eines Essmessers in Steckangelbauweise, mit Schulterplatte aus schwarzem Horn

Die Materialpalette, die man in Plättchenpaketen einsetzte, war noch deutlich größer. Zusätzlich zu Eisen, Buntmetallen, Blei, Silber und Zinn sowie Horn, Geweih und Knochen kamen exotische Stoffe wie Bernstein, Gagat, Halbedelsteine wie Bergkristall oder Lapislazuli oder auch Koralle zum Einsatz.
Hier besteht eine starke Parallele zu der auch in der mittelalterlichen Paternosterherstellung (Paternoster = Vater unser = Vorläufer des modernen Rosenkranzes) eingesetzten Werkstoffen.
Der das Heft abschließende Heftkörper war bei allen mir bekannten Exemplaren aus Holz. In der Regel verwendete man dafür kurzfaserige und harte Hölzer wie Buchsbaum oder Ahorn. Gerade Buchsbaum war, wie die Funde zeigen, während der gesamten Periode des Mittelalters in weiten Teilen Europas das bei weitem beliebteste Griffholz für Ess- und Tafelmesser.

Erhaltene Exemplare von Messern aus aufwändig zu verarbeitenden und teuren Materialien finden sich unter anderem im Fundkomplex des Klosters Hiddensee in Stralsund, wo Gagat und Bernstein eingesetzt wurden, oder bei einem späteren Exemplar aus der Wiener Hof-, Jagd- und Rüstkammer, bei dem man Bergkristall und feuervergoldetes Silber verarbeitet hat. Ein Beispiel welch dekorative Wirkung eine solche Verarbeitung damals und heute haben konnte, zeigt die folgende Abbildung.

Abb.7 Replik eines Steckangelmessers mit Plättchenpaket aus Messing, Rinderknochen und Bernstein

Ergänzte man nun das bisher Benannte um die Bauform der Durchgangsangelkonstruktion, so ergaben sich weitere Möglichkeiten der Dekoration, wie Exemplare aus dem Spätmittelalter eindrucksvoll beweisen. Denn anders als bei der Steckangelbauweise ist bei Durchgangsangeln der Einsatz eines hölzernen Heftkörpers nicht länger zwingend erforderlich, um die Elemente auf der Angel zu fixieren. Vielmehr erfolgt hier die Heftbildung durch das Vernieten der Endplatte mit der Angel selbst:

Abb.8 Terminologie der Plättchentechnik bei Griffangelmessern

Somit wurde es möglich die Plättchentechnik entscheidend zu erweitern und eines oder mehrere Zwischenpakete auf dem Messerheft anzuordnen. Der eigentliche (meist hölzerne) Heftkörper trat dabei in den Hintergrund und hatte keinen rein funktionalen Charakter mehr. (Abb.9) Exemplare, die in dieser Bauweise gefertigt wurden, finden sich unter anderem bei den Dolchmessern des späten 13.Jahrhunderts aus der Ostschweiz, bei dem Messer aus Stralsund, einigen Exemplaren aus London, aber auch schon bei einem karolingischen Exemplar aus dem 8./9.Jhdt. aus einem Gräberfeld in der Oberpfalz.

Abb.9 Replik eines Durchgangsangelmessers aus Messing, Knochen und Heftkörper aus Buchsbaum

Es konnte bei dieser Konstruktionsweise sogar ganz auf den Werkstoff Holz als Heftkörper verzichtet werden und eine gewissermaßen „reine“ Plättchentechnik zur Anwendung kommen. Bei dem Messer mit Bergkristallgriff aus der Wiener Hof-, Jagd- und Rüstkammer ist dies Beispielsweise der Fall. Somit war es möglich für vermögende Kunden auch ausschließlich mit teuren und exotischen Materialien zu arbeiten. Hierzu möchte ich noch ein Beispiel aus dem Replikenbereich zeigen:

Abb.10 Replik eines Durchgangsangelmessers aus Messing, Knochen, schwarzem Horn Türkis und Koralle

Zusammenfassend sei gesagt, dass die Plättchentechnik wohl aus der Notwendigkeit geboren wurde, aber durch ihren dekorativen Charakter sehr rasch zu großer Wertschätzung kam. Verschiedenste Konstruktionsformen und Ansätze erlaubten dem mittelalterlichen Messerer also eine breite Palette an Kundenwünschen zu erfüllen – vom bäuerlichen Arbeitsmesser bis hin zum Tafelmesser des Adels – Stück für Stück, Scheibchen für Scheibchen.


Verwendete und weiterführende Literatur:
  • Schneider, Waffen im Schweizerischen Landesmuseum , Bd.1: Griffwaffen (Zürich 1980)
  • Holtmann, Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern, (Göttingen 1994)
  • Cowgill, de Neergaard, Griffiths, Knives and Scabbards (Medieval Finds from Excavations in London:1), Boydell & Brewer/Museum of London (2008)
  • Knorr, Messer und Dolch: eine Untersuchung zur mittelalterlichen Waffenkunde in gesellschaftskritischer Sicht, Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam Bd. 6 (1971)
  • Saggau, Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971-1975. Ausgrabungen in Schleswig: Berichte und Studien 14 (Neumünster 2000).

Montag, 13. Februar 2017

The Bony Lady

Hargh und immer Wasser unter dem Kiel, ihr Bugschweine! Ich mach ab jetzt "Piraten"! Oder ... eher nicht. "Bony Lady" ist daher nicht der freibeuterische Name einer schnuckeligen Brig mit der ich durch die Karibik schippere sondern (mal wieder) ein Hinweis. Auf (mal wieder) ein Messer! Und damit ist dann auch schon die "Katze aus dem Sack" und es kann mit einem Bild losgehen:

Rekonstruktion eines spätmittelalterliches Essmessers mit figürlichem Griff
(1) Reconstruction of a late medival eating knive with carved handle

Donnerstag, 26. Januar 2017

Buntes Schwarz

Kann sich noch wer an mein buntes Messer erinnern? Nein? Echt nicht? Na kommt schon .. das da? Na eben! Für das gut Stück gab es dann ja auch recht bald eine Messerscheide. Und dann hielt ich das Projekt für abgeschlossen. Allerdings hatten begeisterte Besucher und zuletzt auch mein Altersweitsichtigkeit geplagtes Ich einige Problem die schöne Ledergravur auf dem feschen Schwarz der Scheide zu erkennen.

Kurz und gut: Es war mir zu schlicht und ich hatte grad Zeit (während bei der Doppelscheide der Leim trocknete) und daher hab ich zum Pinsel gegriffen:


Und da das Messer ja schon recht bunt war hab ich auch bei der Scheidenbemalung nicht mit den Farbe gespart, vorwiegend Rot und Gelbtöne kamen da zur Anwendung:


Die winzigen Drachen in Schwarz auf schwarzen Grund zu bemalen stellte sich als Herausforderung dar, ist doch die ganze Messerscheide grad mal so dick wie mein Zeigefinger. Und meine Beine sind grau und meine Augen alt und krumm.

Trotzdem habe ich das (wie ich vor Eigenlob müffelnd gerade finde) ganz ordentlich hinbekommen. Das ganze Set hat jetzt etwas Edles. Understatement war ja nicht so die Sache in der Gotik:


Auch die Rückseite hat etwas Farbe abbekommen, aber natürlich der "Gotischen Schauseitentheorie" entsprechend in abgespeckter Form:


Mehr gibt es eigentlich auch gerade nicht zu sagen. Ich bin also fertig. Und lass die Bilder für sich sprechen.

Mittwoch, 6. Juli 2016

Es ist zum Weinen ...

.. wenn man den inneren Zwang hat Blogartikel mit einem Wortscherz, meist einem flachen, zu beginnen. Deshalb versuch ich mir das ab jetzt abzugewöhnen und werde sachlich:

Neue Messer sind entstanden und weil mir danach war habe ich, immer noch inspiriert vom Vertiefen in die Geschichte Wiens in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts und beeinflusst vom Wunsch der neuen Besitzerin des dicken Dings (Nein, ich hab keine neue Ehefrau .. und ich bin nicht dick! Nicht richtig zu mindestens), das Thema "Wein" für die Messer aufgegriffen.

Und nein, wie man sieht sind es keine Rebmesser wie dieses hier, sondern Messer die sich scheidendekoristisch mit dem Thema Wein auseinandersetzen. Das erste davon soll ein Küchenmesser für eine Freundin sein die sich das 12.Jahrhundert auf das Pennon geschrieben hat. Das zweite Messer hingegen ist mein eigenes und wird, Widerstand ist zwecklos, dem Kollektiv hinzugefügt.

Zwei mittelalterliche Messer - ein romanisches Küchenmesser (oben) und ein hochgotisches Essmesser (rechts unten)


Samstag, 12. März 2016

In die Scheide? Igitt!

"Er steckt das Schwert in die Scheide? Igitt!" Tja, so sagte meine große Tochter einst vor einem Jahrzehnt und bevor sie zum fingerschlaufenwebenden und wolleauchbeihitze tragenden Darstellerkind mutierte. Und immer wenn ich mich als Teilzeitscheidenmacher betätige muss ich an ihr entsetztes Gesicht denken das mich mit ungläubgen Kinderaugen ansieht. Jetzt springt sie gerade wild durchs Haus weil die beste Freundin (BFF nennt sich das heute) einen Freund hat. Früher war war alles besser!

Dienstag, 1. März 2016

Der Tauschhandel hat immer Saison

Ja, so ist es! Was ich alleine in letzter Zeit alles eintauschen konnte: Nähnadeln gegen Küchentücher, frühmittelalterlicher Messer  gegen spätmittelalterlichen Stangenwaffenschaft und, und darauf bin ich besonders stolz: Essmesser gegen handgewebten Wollstoff nach Fund und Abbildung.


Montag, 1. Februar 2016

Manesseessmesser

Manesseessmesser! Was für ein schönes Wort, so viele E's und S'es. Aber warum? Als nicht warum so viele gleiche Buchstaben, weil das sich ja aus dem zusammengesetzten Hauptwort ergibt, sondern warum Manesse und Essmesser? Ganz einfach: Die gedachte Zeitperiode für den Messereinsatz ist um 1300, das Motiv soll liebevoll sein und irgendwie romantisch. Also Manesse!

Für die Wenigen unter uns die jetzt mit dem Begriff "Manesse" nicht all zu viel anzufangen wissen:
"Manesse" ist die saloppe Kurzform für die "Manessische Liederhandschrift" oder "Codex Manesse", eine um 1300 begonnene und in Zürich entstandene Liederhandschrift. Damit ist es eine Sammlung mittelhochdeutscher Dichtkunst, ergänzt durch eine große Anzahl von Illustrationen historisch bedeutender Persönlichkeiten. Heute wär das wohl so was wie ein CD-Textbooklet mit "Bunte"-Beilage ... in etwa.


Dienstag, 17. November 2015

Ich gehör‘ zum alten Eisen

Echt jetzt! Jedesmal wenn ich seh wie meine 13-Jährige eine Kletterwand raufhüpft zwickt mich die Leiste, knarzt das Kreuz und kracht das Knie. Und wenn sie dann die schlafende 7-Jährige rauf trägt in deren Bett dann schnauf ich seufzend (Kann man seufzend schnaufen?) hinterher.
Aber eigentlich soll es hier ja gar nicht um mein armseliges Jammern gehen sondern um altes Eisen! Denn das war ein Thema bei meinem letzten Versuch noch näher an DAS historische Messer schlechthin heranzukommen.


Wenn man sich metallurgische Analysen von Messer- und Scherenklingen des 14.Jahrhunderts mal genauer ansieht, stellt man schnell fest wie selten wirklich guter Stahl selbst im Spätmittelalter noch gewesen sein muss. Diese Tatsache und die gewünschten Eigenschaften die ein gutes Messer mit sich bringen sollte (einerseits gut zu schärfen, die Schärfe lange halten und weich genug um nicht zu brechen) führten neben der im Gebrauchsmesserbereich eher seltenen Verwendung von wärmebehandelten Monostählen zum Einsatz zweier verschiedenen Metallqualitäten. Die meisten Messer aus den Themsefunden in London sind dieser Gruppe zuzuordnen und auch Holtmann spricht in seinen Untersuchungen zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern von den Ergebnissen osteuropäischer Untersuchungen welche ein ähnliches Bild zeichnen.

Daher war mein Ziel einmal mit derartig konstruierten Klingen zu arbeiten wohl für jeden historischen Messerenthusiasten nachvollziehbar. Und tatsächlich fand ich in Jannis Scholz von Xerxes-Knives einen geeigneten Partner für die Herstellung von Messerklingen nach meinen Vorgaben.

Und weil ich wirklich so nah wie nur irgendwie möglich an eine historische Klingenqualität heran wollte bot Jannis an auch historische Metalle zu verwenden. Fand ich gut.
Unter seiner kundigen Hand entstand dann die Klinge dieses Messers in einer Herstellungstechnik bei dem die zukünftige Schneide aus kohlenstoffreichem, hartem und gut schärfbarem Stahl in praktisch reinem Eisen eingeschlagen und feuerverschweißt wird. Dadurch bleibt der „Messerkörper“ weich und bruchsicher und ist ebenso wie die Angel sehr angenehm zu bohren, zu feilen und zu nieten.

Hier ist der Übergang der zwei Stähle mit der Schweißlinie gut zu erkennen

Kurz gesagt, ein echter Spaß damit zu arbeiten. Und weil die Begeisterung mit mir durchging setzte ich gleich eine, an einem Messer der Londonfunde vorgefundene, Verzierungstechnik um. Dabei wird die Klinge knapp unter dem Rücken vollständig durchbohrt, mit Buntmetalleinsätzen versehen und diese dann durch Hammerschläge aufgetrieben so dass sie sich fest mit der Klinge verbinden. Nach dem Überfeilen werden die eingelegten Messingscheiben dann noch verziert. In meinem Fall mit einem Punktmuster.


Für das Heft griff ich auf die in meinem Blog schon bis zur Ermüdungsgrenze beschriebene Plättchentechnik zurück. Schulter- und Endplatte machte ich aus einem massiven Stück alten Eisens dass Jannis mir mitgeschickt hatte und die Zwischenplättchen aus einem Eisenblech dass noch in der Werkstatt herumlag. Für die eigentliche Griffgestaltung entschied ich mich für schwarzes Horn, weil ich bei meinem letzten Messer irgendwie auf den Geschmack gekommen war.


Die grundsätzliche Form des Hefts ist von den üblichen Messerabbildungen „meiner“ Zeit geprägt und nimmt die klingenseitig stark abgesetzten Messerformen der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts vorweg (die allerdings in den Bildquellen auch in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts stark vertreten sind) während die Griffformmethodik mit der klassischen Plättchentechnik noch der in der ersten Hälfte des verankert ist.



Und somit bleibt mir neben der Freude über das neue Messer nur mehr die Rückkehr zu den Raunzphasen des Textbeginns ... Gott bin ich alt. Und .. aach ja ... ist es DAS Messer geworden? Hmm, keine Ahnung fragt mich nach dem Nächsten.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Beliebt bei den Frauen?

Bei dieser Fragestellung geht es natürlich nicht um meine Person, auch wenn ich mir der liebevollen Zuneigung gewisser Damen (die vorwiegend mit mir verwandt oder verheiratet) sind sicher sein kann.

Tatsächlich geht es mal wieder um Messer! Darf ich ja jetzt auch, hab schließlich mal wieder einen Gürtel gemacht.

Viele die gerne ein Messer von mir möchten sind Frauen und auch wenn man den Anteil derer wegrechnet die ihre Männer damit beschenken bleibt ein erstaunlicher Anteil über. Erstaunlich ist jetzt natürlich so gar nicht Gender, also: Viele Frauen mögen Messer!

Schlimmer allerdings als höfliche Anfragen zum Messerbau sind die Frauen der eigenen Sippe. Den kaum hat man(n) sich ein neues Messer gebaut, kommen Groß- und Klein-Niklasinen (vor allem die Kleinen!)  herangesprungen und rufen "Ichwillaucheins! Machmireins!"
(Man beachte hierbei das Fehlen von leerzeichen, sprich Luftholpausen und die Abwesenheit von "Oh, bitte Herr Papa sei doch so lieb ..")

Also macht man, denn knuffige Kindergesichter sind ein besserer Ansporn als alles andere:


Montag, 2. Juni 2014

Niklas der Girdler - ein Rekonstruktionsversuch

So, lange Zeit ohne neuen Beitrag .. jetzt ist Schluss damit! Also nicht Schluss mit dem Blog natürlich sondern Schluss mit der Schaffenspause. Und der richtige Anlass dafür ist die Fotoserie die wir am Wochenende von meiner fertigen (oder theoretisch fertigen, denn fertig ist man in dem Hobby nie mit etwas) Darstellung meines Wiener Handwerksmeisters um 1340 machen konnten. Also Auftritt ...

Niklas der Girdler, auch genannt Niklas Hufenbauer, ein Gürtlermeister aus dem hochgotischen Wien


Dienstag, 24. Juli 2012

Geht noch was aus Knochen? .. Klar!

Nachdem ich wie schon ein paar Mal erwähnt gerade in meiner Knochenverarbeitungsphase bin (hier oder hier und dann noch hier), einfach mal ein weiteres Stück das zu meinen absoluten Lieblingen gehört - mein Essmesser !


Die Klingenform des Messers mit ihrem Einzug zum Griff hin ist einer Abbildung entnommen taucht aber, wenngleich eher selten, auch im Fundgut auf.
Bei der Bauweise handelt es sich wie um 1340 üblich um ein Griffangelmesser, das heißt die Klinge endet in einem mittig angesetzten Dorn -die besagte Angel- welcher den Griff aufnimmt.

Diese Angel wird dann bei einfachen Messern einfach mit einem hölzernen Griffstück, dem Heft, bestückt oder in abwechselnder Reihenfolge mit Plättchen aus den verschiedensten Materialien versehen. Weitere Ausführungen zur Plättchentechnik sind unter Werdegang eines Messers auf diesem Blog zu finden.

In diesem speziellen Fall habe ich auf Holz als Material für das Heft gänzlich verzichtet. Neben Trennplättchen aus Leder und Messing habe ich hier als Hauptmaterial ausschließlich Rinderknochen verarbeitet. Dies geschah einerseits aus einer gewissen Vorliebe für das Material Knochen an sich als auch aus dem Wunsch heraus eine möglichst helle Farbe für das Heft zu erhalten.


Alle verwendeten Plättchen hatten bei diesem Messer eine langrechteckige Grundform. Erst nach dem Vernieten der Angel habe ich die Kanten der Plättchen gemeinsam überarbeitet, angefast und so den jetztigen achteckigen Querschnitt des Hefts ausgeformt.

Danach wurde das Messer noch mit einer passenden Scheide aus Bovinaeleder versehen. Bei dieser Scheide ist, für das am Angelansatz sehr schmale Messer, ein assymetrischer Griffteil ausgeprägt worden. Einfache geometrische Kerbverzierungen schmücken die Lederscheide.